Der Walter-Zoo wird fast doppelt so gross

ossen Wiese am unteren Bildrand, zwischen Parkplatz und Zirkuszelt, soll der Zoo in den nächsten Jahren vergrössert werden.
ossen Wiese am unteren Bildrand, zwischen Parkplatz und Zirkuszelt, soll der Zoo in den nächsten Jahren vergrössert werden. © Tagblatt / Hanspeter Schiess
2018 ist für den Walter-Zoo ein spezielles Jahr. Am 1. Januar hat Karin Federer die Direktion übernommen. Die 31-Jährige ist nicht nur die jüngste Zoodirektorin der Schweiz, sondern wohl ganz Europas. Jetzt hat sie dem Team erklärt, wie der Zoo 2040 aussehen soll.

Corinne Allenspach | Tagblatt.ch

Ruhig ist es an diesem verschneiten Wintermorgen im Walter-Zoo. Nur der Pfau stolziert übers Zoogelände und tut so, als lasse ihn die bisher eisigste Nacht in diesem Winter völlig kalt. Die Ruhe täuscht allerdings. Vielmehr ist einiges am Tun, nicht nur im Schimpansenhaus, wo die Anlage der Menschenaffen mit meterhohen, dicken Baumstämmen gerade komplett neu eingerichtet wird.

Seit Anfang Jahr hat Karin Federer die Zoodirektion von ihrem Vater Ernst übernommen. Mit 31 Jahren ist sie die jüngste Zoodirektorin der Schweiz, und vermutlich ganz Europas. Zumindest unter den Mitgliedern der Europäischen Zoovereinigung kenne sie niemanden, der jünger sei. Karin Federer ist zudem eine der wenigen Frauen in der bisher «männerdominierten Welt der Zoodirektoren». Für die gelernte Tierärztin kein Problem. «Die Vernetzung unter den Zoos ist in den vergangenen Jahren riesig geworden.» Es sei schön, jederzeit auf Unterstützung zählen zu dürfen. «Zoos sehen sich heute gegenseitig nicht mehr als Konkurrenz.» Konkurrenz seien vielmehr andere Freizeitangebote.

Übrigens: Auch die Tiere im Walter Zoo feierten den Valentinstag ausgiebig, wie der Bericht von TVO-Journalist Dominik Zulian zeigt:

Der Zoo wird fast doppelt so gross wie heute

Um in der Fülle dieser Angebote attraktiv zu bleiben, müssen sich auch Zoos stetig weiterentwickeln. Anfang dieser Woche hat Karin Federer, zusammen mit Vater Ernst Federer, Mutter Gabi und Schwester Jeannine, den rund 60 Mitarbeitenden des Walter-Zoos anhand des «Masterplans 2040» gezeigt, welches Gesicht sich der Zoo in den nächsten gut 20 Jahren geben will. «Unser Zoo steht jetzt schon für vieles», sagt Karin Federer, «wir wollen nicht alles umkrempeln.» Vielmehr wolle man Dinge, die heute gelobt werden, wie das Familiäre, der nahe Kontakt zu den Tieren, das Persönliche, beibehalten und stärken. Kurz gesagt werde der Zoo bis 2040 folgendermassen aussehen: Mit rund zehn Hektaren fast doppelt so gross wie jetzt, mit mehr Tierarten, sanierten Anlagen, mehr Tiergemeinschaften, die sich ein Gehege teilen, neuem Verkehrsregime und neuem Eingangsbereich beim jetzigen Parkplatz.

Wer Federers kennt, weiss, dass es nicht beim Baulichen bleiben wird. Schliesslich lebt der Zoobetrieb zu einem grossen Teil von der Kreativität und dem Ideenreichtum der Familie. Ideen sind bereits reichlich vorhanden, die Umsetzung erfolge aber in kleinen Schritten, sagt Karin Federer: «Jede Entwicklung ist für uns ein Spagat. Wir müssen ja auch wirtschaftlich bleiben.»

Ein Ort, an dem Kinder Abenteuer erleben können

Mehr Abenteuer erleben, mehr Wissen vermitteln,  mehr Gastronomie, mehr wetterunabhängige Angebote. Das sind Ziele, die der Zoofamilie wichtig sind. Mit Abenteuern meint Karin Federer unter anderem Entdeckungspfade für Kinder, wie jener im neuen Savannenhaus. Dort können sich Knirpse wie Erdmännchen fühlen. Sie können durch Rohre kriechen und nach Insekten graben. «Abenteuer, das ist Überraschendes, etwas, von dem man nicht weiss, was einen erwartet», sagt Karin Federer. Und bestenfalls lernen die Kinder dabei etwas fürs Leben, über Natur- und Artenschutz. Bildung, sie soll sowieso stark ausgebaut werden. Mit einem Zooschulzimmer etwa, mit Parcours, mit Theaterstücken im Zelt, die eine Botschaft vermitteln. Damit geht man auch wieder zurück zu den Wurzeln, waren doch die Schultierschauen der Ursprung des «Tierli Walter».

Bis Ende 2018 soll der «Masterplan 2040» im Detail ausgearbeitet sein, inklusive Modell des künftigen Zoogeländes. Auch Digitalisierung sei in Thema. Allerdings vor allem im Administrativen, im Zoo selber nur in kleinerem Mass. «Wir wollen nicht überall Touchscreens montieren.» Vielmehr soll der Zoo «eher eine Alternative sein». Ein Ort, wo Kinder noch riechen, schmecken und tasten können.

Dieser Artikel erschien erstmals am 14. Februar 2018 auf tagblatt.ch


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