Die Leichtigkeit des Seins – Tag für Tag

Von Leila Akbarzada
Mit viel Energie unterwegs: Das E-Bike eröffnet neue Wege.
Mit viel Energie unterwegs: Das E-Bike eröffnet neue Wege. © KEYSTONE/Martial Trezzini
Velofahren und sich dabei fühlen wie auf einem Töff-Ausflug… das ist E-Bike. Das beste Verkehrsmittel, das man sich zur Zeit anschaffen kann. Eine Ode an meine neueste Zweirad-Errungenschaft.

Zugegeben, es ist nicht wirklich eine Neuanschaffung. Mein E-Bike hat zuvor schon während Jahren anderen Menschen seine Dienste erwiesen. Und nun befördert der geliebte “Flyer” meine Wenigkeit fast jeden Tag einige Kilometer weit. Auch ich hatte meine Vorbehalte: Das ist doch eine Rentner-Angelegenheit, etwas für faule Mitmenschen. Aber als ich das erste Mal mit diesem Zweirad durch die Strassen düste, revidierte ich mein Urteil unverzüglich.

Leicht durch den Alltag

Das Gefühl, wie mich permanent eine treibende Kraft anschiebt, will ich nicht mehr missen. Klar: Es ist nicht gerade ein Geschwindigkeitsrausch, zumindest nicht bei meinem E-Bike. Das ist schon ziemlich in die Jahre gekommen und sieht nicht sportlich, sondern eher wie das Rad eines Kleinkindes aus. Die Räder meines Flyers haben den Durchmesser in der Länge eines St.Gallerbrots. Aber trotzdem erlebe ich die Leichtigkeit des Seins auf diesem Rad Tag für Tag.

Kein peinliches Abschwitzen mehr

Wie mühselig war doch früher der Aufstieg von der Zürcherstrasse kommend zum Bahnhof. Nur schon der Gedanke daran quälte mich, wenn ich nach Feierabend meine Sachen packte und mich auf mein schickes Scott-Bike schwang. Ja, ich sah definitiv cooler aus auf diesem Bike, aber die Coolness löste sich beim Anblick meines schweisstriefenden Gesichts am Bahnhof in Nullkommanichts auf.

Balsam für die Nerven-Seele

Ich bin nicht der geduldigste Mensch. Wenn der Bus von Abtwil in die Stadt wiedermal Verspätung hat – wie jeden Tag – und ich deshalb den Zug verpasse, dann zerquetsche ich regelmässig einen imaginären Apfel in meiner Hand zu feinstem Mus. Dieser Nervenzerschleiss erspart mir das E-Bike: Statt wie bestellt und nicht abgeholt auf den Bus zu warten, oder im Auto mich über die anderen asozialen Verkehrsteilnehmer aufzuregen, die sich noch irgendwie in die wartende Reihe reinschlängeln, flitze ich mit meinem Flyer schön an allen Autos und Bussen vorbei.

Umweltbewusst? Klar!

Für alle, die jetzt finden, dass das E-Bike auch nicht so umweltbewusst ist: Ich kann den Akku ausschalten, wann ich will. Das mache ich auch, wenns abwärts geht. Meistens. Ansonsten gibt es ja einfach kein plausibles Argument dagegen. Jeder, der gegen E-Bikes wettert, hat entweder eine Bildungslücke oder ist einfach neidisch. Oder er hat ein Selbstbewusstsein ähnlich eines Luftballons. Wer nicht zu einem E-Bike stehen kann, hat auch keines verdient. Für alle anderen ist es ein kleiner, sinnvoller Luxus für den Alltag.

Hier geht es zur Hassrede auf das E-Bike.


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