Die bitteren Tränen von Alex Frei

Mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden: Alex Frei während des EM-Eröffnungsspiels 2008 gegen Tschechien
Mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden: Alex Frei während des EM-Eröffnungsspiels 2008 gegen Tschechien © KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA
Der 7. Juni 2008 ist für Alex Frei einer der bittersten Tage seiner Karriere. Als Schweizer Captain soll er das Team an der Heim-EM anführen. Doch nach 42 Minuten ist alles vorbei. Es wäre alles angerichtet gewesen.

Acht Tage vor EM-Beginn hatte Frei beim 3:0 gegen Liechtenstein den Rekord von Kubilay Türkyilmaz als besten Schweizer Torschützen aller Zeiten überboten. Das Land war euphorisiert, das Ziel Europameister sehr ambitioniert. Es kam aber alles anders: Der Zusammenprall des Rekord-Goalgetters mit Zdenek Grygera nach 42 Minuten, die Lage auf dem Boden mit dem Arm über dem Gesicht, die bitteren Tränen nach der Auswechslung, die Schockstarre der Mitspieler, die 0:1-Niederlage. All diese Bilder sind unvergessen.

“Ich hörte das Knacken des Bandes. Da wusste ich schon im ersten Moment, dass die EM vorbei ist”, sagte Frei zwei Tage später, nach dem Teilriss des Innenbandes am linken Knie an Krücken humpelnd und noch immer hochemotional. Die landesweiten Sympathien hatte der nicht immer unumstrittene Captain auf seiner Seite. “Die ganze Schweiz weint mit Frei”, “vom Schicksal geohrfeigt” oder “schon wieder ein Knie der Nation” lauteten die Schlagzeilen. Der Zuspruch der Massen war enorm.

Der Betroffene selber blickte schon während einer der schwersten Stunden im Nationalteam wieder vorwärts. “Ich hatte ja auch Glück im Unglück: Nur wenige Millimeter fehlten, und ich wäre wieder sechs Monate out gewesen. Ich werde wieder aufstehen wie ein Champion.”

Irgendwie passte das Ereignis in Alex Freis Erfahrungen mit grossen Turnieren. Von der EM 2004 in Portugal (nach fünf Toren in der Qualifikation) blieb im Zusammenhang mit dem besten Schweizer Stürmer der Neuzeit die Erinnerung an die Spucke an Steven Gerrards Nacken haften.

2006 an der WM in Deutschland (fünf Tore in der Qualifikation, zwei an der Endrunde) wurde der sichere Penalty-Schütze Frei im Achtelfinal gegen die Ukraine kurz vor Ende der Verlängerung von Köbi Kuhn ohne ersichtlichen Grund ausgewechselt. Das Resultat ist hinlänglich bekannt. Und 2010 an der WM in Südafrika – wiederum nach fünf Treffern in der Qualifikation – verpasste er wegen einer Verletzung des Sprunggelenks den historischen Sieg gegen Spanien, gegen Chile wurde er früh ausgewechselt, gegen Honduras spät eingewechselt.

(SDA)


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