Anschlag in Istanbul galt wohl nicht gezielt Deutschen

Die Blaue Moschee in Istanbul am Abend nach dem Selbstmordanschlag in der Nähe: Einen Tag nach dem Attentat mit mindestens zehn Todesopfern reist der deutsche Innenminister in die Türkei. Die Opfer stammten mehrheitlich aus Deutschland.
Die Blaue Moschee in Istanbul am Abend nach dem Selbstmordanschlag in der Nähe: Einen Tag nach dem Attentat mit mindestens zehn Todesopfern reist der deutsche Innenminister in die Türkei. Die Opfer stammten mehrheitlich aus Deutschland. © KEYSTONE/AP/LEFTERIS PITARAKIS
Alle zehn beim Bombenanschlag von Istanbul Getöteten waren Deutsche. Aber der Anschlag richtete sich nach Erkenntnissen der deutschen Regierung nicht gezielt gegen Deutschland.

Es gebe nach bisherigem Ermittlungsstand keine Hinweise darauf, sagte Innenminister Thomas de Maizière am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Efkan Ala in Istanbul. Er sehe zudem keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzuraten.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas sagte in der ARD, dass es für Deutschland selbst keine konkreten Hinweise auf Anschlagsziele gebe. Eine allgemeine Gefährdung sei aber nicht zu leugnen. Ein vierköpfiges Ermittlerteam des Bundeskriminalamts wurde nach Istanbul entsandt worden, um die Ermittlungen vor Ort zu unterstützen.

De Maizière betonte in Istanbul, dass sowohl die Türkei als auch Deutschland von Terrorismus bedroht seien: “Deshalb muss die Antwort eine gemeinsame sein.” Der Kampf gegen den Terrorismus werde auch bei den deutsch-türkischen Regierungsgesprächen am 22. Januar in Berlin auf der Agenda stehen.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts starben zwei Deutsche mittlerweile an ihren Verletzungen, zunächst war am Dienstag von acht toten und neun verletzten deutschen Bürgern die Rede gewesen. Die zehn getöteten deutschen Touristen gehörten alle zu der Reisegruppe des Berliner Veranstalters Lebenslust Touristik GmbH. Laut dem Auswärtigen Amt lagen die sieben Verletzten am Mittwoch in Istanbul im Spital, fünf von ihnen auf der Intensivstation.

Insgesamt wurden 15 Menschen beim Anschlag verletzt. Schweizer sind nicht betroffen. Dies versicherte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten am Mittwoch auf Anfrage. Es seien auch keine Suchmeldungen eingegangen. Anfragen beschränkten sich auf die Sicherheitslage in Istanbul und generell in der Türkei.

Die türkische Polizei nahm Medienberichten zufolge drei Russen fest, die Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben sollen. In der Mittelmeerstadt Antalya habe die türkische Polizei in der Unterkunft der drei festgenommenen Russen zahlreiche Dokumente und CDs sichergestellt, meldete die Dogan News Agency. Der russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge hat das russische Konsulat die Festnahmen bestätigt.

Verantwortlich für das Attentat soll laut türkischen Behörden der IS sein. Nach ihren Erkenntnissen war der 27-jährige Attentäter erst vor kurzem aus Syrien eingereist. Er stand nach Angaben von Innenminister Ala in der Türkei nicht auf der Fahndungsliste. Er habe sich aber bei den türkischen Einwanderungsbehörden registrieren lassen. Der IS hat sich bislang nicht zu der Tat bekannt.

Nur wenige Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt beginnt das Einflussgebiet der IS-Miliz. Von der Türkei aus fliegt eine von den USA angeführte Koalition Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak. Auch die deutsche Bundeswehr unterstützt mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen von Incirlik aus den Einsatz.

Russland hat ebenfalls in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen und bombardiert Stellungen der Gegner von Präsident Baschar al-Assad. Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung in Moskau vor, dabei weniger den IS als die gemässigte Opposition ins Visier zu nehmen.

In Reaktion auf den Anschlag in Istanbul hatte das russische Aussenministerium am Dienstag an die Staatengemeinschaft appelliert, die Kräfte gegen den Terrorismus zu bündeln. Russland kämpft seit Jahren gegen islamistische Rebellen im Nordkaukasus.

(SDA)


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