Die grössten Windräder kommen in die Ostschweiz

In Innerrhoden soll sauberer Strom entstehen.
In Innerrhoden soll sauberer Strom entstehen. © Appenzeller Wind AG
Die Appenzeller Wind AG will mit privat finanzierten Anlagen ab 2019 sauberen Strom für 3500 Haushalte erzeugen. Die rund 200 Meter hohen Windräder werden bei Oberegg in Appenzell Innerrhoden gebaut.


Die Initianten der Appenzeller Wind AG informierten am Freitag vor Ort über ihr Vorhaben. Die beiden Windräder beim St.Anton in Oberegg AI, am Übergang vom Appenzellerland ins Rheintal, sollen 4,2 Megawatt (MW) Strom erzeugen. Die beiden Rotoren wären derzeit mit einem Durchmesser von 127 Metern die grössten in der Schweiz.

Windmessungen seit Mitte 2015 hätten erfreulich hohe Windgeschwindigkeiten gezeigt, sagte Adalbert Hospenthal, Unternehmer aus Oberegg und Präsident der Appenzeller Wind AG. Die geplante Anlage des Typs Enercon ist auf Windgeschwindigkeiten von 2,5 bis 35 Meter pro Sekunde ausgelegt.

Sauber und rentabel

Im Gegensatz zu Windparks beispielsweise an der Nordsee seien in der Schweiz nur sogenannte Schwachwindanlagen möglich, erklärten die Initianten. Dennoch lasse sich die Anlage in Oberegg effizient und rentabel betreiben. Die Windenergie könne substantiell zu einer sauberen Stromversorgung in Innerrhoden beitragen.

Die Appenzeller Wind AG rechnet mit Kosten von 15 bis 17 Millionen Franken. Für das Vorprojekt waren rund 500’000 Franken nötig. Je 20’000 Franken steuerten die fünf privaten Initianten und die Genossenschaft “IG Appenzeller Naturstrom” bei. Etwa 70 weitere Personen beteiligten sich mit kleineren Beiträgen.

Bewilligungs-Odyssee

Derzeit sei man auf der “Odyssee” für den Erhalt einer Baubewilligung, sagte Hospenthal. Genehmigt ist der kantonale Richtplan, der in Innerrhoden vier mögliche Standorte für Windenergieanlagen vorsieht. Derzeit prüfen die Behörden die Machbarkeit und die Umweltverträglichkeit des Projekts.

Laut Markus Ehrbar, Techniker und Mitinitiant, sind zahlreiche Punkte zu prüfen: Lärm und Erschütterungen (Infraschall), Schattenwurf, Gefahren für Vögel und Fledermäuse, das Risiko von Eisklumpen, die sich an den Rotoren bilden, Erschliessung, Anbindung ans Stromnetz und Auswirkungen auf Landschaft und Ortsbild.

Vorbild der Appenzeller Wind AG ist das Dorf Wildpoldsried im Allgäu in Süddeutschland. Dort wurden in einem Bürgerprojekt seit dem Jahr 2000 elf Windräder gebaut – mit Erfolg. Die Initianten aus Oberegg AI liessen sich vor Ort über das Projekt in Wildpoldsried informieren.

Opposition

Adalbert Hospenthal gab sich am Freitag überzeugt, dass sich auch im Appenzellerland genügend Investoren für die Windräder finden liessen. In Oberegg regt sich aber auch Opposition gegen das Projekt, wie der “Appenzeller Volksfreund berichtete. Anwohner fürchten sich vor übermässigen Immissionen.

So sei der Mindestabstand von 300 Metern zu bewohnten Häusern zu klein. Zudem würden die Windräder die Landschaft verschandeln, und der Infraschall könne Tiere schädigen. Die Kritiker, unter ihnen der ehemalige Innerrhoder Regierungsrat Melchior Looser, wollen die Bewilligung des Projekts verhindern.

(SDA)


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