Venezuela demonstriert gegen Maduro

Venezuela demonstriert gegen Maduro
© Keystone/EPA EFE/MIGUEL GUTIERREZ
Zehntausende Menschen haben in Venezuela für eine zügige Volksabstimmung gegen den sozialistischen Staatschef Nicólas Maduro demonstriert. Bei der «Einnahme von Caracas» blockierten sie am Donnerstag wichtige Strassen der Hauptstadt. Auch im Rest des Landes waren Kundgebungen geplant.

Unmittelbar nach Beginn der Aktion gab es erste Berichte über den Einsatz von Tränengas durch die Sicherheitskräfte gegen oppositionelle Demonstranten. Insgesamt wollte die Opposition mindestens eine Million Menschen mobilisieren.

«Tausende Venezolaner gehen für die Freiheit auf die Strasse», sagte die Frau des inhaftierten Oppositionsführers Leopoldo López, Lilian Tintori. Der oppositionelle Bürgermeister des Hauptstadtbezirks El Hatillo, David Smolansky, sagte: «Wir fordern ein Referendum im Jahr 2016, damit wir unsere Freiheit und den Rechtsstaat zurückerhalten.»

Die Wahlbehörde hatte die zweite Unterschriftensammlung für den Volksentscheid gegen Maduro zuletzt auf Ende Oktober festgelegt. Der Opposition ist das zu spät, denn damit könnte die Regierung das Referendum bis ins kommende Jahr hinauszögern. Dann würden laut Verfassung die Sozialisten selbst bei einer Niederlage des Präsidenten an der Macht bleiben.

Auch Tausende Regierungsanhänger gingen zur Unterstützung Maduros auf die Strasse. Beobachter befürchteten gewaltsame Ausschreitungen. Die Regierung verlegte 10’000 zusätzliche Sicherheitskräfte in die Hauptstadt. «Wir wollen nicht, dass die Gewalt siegt. Wir setzen auf den Frieden, auf die Rationalität», sagte der sozialistische Fraktionschef Héctor Rodríguez.

Das Oppositionsbündnis MUD berichtete, Sicherheitskräfte hätten in Caracas Tränengas auf Demonstranten gefeuert. Maduro warf der Opposition vor, die Bürger zur Gewalt anzustacheln. Der Staatschef beschuldigte den oppositionellen Parlamentspräsidenten Henry Ramos Allup, «Hass, Vergeltung, Faschismus und Gewalt zu fördern».

Dies werde seine Regierung nicht dulden, warnte Maduro. Er werde den Obersten Gerichtshof ersuchen, die Immunität der Abgeordneten des von der Opposition kontrollierten Parlaments aufzuheben.

Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, Sicherheitskräfte hätten wichtige Strassen nach Caracas blockiert oder Kontrollpunkte eingerichtet. Es komme zu langen Staus.

Venezuela hat mehrere internationale Journalisten abgewiesen, die über den Protesttag gegen die Regierung berichten wollten. Die französische Zeitung «Le Monde» protestierte am Donnerstag in Paris gegen die Ausweisung ihrer Korrespondentin aus dem südamerikanischen Land. Auch Journalisten aus den USA und Kolumbien sowie ein Fernsehteam von Al-Dschasira waren betroffen

Venezuela ist tief gespalten: Seit dem Sieg der Opposition bei den Parlamentswahlen Ende vergangenen Jahres streiten sich Regierung und Volksversammlung. Zudem leidet das Land seit Monaten unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. In den Supermärkten fehlt es an Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen