Deutsche Bank schreibt überraschend schwarze Zahlen

Der Chef der deutschen Bank, der Brite John Cryan, konnte heute überraschenderweise einen Quartalsgewinn publik machen. (Archivbild)
Der Chef der deutschen Bank, der Brite John Cryan, konnte heute überraschenderweise einen Quartalsgewinn publik machen. (Archivbild) © KEYSTONE/AP/JENS MEYER
Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal trotz schwacher Kapitalmärkte unerwartet schwarze Zahlen geschrieben. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 236 Millionen Euro, wie Deutschlands grösstes Geldhaus am Donnerstag mitteilte.

Das sind zwar 58 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Analysten hatten aber im Mittel mit 300 Millionen Euro Verlust gerechnet.

Die Erlöse sanken in allen Sparten – ausser bei der zum Verkauf stehenden Postbank. Konzernweit lagen sie mit 8,1 Milliarden Euro 22 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im Handel mit Aktien und Anleihen brachen sie um jeweils 23 Prozent ein, im restlichen Investmentbanking um 15 Prozent.

“Die Finanzmärkte waren im ersten Quartal schwierig”, sagte der britische Chef John Cryan. “Die Kunden zweifelten an der Entwicklung der Weltwirtschaft und hielten sich deshalb zurück.”

Finanzchef Marcus Schenck hatte die Anleger schon im März auf schlechte Zahlen vorbereitet: “Dies waren im Bankensektor die beiden schlechtesten Anfangsmonate eines Jahres, die ich persönlich erlebt habe”, sagte er damals. Das habe auch bei der Deutschen Bank Spuren hinterlassen.

Cryan begründete den Rückgang am Donnerstag auch damit, dass sich die Bank wie angekündigt ganz oder teilweise aus bestimmten Ländern und Geschäften zurückgezogen habe. Operativ habe die Bank aber Fortschritte gemacht, etwa bei der Modernisierung der IT.

Die Deutsche Bank hatte Ende Januar einen Verlust in Höhe von 6,8 Milliarden Euro für das Jahr 2015 bekannt gegeben. Das war so viel wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Einer der wesentlichen Gründe dafür waren hohe Kosten und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Allein 2015 belief sich die Gesamtsumme dafür auf 5,2 Milliarden Euro.

Im ersten Quartal 2016 nun musste die Bank “deutlich niedrigere Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten” leisten – die Aufwendungen insgesamt gingen daher um 17 Prozent zurück, wie das Geldinstitut mitteilte.

Nach dem Rekordverlust im vergangenen Jahr hatte das Management 2016 jedoch zum Übergangsjahr erklärt. Der Brite Cryan will die Bank unter anderem mit einem harten Sparprogramm wieder auf Kurs bringen. Im eigenen Haus werden unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze gestrichen. Bis Ende 2017 will die Deutsche Bank zudem knapp ein Drittel ihrer 723 Filialen im Heimatmarkt schliessen.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen