Die Gurke im Plastik passt nicht allen

Von Angela Müller
Die Gurke im Plastik schadet der Umwelt.
Die Gurke im Plastik schadet der Umwelt. © FM1Today
Die Plastikverpackungen bei Biogemüse oder Früchten ist schon länger umstritten, zumal konventionelle Frischeprodukte ohne Plastik auskommen. Nun macht Oceancare mit einer Petition mobil gegen den Plastik um Bioprodukte.

«Es geht uns bei dieser Initiative nicht darum, jeglichen Plastik oder jegliche Plastikverpackung zu verbieten. Wir möchten aber in gewissen Bereichen den Plastikeinsatz minimieren», sagt Rahel Beck von Oceancare. Die Umweltorganisation hat die Petition im Januar lanciert und inzwischen nach eigenen Angaben 12’000 Unterschriften gesammelt. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis Ende März. «Wir werden dann mit den Grossverteilern in Verhandlung treten. Die Petition gibt unserer Forderung, Plastikverpackungen zu reduzieren, zusätzlich Gewicht», sagt Beck.

Offene Türen einrennen

Mit ihrem Anliegen tritt Oceancare bei Migros und Coop offene Türen ein: «Die Migros überprüft laufend, wo Verpackungen optimiert und reduziert werden können. Alleine 2017 haben wir über 40 Verpackungen ökologisch optimiert«, sagt Alexandra Kunz, Migros-Pressesprecherin. Genauso tönt es bei Coop: «Wo immer möglich, lassen wir Verpackungen weg, minimieren und verwenden umweltfreundliche Materialien», sagt Coop-Pressesprecherin Alena Kress.

Doch generell berufen sich die beiden Grossverteiler auf die gesetzlichen Vorgaben. «Bio-Produkte müssen aufgrund der Bio-Verordnung jederzeit klar erkennbar von konventionell produzierten Produkten getrennt werden», teilt die Migros auf Anfrage mit. «Auf der Verpackung finden ausserdem Informationen betreffen Herkunft, Datierung und Rückverfolgung Platz.»

Paradebeispiel Gurke

Doch wie verschieden die Vorschriften gehandhabt werden, zeigt sich am Paradebeispiel Gurke. Die Migros verpackt jede einzelne Bio-Gurke in Plastik. «Die Kunststoffverpackung hat einen weiteren gewichtigen Vorteil – sie hilft, das vorzeitige Verderben von Früchten und Gemüse zu verhindern. Eine unverpackte Gurke ist nach einigen Tagen nicht mehr verkäuflich, 1,5 Gramm Verpackung halten sie aber für rund zwei Wochen frisch.»

Oceancare sieht das ganz anders: «Die meisten Produkte wie beispielsweise Gurken sind von Natur aus schon verpackt und werden vor dem Verzehr üblicherweise gewaschen.» Tatsächlich kommt Coop bei der Bio Gurke lediglich mit einem Sticker aus.

Umtrittener Umgang mit Plastik

Auch über die Schädlichkeit des Plastik herrscht Uneinigkeit: Während für Oceancare der Fall klar ist: «Plastik wird aus einer endlichen Ressource, nämlich Rohöl, hergestellt. Zudem ist es ein robustes Material, das Jahrhunderte überdauert. Es ist daher ökologisch nicht sinnvoll, es als Einwegmaterial zu verwenden, heisst es im Petitionstext.

Doch die Migros relativiert: «Der weit verbreitete Eindruck, dass Plastik generell umweltschädlich und Papier generell umweltfreundlich ist, ist nicht richtig. Papier ist zwar ökologischer als Plastik, allerdings wird in der Regel viel mehr Papier benötigt, um ein Produkt zu verpacken. So ist die Ökobilanz von Plastik oft besser.»

Letztlich liegt es in der Hand der Konsumenten, wie viel Plastik für Verpackungen gebraucht wird. Wer umweltbewusst einkaufen will, hält sich an möglichst saisonale Früchte und Gemüse, am besten direkt auf dem Bauernhof oder den Bauernmärkten.

Hier geht es zur Oceancare-Petition.


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