Der Kesb laufen die Mitarbeiter davon

Der Kesb laufen die Mitarbeiter davon
© (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Negativschlagzeilen und geringe Wertschätzung in der Öffentlichkeit. Zwei Dinge, die Kesb-Mitarbeitern mit voller Wucht entgegenschlagen. In den letzten drei Jahren haben über ein Drittel der Mitarbeiter ihre Kündigung eingereicht. Das sei normal, sagen die Verantwortlichen.

Anfang 2013 haben die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) schweizweit ihren Betrieb aufgenommen. Die breite Öffentlichkeit nimmt von ihrer Existenz hauptsächlich durch negative Presseberichterstattung und Vorwürfen von Betroffenen Kenntnis. Viele Kesb-Mitarbeiter hüten sich deshalb offenbar, preiszugeben, wer ihr Arbeitgeber ist. “Fragt sie jemand nach dem Beruf, sagen sie im Sozialbereich. Nicht, dass sie sich für ihren Arbeitgeber schämen, aber sie haben die Diskussionen einfach satt!”, sagt Andreas Hildebrand, Präsident der Kesb Arbon, gegenüber der “Ostschweiz am Sonntag”.

Fälle wie derjenige in Flaach, wo eine Mutter ihre beiden Kinder mit in den Tod riss, hätten das Ansehen der Kesb arg beschädigt. Einige Angestellte wollen daher nicht über ihren Arbeitgeber reden, andere reichen ganz einfach ihre Kündigung ein. So haben über ein Drittel aller 85 Kesb-Mitarbeiter in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell bereits wieder gekündigt. Das ramponierte Image sei aber nur einer von mehreren Gründen, die einen Stellenwechsel bedeuten können. Das Anforderungsprofil sei anspruchsvoll, das Einarbeiten und Erstellen eines funktionierenden Netzwerks eine mühselige Angelegenheit. Vielen falle die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachrichtungen nicht leicht.

Daher sei es nicht fair, die Fluktuationsrate mit anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung zu vergleichen. “Die Aufbauphase dauert rund fünf Jahre; in diesem Sinne sind wir auf gutem Weg”, sagt Kesb-Vertreter Beat Reichlin der “Ostschweiz am Sonntag”. (red)

 


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