“Die ganze Geschichte ist etwas dubios”

Von Angela Müller
Studenten in der Uni-Bibliothek.
Studenten in der Uni-Bibliothek. © Urs Jaudas/St.Galler Tagblatt
Eine Diplomarbeit für 3000 Franken? Die Ghostwriter-Firma Acad Write International AG in Zürich macht es möglich. Die Universität St. Gallen hat bereits Strafanzeige eingereicht. Nun wird bekannt: Die Firma ist seit dem 21. Dezember in Liquidation. Doch die Mitarbeiter wissen nichts davon.

Die Schätzungen, wie viele Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeiten tatsächlich von Ghostwirtern geschrieben werden, gehen auseinander. Einer der bekanntesten Anbieter ist der Ghostwirter Acad Write International Ag in Zürich. Firmeninhaber Thomas Nement hatte letzten Mittwoch in der Rundschau einen prominenten Auftritt. “Ungefähr 200 Studenten aus der Schweiz lassen sich jährlich bei uns ihre Arbeiten schreiben.”  Nicht wenige davon sind HSG-Studenten.

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Martin Steiger. pd

Prorektor der Uni St.Gallen, Lukas Gschwend, zeigte sich in der Sendung bestürzt – dabei hatte die Uni bereits im Mai 2015 Strafanzeige gegen Unbekannt und gegen eine konkrete Firma eingereicht. Dies Aufgrund eines Artikels in der HSG-Studentenzeitung Prisma.

Irritierend: Die Firma Acad Write International AG befindet sich offenbar seit dem 21. Dezember in der Liquidation. Dies gemäss dem Zürcher Handelsregisteramt und dem eidgenössischen Handelsregister Zefix. Eigenartig auch der Firmenname: Gibt man Acad Write International AG ein, erhält man die Meldung: Acad Advice AG in Liquidation.

“Es ist denkbar, dass die Liquidation im Zusammenhang mit einer Strafanzeige steht”, sagt Rechtsanwalt Martin Steiger, von Steiger Legal Zürich. “Die ganze Geschichte scheint mir ein wenig dubios.” Steiger Legal hat den aktuellen Handelsregisterauszug der Firma auf ihre Internetseite publiziert.

Auch die Internetseite von Acad Write International AG  ist seit einiger Zeit nicht mehr aufgeschaltet. Ruft man jedoch bei der Firma mit Sitz in Kloten an – der Acad International Research läuft alles ganz normal. Ein Mitarbeiter gibt sich erstaunt. “Bei uns läuft alles wie gewohnt. Wir werden nicht liquidiert.”

 


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