Der Donald Trump von nebenan

Von Claudia Amann
Richard Lugner und Ehefrau Cathy im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich seiner Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl.
Richard Lugner und Ehefrau Cathy im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich seiner Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl. © APA/ROLAND SCHLAGER
Wer auf ihn wettet, könnte mitunter reich werden: Auch am Tag der Präsidentschaftswahl in Österreich sehen die Umfragewerte für Richard Lugner nicht allzu gut aus. Genauer gesagt liegt die Quote bei 1:1000.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Präsidentschaftswahl in Österreich stehen sechs Kandidaten zur Wahl:  Irmgard Griss, Norbert Hofer, Rudolf Hundstorfer, Andreas Khol, Richard Lugner und Alexander Van der Bellen. Letzterer war lange Zeit Bundessprecher der österreichischen Grünen und gilt als grosser Favorit. Wer das Rennen um den Sitz in der Hofburg machen wird, ist dennoch unsicher. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und die parteifreie Irmgard Griss liegen in Umfragewerten ebenfalls weit vorne. Eine Stichwahl scheint deshalb vorhersehbar. Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer darf nach zwei Amtszeiten von je sechs Jahren nicht mehr antreten.

(APA/Hans Punz)

Die sechs Präsidentschaftskandidaten. (APA)

Briefwahl kann entscheiden

Wenn der Wahlkampf in Österreich eines nicht war, dann langweilig. Die sechs Kandidaten mit ihren verschiedenen Ausrichtungen haben auch einen unterschiedlichen Wahlkampf geführt. Aber auch wenn die Stimmen bis am frühen Abend ausgezählt sein werden, so wird es bis zum Auszählen der Briefwahlstimmen noch einige Tage dauern. Diese können somit das Zünglein an der Waage sein. In Österreich wählt – anders als in der Schweiz – allerdings nur ein kleiner Prozentsatz per Briefwahl; es ist herkömmlich, dass die Stimmbürger den Wahlzettel in einer Kabine ausfüllen.

Lugner knapp dabei

Bereits zum zweiten Mal im Rennen um die Hofburg dabei ist der Selfmade-Millionär a.d. Richard Lugner – und zwar 18 Jahre nach seiner ersten Kandidatur. Laut dem alternden Baumeister  – Spitzname “Mörtel” – und Opernball-Zampano war es ein Anruf der Tageszeitung „Österreich“ und das diesem folgende Drängen seiner Ehefrau Cathy, die ihn zum Antreten bewogen. Eine Rolle dürfte aber wohl auch eine von Lugner in Auftrag gegeben Studie gespielt haben, die ihm zehn Prozent der Stimmen prognostizierte.

Lugner’s Ansprache ans Volk

Dass Lugner tatsächlich auf dem Stimmzettel stehen würde, war freilich erst um einiges später klar: Bis zum letztmöglichen Zeitpunkt kämpfte der Einkaufszentrumbesitzer darum, die für eine Kandidatur nötigen 6000 Stimmen zu sammeln – und griff dafür auch auf unorthodoxe Methoden wie gratis Limousinenfahrten zum Bezirksamt zurück. Am Ende ging es sich mit rund 6500 Unterstützungserklärungen knapp aus.

“Vertrete die Mehrheit”

Richard Lugner kann man für die Zeit des Wahlkampfes jedenfalls eines nicht vorwerfen – und das ist mangelnder Einsatz. Der 83-Jährige war auf etlichen Veranstaltungen anzutreffen und tourte mit seiner 57 Jahre jüngeren Ehefrau Cathy quer durch Österreich. Argumente für Lugner als Bundespräsidenten scheint es auch zu geben: “Nur 14 Prozent der Österreicher haben einen akademischen Abschluss. Ich vertrete damit 86 Prozent der Österreicher!” gibt sich Lugner siegessicher.

Lugner’s Wahlkampf-Song

Richard Lugner ist den meisten Schweizern als Organisator eines berühmten Opernball-Gastes bekannt. Seit 1992 bringt er jedes Jahr eine berühmte Persönlichkeit aus dem Showbusiness zum Opernball. Nicht immer zur Freude der Opernball-Organisatoren (man erinnere sich an Berlusconis “Ruby” anno 2011), aber stets zur Freude des Publikums.

Der Wiener ist zum fünften Mal verheiratet – aktuell mit dem Playmate Cathy “Spatzi” Schmitz, die ihn im Wahlkampf tatkräftig unterstützt hat. Die beiden sind in der RTL II Doku-Soap “Lugner und Cathy – der Millionär und das Bunny” regelmässig zu sehen.

Die Lugners am Opernball 2016


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