Das war mies! Olma-Kater nach erneutem Vaduz-Debakel

Von Marco Latzer
Das war mies! Olma-Kater nach erneutem Vaduz-Debakel
© Viel Schatten, wenig Licht: Die St.Galler Fussballer gehen gegen Vaduz wieder als Verlierer vom Rasen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Nach einer neuerlichen Schmach gegen den FC Vaduz rutscht der FC St.Gallen ans Tabellenende der Super League. Bei der 0:2-Heimpleite gegen die Liechtensteiner standen die Espen wieder einmal neben den Schuhen. Hier geht es zu den Spielernoten.

Tor:

Daniel Lopar. Note: 3,5. Machtlos bei den beiden Gegentoren. Ansonsten hatte der arme Kerl  im Espen-Kasten aber kaum Gelegenheit, um sich auszuzeichnen.

Verteidigung:

Kofi Schulz. Note: 1,0. Weiterhin noch nicht auf Super-League-Niveau angekommen. Wirkt überfordert, leistet sich viele Ballverluste und ist auch taktisch überhaupt nicht auf der Höhe. Könnte ein Buch mit dem Arbeitstitel «Flankenbälle aus der Hölle» verfassen. Es war ein Horror-Auftritt.

Karim Haggui. Note: 1,5. Wurde in der Länderspielpause zum zweiten Mal Vater. Damit sind die positiven News aber auch schon erzählt. Mit über 200 Spielen in der Bundesliga auf dem Buckel sollte er eine Verteidigung mit seiner Erfahrung eigentlich stabilisieren können. Bloss: Er tut es nicht.

Alain Wiss. Note: 2,5. Zog einen unauffälligen Nachmittag ein. In einer alles anderen als genügenden Verteidigung ist ein solcher Auftritt schon fast eine überdurchschnittliche Leistung. Musste eine Viertelstunde für Offensivmann Danijel Aleksic vom Feld.

Silvan Hefti. Note: 3,0. Zu passiv bei der Flanke von Zarate, die letztlich zum 0:2 durch Burgmeier führte. Abgesehen davon war er noch der mutigste aller Verteidiger auf dem Rasen. Wagte den Gang nach vorne und suchte wiederholt auch den Schuss auf das gegnerische Tor.

Mittelfeld:

Yannis Tafer. Note: 2,0. Durfte eine Halbzeit lang uninspiriert über den Rasen trotten und ein halbes Dutzend Alibi-Pässchen spielen. Blieb zur Pause in der Kabine und wurde durch Mohamed Gouaida ersetzt. Doch was die HSV-Leihgabe zeigte, war einmal mehr ebenfalls nur Käse. Konnte kaum einen Ball annehmen – von einem satten Schuss wollen wir gar nicht erst zu träumen wagen.

Mario Mutsch. Note: 1,5. Verschuldete schon nach drei Minuten auf fahrlässigste Art und Weise einen Penalty, als er Burgmeier im eigenen Strafraum umzupfte, obwohl der Ball meilenweit entfernt war. Costanzo bedankte sich bei seinem Ex-Club artig mit seinem Treffer vom Elfmeterpunkt. Der Weg in die nächste Vaduz-Pleite war damit bereits früh aufgegleist und der graue Luxemburger wusste auch bis zu seiner Auswechslung in der 67. Minute überhaupt nicht zu überzeugen. Für ihn kam Albian Ajeti, der nochmals Dampf zu machen versuchte.

Toko. Note: 3,5. Kämpfer und Stabilisator im Mittelfeld. Würden alle Teamkollegen auf seinem Level und entsprechendem Willen spielen, stünde der FCSG nicht im Tabellenkeller.

Marco Aratore. Note: 4,5. Einziger überzeugender Espen-Kicker auf dem Rasen. Düste unermüdlich das Spielfeld rauf und runter, spielte öffnende Pässe und war auf seinem Flügel praktisch permanent anspielbar. Traf gleich doppelt das Aluminium und hätte sich einen Torerfolg eigentlich verdient gehabt. Scheint gegen den Negativ-Schlaf-Trott seiner Teamkollegen resistent gewesen zu sein.

Sturm:

Albert Bunjaku. Note: 2,0. Hat der Gute überhaupt gespielt? Wurde ganz, ganz selten in Aktion erlebt. Und das auch nur in Situationen, in denen er sich tief in der eigenen Platzhälfte in mühsamer Arbeit den Ball zu holen versuchte.

Roman Buess. Note: 1,5. Wieder ein Auftritt zum Vergessen. Wieder einmal ohne Torgefahr. Bei ihm geht es leistungsmässig praktisch permanent rauf und runter. Vielleicht könnte es mit Ajeti an seiner Seite etwas besser laufen.

FM1Today-Teamschnitt: 2,4

Fazit: Grosser Olma-Kater nach dem zehnten sieglosen Spiel gegen Vaduz in Serie. Bis in die Schlussphase kaum ein Torschuss. Keine Kreativität, kein Spielkonzept, keine Ideen – der FC St.Gallen geht trotz Kick bei sonnigstem Wetter einem ganz düsteren Herbst entgegen. Trainer Joe Zinnbauer vermochte den neuerlichen Tiefschlag gegen die Truppe aus dem Fürstentum kaum verständlich zu erklären und zeigte sich insgesamt ziemlich ratlos. Gleichzeitig betonte er an der Pressekonferenz aber auch, dass seine Mannschaft in der Länderspielpause sehr gut trainiert habe. Allerdings stellt sich dann erst recht die Frage, weshalb seine Schützlinge Eckbälle gleich serienmässig ins gegenüberliegende Seitenaus spedieren.

Ferner sei festzuhalten: Vaduz spielte keineswegs überzeugend, wusste aber die Mängel und Missstände in den Reihen der Ostschweizer konsequent und effizient auszunützen.

Einmal mehr brachte Zinnbauer seinen eher defensiven Schützling Gouaida bei einem Rückstand in die Partie, statt mit Ajeti, Gaudino oder Aleksic ein offensives Marschsignal an sein Team auszusenden. Und weshalb Wittwer – zuletzt gegen YB noch in der Startformation – nicht einmal auf dem Matchblatt stand, weiss wohl auch nur der Trainer, von dem die Fans auch nach über einem Jahr jegliche Spielphilosophie vermissen.

Einfacher wird es für Zinnbauer wohl nicht mehr werden. Die Fans forderten nach Abpfiff aus tausenden Kehlen seinen Abgang. Bislang zeigte sich Präsident Dölf Früh dafür unempfänglich; bleiben die Leistungen aber weiterhin derart schwach, wird sich weisen, wie gross dessen Geduld wirklich ist.

Weiter geht es am kommenden Sonntag (16 Uhr) in Luzern. Eine Woche darauf kommt Thun – derzeit wegen dem schlechteren Torverhältnis noch Tabellenletzer – zum Krisengipfel in den Kybunpark. Die Mannschaft geht damit unangenehmen Wochen entgegen.

 


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