“Das ist eine hochriskante Situation”

Auch gut angeschnallt können Kinder zur Unfallgefahr werden.
Auch gut angeschnallt können Kinder zur Unfallgefahr werden. © (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Ein 44-jähriger Vater lässt sich in Rorschach von seinem Sohn ablenken, verliert die Kontrolle über seinen Wagen und fährt drei Fussgänger an. Bei der Polizei gilt dies als klassischer Ablenkungsunfall. Der Verkehrspsychologe spricht von einer Hochrisiko-Situation.

Wie oft Unfälle passieren, weil sich der Fahrer von Kindern ablenken lässt, kann Gian Andrea Rezzoli nicht sagen. “In der Statistik werden diese Unfälle in der Kategorie Ablenkung geführt”, sagt der Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Auch der Unfall am Sonntag in Rorschach gilt als klassisch: Ein 44-jähriger Vater verliert die Kontrolle über seinen Wagen und verletzt drei Fussgänger auf dem Trottoir.

Augen auf die Strasse richten

Sein Kind hatte auf der Rückbank über Übelkeit geklagt. Der Vater blickte nach hinten und verlor in der Hektik die Kontrolle. “Es tut mir sehr leid, was passiert ist”, sagt der 44-jährige Geschäftsmann zu TVO.

Für Rezzoli ist klar: “Die Augen müssen während der Fahrt immer auf die Strasse gerichtet sein, egal was passiert.” Dies tönt in der Theorie einfacher, als es in der Praxis ist. Kinder, die während der Fahrt schreien, streiten, Hunger oder Durst haben, können die Nerven der Fahrer strapazieren – ganz zu schweigen, wenn das Kind erbrechen muss.

 

In Rorschach wurden vier Personen auf dem Trottoir verletzt.

 

Auch der St.Galler Verkehrspsychologe Rolf Jud schätzt dieses Situation als gefährlich ein: “Eltern kümmern sich reflexartig um ihre Kinder, wenn diese in Schwierigkeiten geraten, auch im Auto. Das ist eine hochriskante Situation. Drei Sekunden Ablenkung während einer Fahrt reichen für einen Unfall.”

Kein Patentrezept

Erstaunlicherweise gibt es weder beim Bundesamt für Unfallverhütung (BFU) noch bei der Elternberatung von Pro Juventute Ratschläge zum Thema. “Es gibt keine Patentrezept, wie man damit umgehen soll”, sagt Jud. “Autofahren braucht volle Konzentration, das müssen sich Lenker in jeder Situation bewusst sein.”

Hier der Bericht von TVO

(red)


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