«Das Herz ans Clanx verloren»

Von Laurien Gschwend
Diese drei Appenzellerinnen geniessen den Freitagabend auf einem der «Clanx»-Sofas.
Diese drei Appenzellerinnen geniessen den Freitagabend auf einem der «Clanx»-Sofas. © FM1Today/Laurien Gschwend
Es ist ein kleines Festival vor einer atemberaubenden Kulisse, das «Clanx» in Appenzell. Für die familiäre Atmosphäre ohne Zwischenfälle sorgen 300 «Hölferinnen und Hölfer».

Am Freitagnachmittag wurde das ausverkaufte «Clanx» gegen 15 Uhr eröffnet. «Wir haben das Gelände mit obligater Verspätung aufgemacht, da wir noch mit unseren Helfern anstossen wollten», sagt Fabian Frech, Medienverantwortlicher des Appenzeller Openairs, das in diesem Jahr zum 14. Mal stattfindet.

Die «Hölferinnen und Hölfer» – so sind ihre T-Shirts angeschrieben, sind laut Frech die wichtigsten Leute neben den Besucherinnen und Besuchern. «300 Helfer sind für 1200 Besucher da. Diese 1:4-Betreuung ist sicher ein Punkt, der zum guten Gelingen beiträgt», ist der Medienchef überzeugt.

«Wir sind eine riesengrosse Familie»

Auf die Helfer kommen unterschiedliche Aufgaben zu: Auf- und Abbau, Küche (über 65 Personen), Barbetrieb, Sanität, Sicherheit, Bühnentechnik und Bandbetreuung. «Sie wissen, wie’s läuft. Ohne sie geht hier oben gar nichts.» Wie der 36-jährige Fabian Frech weiter ausführt, kaufen manche Helfer trotz ihres kostenlosen Eintritts ein Ticket. «Sie haben ihr Herz ans Clanx verloren. Wir sind hier oben eine riesengrosse Familie.»

Alles frisch und spontan

Der 31-jährige Beni macht «alles, was man mir sagt»: Gemüse schnipseln, abwaschen und Essen ausgeben. «Das Clanx ist bekannt für seine frische Sterneküche. Hier gibt es keinen Fast Food», erzählt der Helfer aus Rorschach. Schwärme ein Besucher um 22 Uhr seinen Kollegen vor, es gebe zurzeit ein leckeres Menu, habe dieses zwei Stunden später womöglich schon wieder gewechselt.

Matthias und Beni helfen in der Festivalküche mit. (Bild: FM1Today/Laurien Gschwend)

Matthias und Beni helfen in der Festivalküche mit. (Bild: FM1Today/Laurien Gschwend)

Beni schätzt die Abwechslung, die er als Helfer in der Küche erfährt. «Normalerweise arbeite ich im Büro.» Die Leute am Clanx seien super, «und der Chefkoch ist ein gemütlicher Typ».

Drogen und Intoleranzen

«Unser Job ist auf dem Festivalgelände der allerbeste», finden die 30-jährige Dorothea aus Speicher und die 29-jährige Marisa aus St.Gallen. Die beiden haben die Ehre, die Menschen hinter der Musik kennenzulernen und sind dafür zuständig, dass sich die Bands wohlfühlen.

Dorothea und Marisa sind Bandbetreuerinnen. (FM1Today/Laurien Gschwend)

Dorothea und Marisa sind Bandbetreuerinnen. (FM1Today/Laurien Gschwend)

Wohlfühlen, das ist mit speziellen Wünschen verbunden: «Es gibt immer mehr Veganer oder Bandmitglieder, die irgendeine Intoleranz haben», erzählt Dorothea. Auch mit Drogenwünschen werde sie hin und wieder konfrontiert. «Insgesamt sind die Bands aber sehr umgänglich.»

«Wie ein Ferienlager»

Der 32-jährige Hans aus St.Gallen ist seit den Anfängen des «Clanx» dabei, kein einziges Festival hat er verpasst. Seit neun Jahren verstärkt er das Team als Helfer. «Die zwei Wochen Auf- und Abbau sind für mich wie ein Ferienlager. Ich muss zwei Wochen lang nicht in den Bildschirm schauen, wir haben hier in Appenzell einen Mega-Frieden.»

Hans geniesst die Auszeit vom Alltag. (FM1Today/Laurien Gschwend)

Hans geniesst die Auszeit vom Alltag. (FM1Today/Laurien Gschwend)

Hans arbeitet normalerweise als Elektroniker, somit hat er es nur einmal im Jahr mit Stahl- und Holzbauten zu tun. «Ich habe extra die Stapler-Ausbildung gemacht», sagt der Helfer.

Bangen während des Gewitters

Während des heftigen Sturms am Donnerstagabend sei das gesamte Aufbau-Team auf 180 gewesen, berichtet der St.Galler. «Für einen kurzen Moment mussten wir in eine Scheune flüchten. Alle haben gespannt auf das Gelände geschaut und gehofft, dass nichts davon fliegt.» Schliesslich kam aber die Erleichterung: «Wir haben alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen und die Feuerprobe bestanden.»

Gespräche statt hartes Durchgreifen

Viel Gelassenheit muss auch Luca aus St.Gallen mitbringen, der seit acht Jahren bei der Sicherheit am «Clanx» mithilft. «Eine starke Fassade und Menschenkenntnis helfen dabei, Konflikte zu lösen», weiss der 28-Jährige. Zu Zwischenfällen komme es am Appenzeller Openair selten. «Im Notfall können wir auf die Hilfe der Polizei zählen, wir müssen sie aber zum Glück fast nie beiziehen.»

Luca sorgt für ein sicheres Festival. (Bild: FM1Today/Laurien Gschwend)

Luca sorgt für ein sicheres Festival. (Bild: FM1Today/Laurien Gschwend)

Wenn das «Clanx» wie in diesem Jahr ausverkauft ist, gibt es hin und wieder Personen, die versuchen, sich aufs Festivalgelände zu schleichen, erzählt Luca. In solchen Situationen und bei Reibereien versuche das Sicherheitsteam, das Gespräch mit den Gästen zu suchen. «Wir begegnen einander auf kollegialer Ebene.»

Eindrücke vom Freitag am «Clanx» gibt es in der Bildergalerie.

Am «Clanx» 2017 kann noch bis am Sonntagabend, 19 Uhr, gefeiert werden. Tickets an der Abendkasse sind keine erhältlich, da das Festival bereits wenige Tage nach Vorverkaufsstart ausverkauft war. Am Freitag sorgten die Bands Catalyst aus St.Gallen und Phototaxis aus Israel für gute Stimmung, am Samstag und am Sonntag stehen unter anderem Kaiser Franz Josef aus Österreich und Panda Lux aus Rorschach auf dem Programm. Hier geht’s zum gesamten Line-up.


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