Das wilde Leben als Stuntfrau

Simone Bargetze hat die Power im Blut.
Simone Bargetze hat die Power im Blut. © Screenshot «Simone's Wild World»
Von Triesen nach Amerika: Die 40-jährige Simone Bargetze hat als Stuntfrau in Blockbustern wie Avatar oder Tranformers mitgewirkt. Nun spielt sie die Hauptrolle: Ein Dokfilm über sie kommt im Februar in die Kinos.

Simone Bargetzes Leben gleicht einer Achterbahnfahrt – im positiven Sinne. Als Moderatorin, Stuntfrau und Weltenbummlerin hat sie viel erlebt. Am Straussenrennen teilnehmen, in einen fahrenden Bus springen und auf den Pferden in Avatar reiten. Es gibt fast nichts, was Simone Bargetze, die in Liechtenstein aufgewachsen ist, nicht gemacht hat. Und doch stehen da noch einige Dinge auf ihrer To-Do-Liste. «Ich wäre zur Eröffnung meiner Sendung ‹Simones Wild World› gerne ohne Fallschirm aus einem Flugzeug gesprungen und hätte mich von Kollegen mit Fallschirm fangen lassen. Doch ich war damals im dritten Monat schwanger und es wurde mir verboten. Aber machen möchte ich es immer noch», sagt Bargetze.

Erster Dreh nach durchzechter Nacht

Ihre Reise war und bleibt abenteuerlich. Die Filmemacher Andi Batliner und Sandro Schreiber haben die 40-Jährige während drei Jahren begleitet, um das Leben der Stuntfrau zu dokumentieren. Im Februar 2018 feiert der Dokfilm Premiere. Vor kurzem wurde der Trailer veröffentlicht.

«Ich freue mich auf die Premiere, ich finde die beiden haben einen tollen Job gemacht. Den ersten Drehtag hatte ich vergessen. Als dann das Filmteam morgens um neun bei mir auf der Matte stand, kam es mir wieder in den Sinn. Eine Freundin aus Los Angeles war zu Besuch und wir hatten eine durchzechte Nacht», sagt Bargetze und lacht. So seien die Nahaufnahmen dieses Morgens etwas zerknittert. «Mit 40 sieht man nach einer solchen Nacht halt nicht so frisch aus. Aber es geht ja um den Inhalt, nicht um mein Aussehen.»

Schlechte Moderatorin, gute Stuntfrau

Dass sie je Stuntfrau in den grössten Hollywood-Produktionen sein würde, war nie ihr Plan. Eigentlich wollte sie Kindergärtnerin werden, war aber mit der Wahl nicht ganz so zufrieden. «Ich dachte mir, im Kindergarten-Semi könnte ich mit farbigen Haaren und löchrigen Jeans auftauchen, was ich super fand. Noch besser allerdings war, dass ich dann in die Moderation von Star TV reingerutscht bin», sagt Bargetze.

Das gab ihrem Leben eine Wende. Christian Breitschmid, der das Magazin Freestyle für Star TV produzierte, bot ihr den Moderations-Job an. «Allerdings war ich nicht so gut im recherchieren und Fragen stellen. Also habe ich mit meinen Gästen einfach immer verrückte Sachen gemacht und sie herausgefordert. Automatisch gingen diese Dinge in Richtung Stunts. Mein damaliger Freund sagte mir, ich sei eine schlechte Moderatorin, aber eine umso bessere Stuntfrau», sagt Bargetze.

In Amerika landete sie, weil sie an den X-Games in San Diego ihre erste Sendung von «Simones World» filmen wollte. Am Extremsport-Event wurde sie gleich am ersten Tag auf ihrem BMX von einem Auto angefahren. «Mein Gesicht sah schlimm aus. Die ganzen Bad Boys der Extremsport Szene fanden dass cool und wollten dann alle von mir interviewt werden, weil es so heftig aussah. Es war mein Glück, angefahren zu werden.»

Danach hatte sie ihre eigene Sendung auf Star TV und konnte ein weiteres Jahr in Amerika bleiben. «Ein bisschen war es schon geplant, aber danach bin ich reingeschlittert in alles. Mein Motto ist, frisch-fröhlich auf alles zuzugehen – ohne Angst und mit viel Motivation.»

Bewaffnet mit Pfeil und Bogen zu Avatar

So kam sie auch zu ihrem Job in Avatar. «Ich habe mich um die Pferde von Hollywood-Stars gekümmert, da diese sie manchmal vergessen haben. Ein Stunt-Koordinator hat mich darauf hingewiesen, dass es bald einen Film mit Pferden und Amazonen geben werde. Also entschloss ich mich, ein Video zu machen», sagt Bargetze.

Nachdem sie geübt hatte, mit Pfeil und Bogen zu schiessen, hat sie ein Video gedreht, in dem sie als Amazone verkleidet mit Pfeil und Bogen auf einem Pferd durch die Wildnis reitet – ohne Sattel und Zaum. Auf dem galoppierenden Pferd hat sie dabei mit Pfeil und Bogen die Zielscheiben abgeschossen. «Der Stunt-Koordinator von Avatar hat das Video schiesslich dem Regisseur, James Cameron gezeigt. Er meinte, das Video steche aus allen Bewerbungen heraus und so engagierte er mich.»

Simone Bargetze bewarb sich mit einem Stunt auf dem Pferd für Avatar.

So bewarb sich Simone Bargetze für Avatar (Bild: Printscreen «Fearless Journey»).

Simone Bargetze hat über acht Jahre lang in den grössten Hollywood-Produktionen wie Avatar, Lost, Transformers 3 und Ironman 2 mitgewirkt. «Ich sage immer, die Schauspieler müssen den Scheiss für mich machen und ich kann das Coole für sie machen», sagt Bargetze. Es gibt natürlich viele Schauspieler, die behaupten, sie würden alle Stunts selber machen.

Aufhören ist kein Thema

Das stört Bargetze nicht wirklich. «Die Schauspieler müssen schon Stunt-Szenen drehen, allerdings in einem unglaublich sicheren Rahmen. Ihnen darf ja nichts passieren, da die Produktion sonst gefährdet wäre. Die richtig krassen Sachen dürfen sie nie machen, das liegt bei uns.»

Sie sagt, es sei unglaublich toll, Teil dieser Produktionen zu sein. Gerade wenn man die Hauptdarstellerin double, sei man während der Produktion Teil der Schauspieler- und Set-Familie. Was sie aber auch geniesst, ist die Abwechslung. «Manchmal wird man nur für einzelne Tage gebucht. Da kann es vorkommen, dass ich in einer Woche in Malibu eine Szene mit einem Pferd drehe, dann als Stipperin, die abgeschossen wird, an einem Fredy Krüger-Set wirke und schliesslich noch in einer Metro gegen den ‹Midnight MeatTrain Killer› kämpfe. Ich liebe es, von einem Extremen ins nächste zu springen.»

Grösstes Abenteuer ist der Sohn

Ihr neuestes Abenteuer ist Sohn Jamie Riot. Der einjährige Bub hält sie und Sven Wallwork, Frontmann der Punkrockband Snitch, ziemlich auf Trab. Ganz so «fearless» ist Bargetze seither nicht mehr. «Ich bin nun für einen Menschen verantwortlich. Da überlege ich meist zwei Mal, bevor ich für Stunts zusage, da ich abwäge wie hoch das Verletzungsrisiko sein könnte. Nun weiss ich, wie sich meine Eltern immer fühlten.»

Doch aufhören ist kein Thema. Derzeit produziert sie wieder ihre eigene Sendung. «Simones Wild World», in der sie auf der ganzen Welt herumkommt. Die Episoden werden auf Facebook und Instagram gezeigt. Danach dürfte es mit den Stunts weitergehen. Gerade kürzlich wurde sie angefragt, ob sie erneut bei Avatar mitwirken wolle. Natürlich will sie: «Es war schon immer mein Traum, noch einmal bei Avatar mitwirken zu dürfen.»

(str)


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