Schweizer habens nicht so mit dem pünktlichen Bezahlen

Rechnungen bleiben in der Schweiz überdurchschnittlich lange liegen. Was dann folgt, ist das Mahnschreiben. (Symbolbild)
Rechnungen bleiben in der Schweiz überdurchschnittlich lange liegen. Was dann folgt, ist das Mahnschreiben. (Symbolbild) © KEYSTONE/CHRISTOF SCHUERPF
Herr und Frau Schweizer bezahlen ihre Rechnungen nicht gerade pünktlich. Im Schnitt lassen sie sich damit 31 Tage Zeit und liegen damit trotz grosszügiger Fristen hinter dem europäischen Mittel. Aber auch die Geschäfte und die öffentliche Hand zahlen spät.

Bund, Kantone und Gemeinden begleichen ihre Rechnungen im Durchschnitt erst nach 45 Tagen, wie das Inkassounternehmen Intrum Justitia in seinem am Freitag veröffentlichten “European Payment Report 2015” ausweist. Zeit dazu hätten sie 34 Tage. In Europa sollte die öffentliche Hand ihre Rechnungen innert 29 Tagen bezahlen und tut dies im Schnitt nach 36.

Schweizer Private begleichen ihre Rechnungen gemäss dem Rapport vier Tage nach der Zahlungsfrist von 27 Tagen. Im europäischen Umfeld beträgt die Zahlungsfrist 20 Tage und die Zahlungen erfolgen nach 21 Tagen.

Etwas besser ist die Zahlungsmoral der Schweizer Firmen im Europavergleich. Sie haben wie die Firmen in Europa eine Zahlungsfrist von 30 Tagen. Die Zahlungen erfolgen in der Schweiz nach 37 Tagen und in Europa nach 36.

Warum die Zahlungsmoral ihrer Kunden so lasch so lasch ist, begründen 77 Prozent der Schweizer Firmen mit deren finanziellen Problemen. Als nächsthäufigsten Grund nennen 64 Prozent absichtliche Verzögerungen gefolgt von administrativen Herausforderungen mit 55 Prozent.

Die Nachlässigkeit beim Zahlen der Rechnungen hat Folgen, wie Intrum Justitia geltend macht. Jedes zehnte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) könnte mehr Stellen schaffen, würden die Kunden pünktlich zahlen. Rund der Hälfte der Schweizer KMU brocken verspätete Zahlungen Liquiditätsengpässe ein.

Überhaupt blicken gerade die KMU pessimistisch in die Zukunft: Jedes fünfte von ihnen erwartet, dass die Kunden in den nächsten zwölf Monaten noch schlechter bezahlen als bisher.

Die Firmen schützen sich aber auch. So verlangen im laufenden Jahr 69 Prozent der Schweizer Unternehmen auch schon einmal Vorauskasse. In Europa sind es nur 50 Prozent. Während der Anstieg in Europa gegenüber dem Vorjahr moderat ausfällt, ist er in der Schweiz mit 10 Prozentpunkten markant.

Im weiteren unterziehen 60 Prozent der Schweizer Firmen Kunden einer Bonitätsprüfung gegenüber 36 Prozent in Europa. Beim Inkasso hingegen gibt es kaum Unterschiede.

Die Studie wurde vom Februar bis April bei rund 10’000 Unternehmen in 29 europäischen Ländern erhoben.

(SDA)


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