Schweizer in Athen: Sprinten, schiessen, schuften

Für Vladimir Petkovic und sein Team hat der WM-Countdown begonnen
Für Vladimir Petkovic und sein Team hat der WM-Countdown begonnen © KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Der WM-Countdown beginnt für die Schweizer Nationalmannschaft mit einem Test in Athen (heute, 19.00 Uhr). Gastgeber Griechenland steht wegen gravierender Liga-Probleme europaweit unter Beobachtung.

Noch dauert es knapp drei Monate, bis die Schweizer Equipe beim Auftakt zur WM in Russland gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien während mindestens 90 Minuten global im medialen Fokus steht. Die Seleção war in den SFV-Reihen nur zu Beginn der Woche während ein paar Augenblicken ein Thema – eine Reporterin von «ESPN Brazil» bat Nationalcoach Vladimir Petkovic um eine Einschätzung. «Normalerweise sollten sie mit links gewinnen gegen die Schweiz.»

Petkovic scherzte, weil ihn andere Themen aktuell mehr interessieren. Für ihn geht es zunächst einmal darum, die gute Basis des letzten Herbst wieder aufzufrischen. In Athen stehen nicht nur taktische Aspekte im Vordergrund, es geht auch um weiche Faktoren, um das Zusammenleben der Gruppe. Darum, den Gemeinschaftssinn zu schärfen, eine erneut vorteilhafte Dynamik im Team aufzubauen.

Der Tessiner kennt die Gesetzmässigkeiten des Geschäfts. Gute Ergebnisse in Tests sind in der Regel zu relativieren, aber im Fall von Fehltritten gewährt die Öffentlichkeit eher wenig Milde in der Bewertung. Deshalb spricht der Schweizer Coach lieber von Herausforderungen als von Freundschaftsspielen und definierte gleich am Anfang des Camps seine Vorgabe: «Im Nationalteam ist ein klarer Kopf unabdingbar.»

Auf der weiträumigen Anlage von AEK Athen fernab der Metropole inmitten eines Olivenhains war täglich zu spüren, mit welch ausgeprägtem Arbeitsethos sich die Schweizer beim ersten Wiedersehen seit dem zähen Playoff gegen die Nordiren auf die Begegnung mit den Griechen vorbereiteten. Bis zur anbrechenden Dämmerung liess Petkovic spielen, sprinten, schiessen, schuften.

Konzentrierte, nahrhafte Einheiten, ganz nach dem Gusto von Stephan Lichtsteiner. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda platzierte der Juventus-Verteidiger schon vor ein paar Tagen den Hinweis, dass es auch abseits der (WM-)Hauptschauplätze darum gehe, «einen weiteren Schritt nach vorne zu machen, noch besser zu werden».

Nationalmannschaftstermine im März beinhalten Tücken. Dem einen oder anderen Titular steht auf Klubebene ein heikler Finish bevor. «Die einen spielen um den Titel, andere gegen den Abstieg oder um europäische Trophäen», fasste Captain Lichtsteiner die Problematik der Prioritäten-Agenda zusammen.

Beim Kontrahenten Griechenland kommt eine weitere Komponente hinzu. In der obersten Liga rollt seit über eineinhalb Wochen kein Ball mehr. Seit dem Eklat um den PAOK-Präsidenten Iwan Savvidis, der im Topspiel gegen AEK Athen bewaffnet auf den Rasen stürmte, sind die gravierenden Probleme in der kontaminierten Klubszene endgültig ein Politikum.

Das Gros des Stamms von Michael Skibbes Auswahl ist zwar im Ausland engagiert, unberührt bleibt das Nationalteam von der Krise selbstredend nicht. Elf Spieler verdienen ihr Geld in griechischen Klubs. Der Aufschwung unter dem früheren GC-Coach wird derzeit von hausgemachten Problemen überschattet.

(SDA)


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