Der FCSG vor einer heissen GV

Seit der letzten GV ist beim FCSG kaum ein Stein auf dem anderen geblieben: So sind etwa die Verwaltungsräte Martin Schönenberger, Pascal Kesseli und Michael Hüppi nicht mehr dabei.
Seit der letzten GV ist beim FCSG kaum ein Stein auf dem anderen geblieben: So sind etwa die Verwaltungsräte Martin Schönenberger, Pascal Kesseli und Michael Hüppi nicht mehr dabei. © Tagblatt/Samuel Schalch (Archivbild)
Nach turbulenten Monaten wird die heutige Generalversammlung der FC St.Gallen AG mit Spannung erwartet. Welchen Einfluss können Publikumsaktionäre nehmen? Welche Entscheide werden erwartet? Fragen und Antworten zur aktuellen Lage und zur GV.

Tagblatt/Ralf Streule

Der FC St.Gallen steckt im ­Umbruch. Und auch wenn Präsident Stefan Hernandez am Samstag im Interview mit dem Tagblatt von einkehrender Ruhe sprach: Nach wie vor stehen Vorwürfe des ehemaligen Verwaltungsrats Michael Hüppi und vielen weiteren Beobachtern des Clubs im Raum. Der aktuelle Verwaltungsrat sei zu wenig unabhängig, heisst es unter anderem. ­Zudem steht die Frage an, ob Dölf Früh sein Aktienpaket verkauft. Gibt es heute an der ­General­versammlung (ab 19 Uhr im Liveticker auf FM1Today) Neuigkeiten? Ein Überblick über die aktuelle Lage.

Welche Bedeutung hat die GV der FC St.Gallen AG?
Eine grosse, was das Atmosphärische angeht: Die GV ist ein Stimmungsbarometer, da nicht nur die grossen Entscheidungsträger dabei sind, sondern auch die Kleinaktionäre, die Fans. Diese halten sich an der GV zwar meist mit Voten zurück – in der aktuellen Phase könnte dies für einmal aber anders sein.

Welchen Einfluss haben Publikumsaktionäre?
Auf die Geschicke des Clubs ist der Einfluss klein. Faktisch sind die Aktionäre der FC St.Gallen Event AG die Entscheidungsträger. Die Event AG ist Hauptaktionärin der FC St. Gallen AG (siehe Infobox) und deren eigentliche Muttergesellschaft. Die Aktionäre der Event AG trafen sich Ende Oktober an ihrer GV. Welche Entscheide getroffen wurden, ist nicht im Detail bekannt. Der Verwaltungsrat (VR), der beiden Gesellschaften vorsteht und die Geschicke des Vereins verantwortet, wird faktisch ebenfalls von den Aktionären der Event AG bestimmt.

Welche Konflikte schwelen im Club?
Kürzlich verliessen Pascal Kesseli und Michael Hüppi den VR, auch Martin Schönenberger stellt sich nicht mehr zur Verfügung. Sie scheinen Opfer eines Machtkampfs zu sein, bei dem es auch um die Nachwuchsarbeit geht. Personen um Kesseli, so sagen Insider, gelten als kritisch gegenüber der im Nachwuchs formierten Gruppe um Marco Otero, der vielen als Unruheherd gilt. Früh soll diese Gruppe stützen. Die Änderungen im VR im Mai, als Sascha Roth, Ferruccio Vanin und Hernandez zum VR stiessen, sollen – sagen böse Zungen – Früh dazu gedient haben, weiter seinen Einfluss geltend zu machen.

Verkauft Dölf Früh seine Aktien?
Die Führung will, so sagte Hernandez zuletzt, die Aktien breiter verteilen. Früh als Hauptaktionär kündigte an, sein Aktienpaket zu verkaufen. Dies würde auch den Vorwurf im Umfeld entschärfen, er ziehe weiter die Fäden im Club. Offenbar sind zuletzt mehrere Gespräche kurzfristig verschoben worden. Potenzielle neue Käufer sind Roland Gutjahr von der Ernst Fischer AG oder die Gebrüder Müller von der Gemag – zudem soll Edgar Oehler seinen Anteil aufstocken. Offenbar wurde angestrebt, einen Verkauf bis zur heutigen GV zu tätigen. Zu hören ist auch, dass Früh Bedingungen an den Verkauf knüpfen soll: So soll Kesseli sein Paket von 9,8 Prozent an der Event AG verkaufen müssen.

Sind Verschiebungen im VR zu erwarten?
Vorläufig bleibt es wohl bei vier Verwaltungsräten: Stefan Hernandez (Präsident FCSG, interimistischer CEO Event AG), ­Sascha Roth (Finanzchef Event AG), Ferruccio Vanin (Geschäftsführer FCO), Brigitta Mettler. Hernandez sagt aber, dass mit allfälligen neuen Aktionären auch neue, externe Verwaltungsräte zum Gremium stossen sollen.

Was könnte an der GV sonst zu Voten führen?
Die Erfolgsrechnung. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, als diese ausgeglichen war, weisen die beiden Gesellschaften konsolidiert nun einen Verlust von 2,8 Millionen Franken aus. Hernandez erklärt dies unter anderem mit steigenden Ausgaben für die erste Mannschaft oder dem Zuschauerrückgang.

Das aktuelle Aktionariat der beiden Gesellschaften

FC St. Gallen Event AG
Dölf Früh (48,86%)
Edgar Oehler (12,12%)
Steffen Tolle (9,76%)
Pascal Kesseli (9,76%)
Martin Jäger (4,88%)
Rolf Schubiger (4,88%)
Schützengarten AG (4,88%)
Stefan Hernandez (4,88%)

FC St. Gallen AG
FC St. Gallen Event AG (41,35%)
Kleinaktionäre (40,52%)
Priora-Gruppe (9,88%)
Dölf Früh (8,25%)

Zuletzt wurde die Verteilung im Mai 2017 mit dem Amtsantritt von Stefan Hernandez angepasst.

Dieser Artikel erschien heute Montag, 13.11.2017 im «St.Galler Tagblatt».


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