Die Krux mit dem Moscheebau

Von Marco Latzer
In einem Industriequartier in Frauenfeld ist ein islamisches Kultur- und Vereinszentrum geplant. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Das geplante Bauwerk mit Platz für bis zu 300 Menschen ist ein grosses Tabu-Thema.

Auf den ersten Blick scheint es der perfekte Ort für eine Moschee zu sein: Am Stadtrand von Frauenfeld, umrundet von etlichen Fabrikbauten und in der unmittelbaren Umgebung der Zuckerfabrik. Doch der ruhige Eindruck beim Augenschein vor Ort täuscht – offen will über dieses Thema niemand sprechen.

Negative Reaktionen aus der Nachbarschaft

“Wir fühlen uns jetzt schon gestört”, sagt ein Firmenangestellter, der in der Nähe arbeitet. Denn die Bauherrin, die Islamische Gesellschaft Frauenfeld, belegt schon jetzt Räumlichkeiten in der unmittelbaren Umgebung der zukünftigen Moschee-Baustelle. “Jeden Freitag kommen sie von über all her angefahren, gehen rein, machen während einer Stunde einen Riesenlärm beim Beten und stören uns damit beim Arbeiten.” Er könne sich gut vorstellen, dass dies – und dann erst noch in grösserem Ausmass – anderen Menschen in der Umgebung sauer aufstösst.

Einsprecher will sich nicht outen

Und tatsächlich: Gegen das geplante Begegnungszentrum ist eine Einsprache eingegangen. Das scheint auf den ersten Blick wenig zu sein; allerdings gibt es auch kaum direkte Anwohner, die überhaupt den Beschwerdeweg beschreiten können. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt diese Gegenwehr aus dem einzigen Wohnhaus weit und breit, das unmittelbar neben dem bereits ausgesteckten Grundstück steht. Die Betroffenen hätten von ihrem Balkon aus einen direkten Blick auf das Begegungszentrum – dort, wo jetzt noch eine grüne Wiese vor sich hin vegetiert.

Getrübte Idylle? Dieses Gärtchen von Anwohnern grenzt direkt an das Moschee-Grundstück.

Zu der Einsprache äussern will man sich dort allerdings nicht. Gegenüber FM1Today wiegelt einer der betroffenen Anwohner unmissverständlich ab: “Kein Kommentar!” Das Thema sei zu heiss und ausserdem sei er den Medien gegenüber ohnehin kritisch eingestellt. Allerdings dementiert er auch nicht, dass die Einsprache aus seinem Haus stammen könnte. Anscheinend fürchtet man sich vor dem Lärm und Mehrverkehr.

Pnos macht Stimmung gegen den Bau

Zusätzlich heizt eine Kampagne der rechtsnationalistischen Pnos (Partei national orientierter Schweizer) und der Pegida die Stimmung auf. Sie haben nach eigenen Angaben rund 1’500 Flyer mit der Aufschrift “Stop! Wir wollen keine Moschee in Frauenfeld” in Briefkästen und unter Auto-Scheibenwischern im Hasebüel-Quartier verteilt. Das sei nur der Anfang gewesen, lässt Robin Keller, Pnos-Sektionschef in der Ostschweiz, via Thurgauer Zeitung verlauten. “Wir planen weitere Aktionen gegen die geplante Moschee in Frauenfeld.” Wie diese aussehen werden, will er jedoch nicht verraten.

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Widerstand: Mit diesem Flyer macht die Ostschweizer Pnos Stimmung gegen das Projekt. Bild: ostschweiz.pnos.ch

Zurückhaltung übt man auch bei der Islamischen Gemeinschaft. Vor Ort war für FM1Today niemand zu erreichen, auch das Telefon war nicht bedient. Auch gegenüber der Thurgauer Zeitung nahmen die Verantwortlichen keine Stellung und verwiesen auf ihren Architekten. Aber auch dieser will seinen Namen nicht veröffentlicht sehen. Womöglich, weil er Anfeindungen befürchtet.

So soll sie aussehen: Die geplante Moschee in Frauenfeld. Bild: pd

 


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