Die heimliche Liebe mit einem Priester

Vielen Priestern fällt es nicht leicht, sich zwischen Amt und Liebe zu entscheiden.
Vielen Priestern fällt es nicht leicht, sich zwischen Amt und Liebe zu entscheiden. © iStock
Es ist ein Tabu-Thema: Zahlreiche Priester in der Schweiz führen eine heimliche Beziehung mit einer Frau. Für die Betroffenen ist dies eine schwierige Situation. Früher oder später sehen sie sich mit der Frage Zölibat oder Beziehung konfrontiert. Eine Betroffene erzählt.

Wenn über das Zölibat gesprochen wird, geht es meistens um die Männer, genauer um die Priester. Vergessen gehen oft die Frauen, die heimlich einen katholischen Priestern lieben. Gabriella Loser Friedli führte 20 Jahre lang eine solche heimliche Beziehung. Ihr Ehemann entschied sich schliesslich gegen das Zölibat und für die Liebe. Heute steht sie einem Verein vor, der solchen Frauen hilft.

Heikle Entscheidungen

Für viele Paare endet das Versteckspiel nicht im Glück. “Wenn sich ein Mann zum Priester berufen fühlt und er sein Amt gerne und gut macht, ist es ganz schwierig, dass er dies zugunsten einer Beziehung aufgibt”, sagt Gabriella Loser Friedli. Es sei schon vorgekommen, dass der Mann sich aus dem Staub machte, als ein Kind auf die Welt kam. Es gebe aber Paare, die sich anderweitig arrangieren und einen Ausweg finden. So werden Frauen zur Haushälterin des Priesters, damit die Familie unter einem Dach leben könne.

Komplizierter Weg

Gabriella Loser Friedli steht in engem Kontakt mit Frauen, die sich in einen Priester verliebt haben. “Ich kenne über 700 Personen, die in ihrem Leben eine solche heimliche Beziehung führten.” Die heimliche Phase dauere je nach Paar mehr oder weniger lange. Besonders junge Frauen würden schneller eine klare Situation verlangen.

Gabriella Loser Friedli weiss aber auch, dass es viele Frauen wie sie gebe, die zehn bis zwanzig Jahre ihre Liebe zu einem katholischen Pfarrer verheimlichen – dies, weil sie keine Lösung finden. Glücklicherweise haben sie und ihr Mann doch noch einen Weg gefunden.


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