Der Final-Klassiker aus Ostschweizer Sicht

Von David Scarano
Martin Plüss gegen Goalie Elvis Merzlikins. Da Duell wiederholt sich im Final.
Martin Plüss gegen Goalie Elvis Merzlikins. Da Duell wiederholt sich im Final. © (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Die Finalpaarung Lugano gegen Bern ist der Playoff-Klassiker schlechthin. Die Teams spielten bereits vier Mal gegeneinander um den Titel. Im fünften Duell ist die Ausgangslage so offen wie selten. Das Finale aus Sicht von zwei Ostschweizern, die mit Bern und Lugano Meister wurden.

Markus Bachschmied und Ivo Rüthemann. Zwei Ostschweizer. Der eine Herisauer, der andere Rheintaler. Gemein ist beiden, dass sie fern der Heimat als Hockeyaner zu Ruhm kamen.

Rüthemann gewann mit Bern drei Mal den Kübel, war 2004 MVP und ist mit 1072 gespielten Partien in 20 Saisons Rekordhalter der NLA.

Der Ex-Berner Ivo Rüthemann. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Nicht ganz so glanzvoll ist Bachschmieds Palmares, aber dennoch: Der Goalie spielte unter anderem bei Ambri-Piotta sowie in Ajoie und holte 1990 mit dem Grande Lugano den Meistertitel.

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Ex-Lugano Goalie Markus Bachschmied.

Rüthemann und Bachschmied eint zudem, dass sie die Finalpaarung Lugano gegen Bern hautnah erlebt haben. Bachschmied konnte 1990, Rüthemann 2004 den Titel mit Champagner begiessen. Wer wäre als besser geeignet als diese Ex-Profis, um uns auf den Final einzustimmen, die heute Abend beginnt und auf FM1Today im Liveticker verfolgt werden kann?

Bern durchbricht Lugano-Dominanz

Das Duell Lugano gegen Bern hat eine lange Vorgeschichte. Die Mannschaften machten viermal den Titel untereinander aus. “Vor allem Ende der 1980er-Jahre war die Rivalität riesig. Die Berner waren sehr stark und aufstrebend”, erinnert sich Bachschmied.

Lugano war die dominierende Mannschaft damals, holte zu Beginn der Playoff-Ära drei Titel in Folge. Erst die Berner unterbrachen die Serie 1998. In den folgenden zwei Jahren änderte sich die Endspielpaarung nicht, zum Leidwesen der anderen Vereine. Bei den Titeln haben die Berner die Nase vorn, da sie drei der vier Finalserien für sich entschieden.

Ähnlicher Saisonverlauf

Nach 2004 steht nun die fünfte Ausgabe an. Und dass es heuer so weit gekommen ist, ist für Rüthemann und Bachschmied eine Überraschung – und auch wieder nicht. Wie viele andere trauten sie vor dem Saisonstart den Teams den Titel zu. “Das Potenzial war da”, sagt Rüthemann, der heute als Portfoliomanger in einer Berner Bank arbeitet. Doch in der Quali steckte bei beiden Teams der Wurm drin.

Die Probleme waren so gross, dass sie die sportliche Reissleine zogen und die Trainer entliessen. Mit dem Ex-Zug-Trainer Doug Shedden stellte sich bei Lugano rasch der Erfolg ein. Hingegen bis zum Ende der Quali mussten die Berner unter dem neuen Coach, dem Uzwiler Lars Leuenberger, um den Einzug in die Playoffs zittern. Dann legten sie aber los. “Das Team konnte befreit aufspielen und hat rasch den Tritt gefunden”, sagt Rüthemann.

Mit den Siegen kam das Selbstvertrauen und plötzlich war aus einer Loser- eine Winner-Mannschaft geworden. Die Berner räumten mit den ZSC Lions und Davos gleich zwei Titelaspiranten aus dem Weg. Lugano schaltete zunächst Zug und im Halbfinal Servette aus.

Überragendes Schweden Trio

Als Ex-Goalie hat Markus Bachschmied ein besonderes Augenmerk für die Torhüter Elvis Merzlikins (Lugano) und Jakub Stepanek (Bern). “Auf dieser Position sind beide Teams gleich stark”, sagt Bachschmied, aktueller Filialleiter der NZZ Media Solutions AG. Bei Merzlikins beeindruckt ihn die Nervenstärke. Er stecke Fehlschläge schnell weg. “Er ist ein Playoff-Goalie.”

Lob findet er natürlich auch für den schwedischen Superblock von Lugano – Linus Klasen, Fredrik Pettersson und Tony Martensson. “Ein so starkes Ausländertrio hatten wir in der Schweiz lange nicht mehr”, sagt der Herisauer. Grosse Stücke hält er auch vom Schweizer Dreigestirn Damien Brunner, Gregory Hofmann und Alessio Bertaggia. Wobei er in der Finalserie auf Brunner setzt. “Er hat noch nie etwas gewonnen. Er wird es allen zeigen wollen.”

Bei der Prognose sind Rüthemann und Bachschmied – wenig überraschend – nicht gleicher Meinung: Sie setzen auf ihre Ex-Clubs. “Bern ist etwas besser”, sagt der Rheintaler. “Lugano hat mehr Talent”, erwidert der Herisauer.


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