Davoser Sieg ermöglicht das Spiel der Spiele

Freude bei Arno Del Curto: Sein HCD zieht ins Halbfinale ein
Freude bei Arno Del Curto: Sein HCD zieht ins Halbfinale ein © Keystone/Melanie Duchene
Am Samstagabend duellieren sich am Spengler Cup der HC Davos und die Schweizer Nationalmannschaft um einen Platz im Final. Davos gewinnt seinen Viertelfinal gegen HPK Hämeenlinna 4:2.

Seit Donnerstagabend und der Davoser Niederlage gegen das Team Canada geisterte dieses Halbfinal-Szenario in allen Köpfen herum. «Ich brenne auf das Spiel gegen den HCD», meinte Nationalcoach Patrick Fischer am VIP-Brunch auf der Davoser Schatzalp. «Und ich weiss, dass auch Arno Del Curto diesem Duell entgegenfiebert.»

Nach sechs Minuten im Viertelfinal drohte das Duell zu platzen. Oula Palve – ein finnischer Provinzheld – brachte mit zwei Toren HPK 2:0 in Führung. Palve spielte bis vor einem Jahr und während fünf Saisons für Jukurit Mikkeli in Finnlands zweithöchster Spielklasse und räumte dort regelmässig alle Auszeichnungen (meiste Tore, Assists, Punkte, beste Plus-/Minusbilanz) ab. Vor einem Jahr wechselte er zu Hämeenlinna. Am Freitagabend bekam der HC Davos die Gefährlichkeit Palves zu spüren – am meisten Félicien Du Bois, der nach 14 Minuten von einem Slapshot Palves im Gesicht getroffen wurde und umgehend zum Zahnarzt musste.

Davos drohte der totale «Blackout»

Dem HC Davos drohte Mitte dieses ersten Drittels das totale «Blackout» – das erstmalige Verpassen der Halbfinals seit Einführung des neuen Modus (2010) und die schlechteste Spengler-Cup-Klassierung seit 2007, als die Davoser ihr Traditionsturnier auf dem letzten Platz beendet hatten.

Aber der HC Davos kämpfte sich ins Spiel zurück – genau gleich wie vor zwei Jahren im Viertelfinal, als er gegen Jokerit Helsinki bis zur 41. Minute 2:4 zurücklag und noch 5:4 gewann. Enzo Corvi gelang nach zwölf Minuten der Anschlusstreffer. Und im zweiten Abschnitt brachten Robert Kousal (24.) und Marc Wieser (27.) den HCD innerhalb von 159 Sekunden 3:2 in Führung. Davos erzielte diese drei Goals mit rassigen Gegenangriffen – so eben, wie der HCD auch in der Meisterschaft immer wieder skort.

Das siegsichernde 4:2 erzielte Jeremy Morin nach 43 Minuten. Auch seine Geschichte ist bemerkenswert. Er bestritt diese Saison erst 16 Spiele – für fünf verschiedene Klubs. Anfang Saison stand er nach Engagements in Sibirien und der East Coast Hockey League auch kurz bei Hämeenlinna unter Vertrag. Sein Kontrakt mit dem SC Bern läuft am 3. Januar aus. In Davos empfahl sich Morin mit bislang drei Turniertoren für eine nächste Kurzarbeit – wo auch immer.

Davoser Aufholjagd gelungen

Dank der Davoser Aufholjagd kommt es am Samstagabend zur besten Sendezeit zu einer «Hockey Night in Switzerland»: Die Schweizer Nationalmannschaft gegen Arno Del Curtos HCD! Nie mehr seit Dezember 1986, als die Schweiz in Bern vor 17’000 Zuschauern erstmals gegen die grosse Sowjetunion mit Bykow, Makarow und Krutow spielte (und 2:10 verlor), generierte ein Testspiel der Schweizer Nati derartiges Interesse.

Die Nationalmannschaft tritt natürlich als haushoher Favorit zum Halbfinal an. Die Schweizer von Coach Patrick Fischer standen bislang in Davos im Zweitagerhythmus im Einsatz, derweil Davos im Halbfinal bereits die vierte Partie seit Mittwoch bestreitet. Zudem verschärfte sich in Del Curtos Team die Situation mit den Verletzten weiter. Zum abwesenden ehemaligen MVP Perttu Lindgren und den ebenfalls verletzten Anton Rödin und Mauro Jörg schieden mit Verletzungen in den ersten drei Turnierspielen auch Samuel Walser, Félicien Du Bois und Sam Lofquist aus.

Aber die Nationalmannschaft und nicht der HCD steht am Samstagabend unter Druck. 40 Tage vor der Olympia-Eröffnungsfeier in Pyeongchang wollen die Schweizer sicher nicht gegen ein Klubteam aus der National League verlieren. Zu einem Selbstläufer werden solche Partien nicht. Das erfuhr am Freitag die Schweizer Volleyball-Nationalmannschaft, die gegen Chênois verlor, den Sechsten der NLA. Auch im Fussball gab es derartige Duelle schon: Bayern schlug die Deutsche Nationalmannschaft, und der FC Sevilla trotzte Brasilien ein 1:1 ab. Im Eishockey traf die Schweiz am Spengler Cup schon 1964 auf den HC Davos: Damals resultierte bei minus 20 Grad auf der offenen Eisbahn ein 3:3.

(SDA)


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