«Der Film ist zu 100 Prozent echt»

Die Familie Neff verbringt den Sommer im Alpstein.
Die Familie Neff verbringt den Sommer im Alpstein. © Thomas Rickenmann
Es geht um Tradition, um Natur und für viele Bauern die schönste Zeit des Jahres. Die «Alpzyt». Der neue Film des Toggenburger Filmemachers Thomas Rickenmann feiert heute Freitag in Herisau Vorpremiere. Er erzählt die Geschichten dreier Familien auf der Alp – unter anderem begleitet er die Familie Neff in den Alpstein.

Der Film «Alpzyt» erzählt die Geschichten dreier Familien auf der Alp – unter anderem begleitet Filmemacher Thomas Rickenmann die Familie Neff in den Alpstein. FM1Today-Reporterin Lara Abderhalden hat mit dem Ostschweizer Filmemacher gesprochen.

«Alpzyt», es klingt als hätten sie denselben Film ein zweites Mal gedreht oder was unterscheidet ihr neuster Film von «Z’Alp», der vor drei Jahren in die Kinos kam?

Thomas Rickenmann: Es ist die Fortsetzung. Während ich im ersten Film «Z’Alp» die Familien auf dem Weg zur Alp begleitete, dass heisst die ganzen Vorbereitungen filmte, geht es im neuen Film «Alpzyt» um die Zeit, welche die Familien auf der Alp verbringen. Das Leben auf der Alp und dann natürlich auch wieder das Verlassen der Alp, den Alpabzug.

Und dafür haben sie selbst den ganzen Sommer auf der Alp verbracht?

Nicht den ganzen Sommer. Im Zentrum des Filmes stehen drei Familien. Eine aus dem Berner Oberland, eine aus der Zentralschweiz und eine Familie die auf der Altenalp im Alpstein war. Ich verbrachte da teilweise nur zwei Tage, manchmal auch eine Woche.

Warum die Alp? Hat es ihnen nach dem ersten Film dort oben so gut gefallen, dass sie zurückkehren wollten?

Die Alp ist schön. Es ist so schön friedlich in den Bergen. Man findet dort irgendwie eine innere Ruhe und wenn man dort noch einen Film machen kann, ist das doch das schönste auf der Welt.

Vermutlich nicht immer ganz einfach?

Das Alpleben ist nicht immer Schönwetter und Sonnenschein. Es ist streng und ich würde das kaum schaffen. Ein Arbeitstag beginnt um 5 Uhr morgens und endet um 21 Uhr am Abend. Es gibt keine Ferien, geschweige denn Wochenenden. Der Sonntag ist ein Arbeitstag.

Das Filmen selbst war eine Herausforderung. Das Schwierigste war, dass ich alles alleine filmte. Ich musste das ganze Equipment den Berg hinauftragen. Einen Alpabzug filmte ich mit einer Kamera, was nicht immer einfach war, da ich so viele Perspektiven wie möglich im Film haben wollte.

Was war für sie ein besonders einschneidendes Erlebnis?

Der Alpabzug von der Engstligenalp im Berner Oberland. Es hatte 30 Zentimeter Schnee. Die Sennen mussten mit ihren Tieren im Schnee die steilen Felshänge hinunter. Das war sehr eindrücklich und eine Herausforderung zum Filmen.

Hatten Sie diese Strapazen in ihrem Drehbuch vorgesehen?

Natürlich nicht. Ich hatte gar kein Drehbuch. Zwei der drei Alpen kannte ich im Voraus nicht, da ist es schwierig ein Drehbuch zu schreiben. Ich ging da einfach hin, habe den Menschen zugeschaut, gefilmt und daraus einen Dokumentarfilm gemacht. Es gibt keine gestellten Szenen, der Film ist zu 100 Prozent echt und das macht ihn authentisch.

Glauben Sie, dass die Menschen heutzutage wieder mehr Wert auf Authentizität, auf Tradition und Schweizer Werte legen?

Ich glaube das Thema Tradition wird nie verstummen. Man sieht es bei der heutigen Jugend. Das Wandern ist «in». Die Menschen, vor allem auch Junge, beschäftigen sich wieder häufiger mit der Natur.

Werden Sie sich auch im nächsten Film wieder völlig der Natur und Tradition widmen?

Ja, in der Tat erscheint am 1. Januar 2018 schon mein nächster Film. Es geht um den Bloch, eine wunderbare Tradition aus dem Appenzellerland.

Wenn Sie sich den Film heute im Kino ansehen werden, auf welche Stelle freuen sie sich besonders?

Den schönsten Teil finde ich den Schluss mit den wunderbaren Herbstbildern des Alpsteins. Ich als Toggenburger bin dem Alpstein sehr nahe und deshalb sehr verbunden. Wenn ich diese Bilder sehe, berührt mich das immer wieder.

Thomas Rickenmann ist freischaffender Produzent und Gestalter von Kino Dokumentarfilmen. Der 38-Jährige stammt aus Uelisbach im Toggenburg und produzierte bereits Filme wie «Silvesterchlausen», «Panamericana», «Die Schönheiten des Alpsteins» und «Z’Alp». Sein neuster Dokumentarfilm «Alpzyt» wird ab dem 13. Oktober in 45 Kinos in der ganzen Schweiz ausgestrahlt. Vorher sind diverse Vorpremieren:
07.10.2016 – 20:15 – Cinetreff, Herisau
09.10.2016 – 11:00 – Schlosskino, Rapperswil
09.10.2016 – 17:00 – Cinewil, Wil
10.10.2016 – 20:15 – Cineboxx, Einsiedeln
11.10.2016 – 20:15 – Kino Passerelle, Wattwil
12.10.2016 – 20:00 – Scala, St. Gallen
13.10.2016 – 20:15 – Kino Madlen, Heerbrugg

Der Trailer zum Film«Alpzyt»:

(abl)


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