“Die Lawine hat uns mitgerissen!”

Am Samstagnachmittag sorgte eine Lawine im Skigebiet Pizol für Aufregung. Wie durch ein Wunder wurde dabei niemand ernsthaft verletzt. “Es war ein richtiger Entscheid, die Piste nicht zu sperren”, sagt der Pistenchef. Opfer Ladina Lampert kann das nicht verstehen.

Am Samstagnachmittag donnert im Skigebiet Pizol eine grosse Lawine zu Tal. Die Schnemassen erfassen auch den Rand einer Skipiste – von der starken Druckwelle wurden mehrere Skifahrer erfasst und teils gar aus ihren Skischuhen katapultiert. Wegen schlechtem Wetter war es den Verantwortlichen der Pizolbahnen im Vorfeld nicht möglich, den Gefahrenhang vom Helikopter aus zu sprengen. Hätte die Piste beim Gaffia-Hang, wo die Skifahrer und Snowboarder unterwegs waren, aus Sicherheitsgründen vorsichtshalber gesperrt werden müssen? “Nein”, lautet die Antwort, wenn es nach den Pizolbahnen geht.

“Nach meiner Erfahrung und Einschätzung habe ich richtig entschieden und die Piste offen gelassen”, sagt Pistenchef Paul Moser gegenüber TVO.

Wie gefährlich war der Hang wirklich?

Ladina Lampert sieht das völlig anders. Sie war mit einer Kollegin auf der Piste unterwegs, als die Lawine auf sie zudonnerte. “Wir haben uns zunächst gewundert, wie nah sie an uns heran kommt. Sie kam näher und näher – dann wurden wir erfasst und mehrere Meter mitgezogen.” Sie beiden seien zugeschüttet worden und hätten danach starke Rückenschmerzen gehabt, ihre Kollegin müsse deswegen am Montag gar zum Arzt. Das Schlimmste: Viele Leute seien vorbeigefahren, niemand habe ihnen geholfen.

Im Nachfeld ärgerte sich Lampert massiv über die in ihren Augen verharmlosenden Äusserungen der Verantwortlichen in den Medien. “Die Strecke, auf der wir waren, hätte geschlossen sein müssen”, ist sie überzeugt. “Die Leute auf der Piste wurden einer Gefahr ausgesetzt.” Die Pizolbahnen hatten vor dem Abgang lediglich eine andere Piste gesperrt, die dann auch prompt von der Lawine überrollt wurde. (mla)

Da war die Welt noch in Ordnung: Ladina Lampert (links) und ihre Kollegin am Samstag, bevor die Lawine sie erfasste.

Da war die Welt noch in Ordnung: Ladina Lampert (links) und ihre Kollegin am Samstag, bevor die Lawine sie erfasste. Bild: ZVG


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