Das hat sich seit 9/11 geändert

Von Fabienne Engbers
9/11 hinterlässt Spuren, die uns bis heute beschäftigen.
9/11 hinterlässt Spuren, die uns bis heute beschäftigen. © Getty Images/Ezra Shaw
Die Bilder, die heute vor 15 Jahren über die Bildschirme in der ganzen Welt flimmerten, bleiben für immer im Gedächtnis. Zwei Hochhäuser, die in sich zusammenfallen, als bestünden sie nur aus Streichhölzern und Karton. 9/11 – dieser Tag hat vieles verändert.

Manche Historiker bezeichnen 9/11 als einen Tag, der die Welt verändert hat, eine sogenannte historische Zäsur. Vier Flugzeuge wurden von der Terrororganisation Al-Qaida entführt, um wichtige Gebäude in den USA zu zerstören. Drei davon trafen ihre Ziele – die beiden Twin Towers und das Pentagon. Das letzte Flugzeug konnte durch Passagiere von seinem Ziel abgebracht werden und stürzte ab. Gesamthaft starben fast 3000 Menschen.

Im Alltag sind die Veränderungen seit 9/11 kaum zu spüren und doch begleiten sie uns Tag für Tag. Wir haben die wichtigsten zusammengefasst.

1. Überwachung – überall!

Egal ob am Bahnhof, am Telefon, im Zug oder in den Ferien, überall wird man abgehört, abgetastet und beobachtet. Dies führte 2013 zu einem weltweiten Skandal, als der Whistleblower Edward Snowden geheime Informationen der National Security Agency NSA enthüllte. Diese Dokumente bewiesen, wie sehr der Staat Amerika seine Bürger und andere Länder ausspioniert.

2. Körperscanner und Sprengstoffabstriche

Am Flughafen geht man durch einen Körperscanner und muss Gürtel und Schuhe ausziehen. Piept der Scanner, wird man abgetastet und seit Neuestem werden auch die Finger auf Sprengstoffspuren überprüft. Vor 9/11 waren die Sicherheitsvorkehrungen deutlich weniger streng.

Am Flughafen wird streng kontrolliert

KEYSTONE/Gaetan Bally

3. Krieg gegen Terror

9/11 hat den Begriff des Terrorismus faktisch neu definiert. Zum ersten Mal wurde als Reaktion darauf ein “Krieg gegen den Terror” durch George W. Bush angekündigt.

4. Umgang mit Religionen

9/11 brachte die Rolle der Religion zurück in die Köpfe der Menschen. Dadurch, dass die Terroristen “im Namen des Islams” gehandelt hatten, wurde Religion plötzlich zu einem heiss diskutierten Thema, was bis heute so geblieben ist. Muslime durften nach den Anschlägen 2001 nicht mehr in der Nähe des World Trade Centers beten. Al-Qaida, Islamischer Staat und ihre Ableger sind momentan eines der grösseren Probleme, mit denen sich der Westen konfrontiert sieht.

5. Verschlossene Cockpit-Türen

Noch am 11. September 2001 haben sich einige Fluggesellschaften dazu entschlossen, ihre Cockpit-Türen während des Flugs geschlossen zu halten. Wenig später wurden die Türen auch baulich verstärkt. Dass dieser Schritt auch negative Folgen hatte, zeigte sich im März 2015 mit dem tragischen Absturz der Germanwings-Maschine, bei dem 150 Personen starben. Der Co-Pilot hatte sich im Cockpit eingeschlossen und die Maschine absichtlich abstürzen lassen.

Ein Cockpit ist heutzutage besser gesichert als vor 9/11

KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay

6. Guantanamo

Der Stützpunkt des Amerikanischen Militärs wurde nach 9/11 kurzerhand zu einem Gefangenenlager für Häftlinge aus dem Irak-Krieg umfunktioniert. Die Massnahmen, welche in Guantanamo zur Befragung der Gefangenen genutzt wurden, sorgten weltweit für Kritik. Besonders, als bekannt wurde, wie stark Gefangene gefoltert wurden und dass sie in Käfigen unter freiem Himmel lebten.

7. Biometrische Pässe

Im Jahr 2003 wurde zum ersten Mal zugestimmt, in Zukunft biometrische Informationen in Pässen festzuhalten. Fingerabdrücke und ein Augen-Scan sollen dabei helfen, falsche Pässe aufzuspüren und illegale Reisende aufzuhalten. Anfang 2004 beschlossen die USA, von jedem Einreisenden ein Foto zu machen und Fingerabdrücke zu nehmen. Zusätzlich muss man bestätigen, dass man kein Terrorist ist.

8. Krieg

Kurz nach 9/11 wurden bereits militärische Konsequenzen gegen die Attentäter von George W. Bush ausgerufen. Mit den Worten: “Wir führen Krieg gegen alle Terroristen und alle Regierungen, die diese unterstützen. Der Krieg wird nicht enden, bis nicht alle global agierenden Terroristengruppen bekämpft sind”, trat er vor die Abgeordneten im Weissen Haus. Am 20. März 2003 begann Bush dann seinen Rache-Feldzug gegen den Irak. Begründet hat er den Krieg mit Nuklearwaffen, die laut seinen Informationen im Irak versteckt waren. Diese Informationen stellten sich später als falsch heraus. Die Besetzung des Iraks durch die Amerikanische Armee dauerte bis 2011, konnte jedoch nicht zufriedenstellend beendet werden. Das schnelle Wachstum des Islamischen Staats in den letzten Jahren kann teilweise darauf zurückgeführt werden.

9. Getränke im Handgepäck

Nachdem 2006 in London Anschläge vereitelt wurden, ist die Maximalgrenze von 100-Milliliter-Flaschen für das Handgepäck festgelegt. Ab sofort müssen Flüssigkeiten beim Security Check in einen durchsichtigen Plastiksack gelegt werden und laufen separat durch den Scanner. Allerdings wird diese Regel in vielen Ländern verschieden gehandhabt.

10. Die politische Rolle Amerikas

Einige Wirtschaftsexperten nennen die Jahre nach 9/11 “das verlorene Jahrzehnt” für Amerika. Durch den Krieg hat die einstige Supermacht gelitten – vor allem wirtschaftlich, aber auch weltpolitisch.

Bush erklärte den Krieg gegen den Terrorismus

Keystone/EPA PHOTO/AFP/Eric Draper

11. Instabilität des Ostens

Die Regierungen vieler östlicher Länder (unter anderem Irak, Afghanistan, Libyen) wurden seit 9/11 gestürzt. Dies hat nicht zur politischen Stabilität beigetragen – im Gegenteil.

12. Verschwörungstheoretiker spriessen aus dem Boden

Kaum war der erste Schock der Attentate überwunden, kamen schon die ersten Zweifel an der offiziellen Version der Behörden auf. Verschwörungstheoretiker behaupten, dass 9/11 von der Regierung inszeniert wurde. Sie stützen ihre Theorie darauf, dass die beiden Türme feuerfest gebaut wurden und behaupten immer noch, dass die Regierung die Twin Tower absichtlich in die Luft gesprengt hat. Auch zum 15-jährigen Jubiläum von 9/11 wurde wieder ein Artikel in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, der an der offiziellen Geschichte der Regierung zweifelt.

13. Die New Yorker Skyline

Nichts ist mehr wie vorher, das zeigt sich auch am Erscheinungsbild von New York. Der neue Wolkenkratzer, das “One World Trade Center”, ist seit rund zwei Jahren fertig gebaut.

14. Das kollektive Gedächtnis

Jeder von uns weiss genau, wo er am 11. September 2001 war und was er gerade gemacht hat, als er die schreckliche Nachricht von 9/11 erfahren hat. Ein “kollektives Gedächtnis” nennt man dieses Phänomen.

15. Swissair wird zu Swiss

Sicherlich ist 9/11 nicht alleinig Schuld daran, dass die Swissair Konkurs anmelden musste. Allerdings sind die Passagierzahlen nach dem Angriff stark zurück gegangen und die Swissair konnte ihre Tochtergesellschaften nicht verkaufen. Dafür haben wir jetzt die Swiss, die zu der Lufthansa gehört.

Ein Swiss-Flugzeug auf dem Weg zur Startbahn

Keystone/Salvatore Di Nolfi

Fällt euch noch mehr ein, das sich seit 9/11 verändert hat? Schreibt es in die Kommentare!


Newsletter abonnieren
1Kommentar
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel