Deutschland-Schreck Balotelli im Abseits

Diese Pose machte ihn noch berühmter: Mario Balotelli nach dem zweiten Tor im EM-Halbfinal 2012 gegen Deutschland
Diese Pose machte ihn noch berühmter: Mario Balotelli nach dem zweiten Tor im EM-Halbfinal 2012 gegen Deutschland © KEYSTONE/AP/VADIM GHIRDA
Mario Balotelli bleiben momentan nur noch die Erinnerungen. Den EM-Auftritt von Italiens Nationalteam verfolgt der nicht sehr pflegeleichte Profi aus der Ferne.

Wenn die “Squadra Azzurra” am Samstag zum EM-Viertelfinal gegen Deutschland antritt, wird der ausgebootete Nationalspieler wohl vor dem Fernseher sitzen. Zeit genug, um den bisher grössten Moment seiner Karriere Revue passieren zu lassen.

Beim 2:1-Sieg Italiens gegen Deutschland im EM-Halbfinale vor vier Jahren überragte Balotelli alle. Mit zwei Toren wurde er im Nationalstadion von Warschau zum EM-Helden und Deutschland-Schreck. Mit Bildern und Videos erinnerte er nun an seine Tore vor vier Jahren, als Balotellis Bodybuilder-Jubelpose am Tag danach die Titelseiten aller italienischen Zeitungen zierte.

“Lasst uns sie respektieren, aber noch einmal fertig machen”, forderte Balotelli auf Instagram, nachdem das Viertelfinal-Duell in Bordeaux feststand. Bereits zuvor hatte er kleinlaut zugegeben: “Ich hätte es geliebt, in Frankreich dabei zu sein.”

Doch die Chance auf einen Platz im 23-Mann-Kader von Nationaltrainer Antonio Conte hat der 25-Jährige in den vergangenen Jahren selbst verspielt. 2012 in Warschau war Balotelli der strahlende Held, eines der ganz grossen Talente des italienischen Fussballs. Die Zukunft schien dem wuchtigen Stürmer zu gehören. Statt mit guten Leistungen machte Balotelli danach jedoch vor allem mit Skandalen auf sich aufmerksam.

Mit dem Nationalteam spielte Balotelli 2014 in Brasilien eine katastrophale WM, unter dem neuen Teamchef Conte bestritt er seither kein Spiel mehr. Bei Liverpool erzielte er in seiner ersten Saison gerade einmal ein Premier-League-Tor, auch nach einer Ausleihe zu seinem Ex-Klub Milan wurde es nicht besser, nur einmal traf er in der Serie A.

Dazu kamen die ständigen Eskapaden des extrovertierten “Enfant terrible”. “Ich bin nicht so eingebildet, mich für besser als andere grosse Trainer zu halten: Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass sie es nicht geschafft haben, Balotelli zu ändern”, erklärte Conte. Er setzt statt auf Ausnahmekönner bei dieser EM auf eine eingeschworene Gruppe voller einsatzfreudiger und laufbereiter Spieler, die sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen.

Ob Balotelli seine Karriere noch einmal in Schwung bringen kann, ist fraglich. Milan scheint kein Interesse zu haben, den Stürmer weiterzubeschäftigen. Ob er eine Zukunft bei Liverpool hat, ist genauso offen. Und von anderen prominenten Interessenten ist derzeit nichts bekannt.

(SDA)


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