Ein Museum für Strandgut

Der Strandgutsammler John Anderson mit einer Kinderzeichnung in seinem Museum in Forks bei Seattle. Die Zeichnung ist ein Dankeschön, nachdem er auf die Flaschenpost eines Kindes geantwortet hatte.
Der Strandgutsammler John Anderson mit einer Kinderzeichnung in seinem Museum in Forks bei Seattle. Die Zeichnung ist ein Dankeschön, nachdem er auf die Flaschenpost eines Kindes geantwortet hatte. © /dpa/Chris Melzer
Es sieht nur auf den ersten Blick aus wie eine Müllhalde. Tatsächlich ist alles fein säuberlich geordnet und das meiste akribisch beschriftet. John Anderson aus Forks, Washington, hat mehr als 50 Jahre Strandgut gesammelt und jetzt ein Museum damit eröffnet.

“Mein Vater hat einmal Dinosaurierknochen gefunden. Das wollte ich auch, und deshalb habe ich, seit ich acht bin, Strände abgesucht”, sagt der “Beachcomber”. Spektakuläres fand er damals nicht, aber sein Vater sagte, er solle doch mit einfacheren Sachen anfangen. “Feuerzeuge! Also habe ich gesucht und manchmal fünf an einem Tag gefunden.” Es wurde der Grundstock einer Sammlung, die heute die grosse Arbeitshalle des Ex-Klempners füllt.

Seltsame Puppenköpfe

Von seltsamen Puppenköpfen hat er gleich zwei Dutzend. “Da ist in den 70er-Jahren ein ganzer Container mit diesen Puppen über Bord gegangen”, erklärt er. 1983 war es ein Container mit Kamerataschen, elf Jahre später einer mit Eishockeyhandschuhen.

Vieles hat eine eigene, manches eine tragische Geschichte. “Der japanische Tsunami von 2011 kam ein paar Jahre später hier an”, sagt er, und es klingt traurig. Die Flutwelle nach dem Tohoku-Erdbeben, bei dem 20’000 Menschen starben, hatte Millionen Sachen ins Meer gespült – vieles tauchte Monate später an der anderen Seite des Pazifiks wieder auf.

Ein Tretauto ist dabei, ein grosser Teddybär, religiöse Figuren und Schuhe, immer wieder Schuhe. “Ich habe in dieser Tsunami-Ecke nur Dinge, die ich sicher auf die Katastrophe zurückführen kann. Ich wünschte, ich würde auch bei jedem die Geschichte dahinter kennen.”

Flaschenpost

Bei anderen kam die Geschichte gleich mit. “Ich habe etwa ein Dutzend Mal eine Flaschenpost gefunden. So richtig alt war keine, aber eine immerhin sechs Jahre.” Die kam von einem Hannoveraner, ins Wasser geworfen während einer Kreuzfahrt mit der Bitte um Antwort. Er habe ihm sofort geschrieben, sagt Anderson. Und hat der Deutsche geantwortet? Der 61-Jährige schüttelt enttäuscht den Kopf. “Nein. Vielleicht war der zu beschäftigt.”

Das Lächeln kehrt zurück, als er andere Antworten zeigt: “Kinder, deren Flaschenpost ich finde, schicken mir manchmal so etwas.” Strahlend zeigt er Bilder, auf denen mit Kinderhand Boote oder Fische gemalt sind. “Ist das nicht schön?”

(SDA)


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