Der “Middle Sunday” in Wimbledon – eine historische Sache

Ein oft gesehenes Bild in dieser Woche: Helfer rollen die Netze ein, um die Plätze bei einsetzendem Regen abzudecken
Ein oft gesehenes Bild in dieser Woche: Helfer rollen die Netze ein, um die Plätze bei einsetzendem Regen abzudecken © KEYSTONE/AP/ALASTAIR GRANT
Der “Middle Sunday”, der Sonntag in der Mitte des Turniers, ist in Wimbledon eine heilige Kuh. Erst zum vierten Mal in der 139-jährigen Turniergeschichte gehen heute Matches über die Bühne.Traditionen gehen in Wimbledon fast über alles und werden nur äusserst ungern geopfert.

Der spielfreie mittlere Sonntag ist so eine Tradition. Nachdem von den ersten sechs Turniertagen einzig der Montag ohne Regenpausen vonstatten ging, müssen die Tennisprofis nun wieder einmal am Sonntag nachsitzen. Weil dabei sämtliche Tickets in den freien Verkauf gelangen, ist jeweils ein ganz spezielles Publikum im Stadion. Das passierte bei den ersten drei Mal:

Zum Auftakt am Montag fliegt kein einziger Ball über das Netz. An den ersten vier Tagen wird an gerade mal total neuneinviertel Stunden gespielt. So wird am Freitag der Entscheid gefällt, den spielfreien Sonntag erstmals in der Geschichte zu streichen. Es wird ein wahrhaft historischer Tag. Zweieinhalb Kilometer lang ist am Sonntagmorgen die Schlange mit Leuten, die Tickets kaufen wollen. Diese sind normalerweise nur sehr schwer und mehrheitlich nur für einen privilegierten Kreis zu bekommen. 11’000 Eintritte für den Centre Court werden zum Preis von 10 Pfund (damals rund 26 Franken) verkauft. Ivan Lendl gewinnt nach einem 0:2-Satzrückstand in fünf Sätzen gegen MaliVai Washington. “Heute war nicht nur der Tag historisch, sondern auch das Publikum”, sagt der Tscheche, nicht als grosser Liehbaher des Rasentennis bekannt, danach.

Wahrscheinlich die nasseste erste Woche der Turniergeschichte: teilweise Regen am Montag, nur zwei beendete Spiele am Mittwoch und gar kein Tennis am Donnerstag und Freitag. Bis am Freitagabend waren nur 94 Einzel gespielt (statt der geplanten 208). Insgesamt 31’204 Besucher strömen am Sonntag auf die Anlage und sehen unter anderem, wie Martina Hingis gegen die Amerikanerin Nicole Arendt gewinnt. Sechs Tage später holt sie sich ihren einzigen Wimbledontitel im Einzel.

Mittwoch und Samstag der ersten Woche fallen komplett dem Regen zum Opfer, einzig am Freitag kann ohne Unterbruch gespielt werden. “Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich an diesem Sonntag gespielt habe”, sagte Roger Federer diese Woche. “Ich glaube nicht.” Er irrt sich für einmal. Federer gewann gegen den Schweden Thomas Johansson in drei Sätzen und eine Woche später auch das Turnier. Das Drittrunden-Spiel der Genferin Emmanuelle Gagliardi gegen die Französin Tatiana Golovin muss beim Stand von 3:3 im dritten Satz auf Montag vertagt werden – wo sie kein Game mehr gewinnt.

Erst am Samstag konnte die 2. Runde beendet werden, so dass zum vierten Mal der Sonntag als Ausweichdatum herhalten muss. Als einzige Schweizerin im Einzel ist Timea Bacsinszky in der 3. Runde gegen Anastasia Pawljutschenkowa im Einsatz. 22’000 Tickets gingen am Samstag um 15.00 Uhr in den Online-Verkauf. Nach 27 Minuten waren alle weg.

(SDA)


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