Der Geduldsfaden ist gerissen

Von Sandro Zulian
Kann sich Joe Zinnbauer als Trainer des FC St.Gallen halten? Das nächste Spiel (am Sonntag gegen Luzern) dürfte Klarheit bringen. Bei einer Niederlage scheint Zinnbauers Abgang unumgänglich. Ostschweizer-Sportkenner sagen schon jetzt: Es ist Zeit für einen Trainerwechsel. 

Am Sonntag äusserten sich die Fans erstmals im Stadion, statt nur im Internet. “Zinnbauer raus!” schallte es dem Deutschen von den Rängen im Vaduzer Rheinpark entgegen. Klar ist: Etwas muss sich schleunigst ändern. Am nächsten Sonntag muss gegen den FC Luzern ein Sieg her, sonst wird es brenzlig.

Die Unterstützung schwindet und schwindet

Vor knapp zwei Wochen, nach der Niederlage in Lausanne schaltete FM1Today eine Umfrage. Für gut 35 Prozent der Befragten war Joe Zinnbauer damals noch der Richtige. Nach der Niederlage gegen Vaduz schwindet der Support für Zinnbauer zusehends. Nur noch knapp 20 Prozent halten ihm in der neuen Umfrage die Stange.

Fussballexperten sehen mindestens dunkelgrau

Auch Fussballexperten sind kritisch. Schwarz sehen wollen sie zwar noch nicht, ein immer dünkler werdendes Grau macht sich aber auch unter ihnen breit. Wie Tagblatt Kolumnist Fredi Kurth gegenüber TVO sagt, dürfe die Vereinsleitung nicht mehr länger untätig zusehen: “Für die Rücktrittsforderungen der Fans kann man nach all den Vorkommnissen durchaus Verständnis haben.” Für die Fans sei der Geduldsfaden schon seit längerem gerissen. Kurth will Joe Zinnbauer aber noch die Stange halten. Für ein einziges weiteres Spiel: “Gegen Luzern muss unbedingt ein Sieg her, damit Zinnbauer überleben kann”.

Kein attraktiver Fussball unter Joe Zinnbauer

Ins gleiche Horn bläst auch Andreas Werz. Er ist Präsident der Sportjournalistenvereinigung St.Gallen: “23 Spiele, fünf Siege und ein Fussball, der sicherlich nicht attraktiv anzuschauen ist.” Für Werz ist der Graben mittlerweile so tief, dass auch die längste Leiter Zinnbauer nicht mehr zu erreichen vermag : “Für mich muss ganz viel passieren, bis ich sagen würde, dass Joe Zinnbauer eine Zukunft hat bei St.Gallen.”

Der Präsident hält noch immer zum Trainer

Dölf Früh, Präsident des FC St.Gallen lässt sich aber, mindestens vorerst, nicht von seiner Position abbringen. “Wir lassen uns vom Druck von aussen nicht beeinflussen.”, sagte er vor dem Spiel gegen Vaduz dem Sonntagsblick. “Solange ich die Verantwortung trage, werde ich immer so handeln.” Auch Jeff Saibene sei kritisiert worden und sei bei den Fans nicht beliebt gewesen, so Früh. Seine Meinung hat sich seit dem Spiel gegen Vaduz offenbar nicht geändert. Zur Trainerfrage sei alles gesagt, lässt er verlauten.

Trainerfrage muss bei Dölf Früh ein Thema sein

Renato Cedrola ist Spielerberater und Geschäftsführer der Front Group GmbH aus St.Gallen. Für ihn ist verständlich, dass Dölf Früh zu seinem Joe hält. Doch auch Früh werde sich mit dem Thema Mannschaftscoach auseinandersetzen – Tag und Nacht. “Er muss dem Trainer den Rücken stärken, das ist klar. Aber trotzdem: Wenn sich der Trend nicht bald ins Positive wendet, so ist auch der FC St.Gallen gezwungen, irgendeine Veränderung anzustreben.”

Wie diese Veränderung aussieht, und ob sie ins Positive oder ins Negative fällt, wird sich am Sonntag zeigen. Dann trifft der FC St.Gallen zuhause auf den FC Luzern.


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