Die Sekte Adullam steht vor einer Revolution

Von Lara Abderhalden
Das Adullam-Gebäude in Wattwil.
Das Adullam-Gebäude in Wattwil. © Lara Abderhalden
Seine Predigten besuchten Hunderte von Menschen. Er baute sich ein Netzwerk auf der ganzen Welt auf und streute seinen streng religiösen und bibeltreuen Glauben. Werner Arn, der Sektenführer – oder nach eigener Auffassung «Diener der Gemeinde». Der Prediger verstarb vergangene Woche, sein Sohn wird sein Lebenswerk im Toggenburg übernehmen. Das dürfte nicht allen passen.

«Die Bibel ist die einzige Wahrheit», «die katholische Kirche ist eine Sekte» oder «Homosexualität ist ein Gräuel» – Werner Arn war radikal. Seine Linie klar: Sein Leben gehörte Gott. Jedes einzelne Wort in der Bibel kannte Werner Arn und wurde von ihm gelebt. «Die Bibel ist die einzige Wahrheit und du hast die Aufgabe, das der Welt zu offenbaren», sagte er in einem Interview vor einem Jahr mit FM1Today.

Arn hinterlässt Tausende von Anhängern

Nun ist Werner Arn im Alter von 74 Jahren gestorben. In Wattwil im Toggenburg, dort wo alles begann und das «Zentrum Gottes» oder sein «Schutzort», das Adullam, steht. Allein im Toggenburg besuchten jedes Wochenende rund 200 Personen aus dem In- und Ausland seine Predigten. Er hat auf der ganzen Welt Anhänger und sogenannte «Zufluchtsstätten» geschaffen.

Werner Arn vor einem Jahr.

FM1Today/Lara Abderhalden

Tausende von Menschen hat Werner Arn vom Glauben Gottes überzeugt. Oft waren es Bedürftige, die in der Gemeinschaft rund um Arn Schutz suchten. Finanziert hat Arn seine Arbeit hauptsächlich durch Spenden. «Gott versorgt uns durch einen freien Freundeskreis», sagte er vor einem Jahr. Leute, welche die Gemeinde aufnehme, würden oft grosszügig spenden. Ein Geben und Nehmen, wie er es nannte.

«Wir sind keine Sekte»

Werner Arn stand einst selbst kurz vor dem Abgrund: «Ich war der Hurerei verfallen, ein Säufer und habe geraucht.» Aber mit 26 Jahren habe «Gott an seine Tür geklopft». Von da an sah sich Werner Arn als «Diener der Gemeinde», er las die Bibel mehrere Male.

«Die Bibel zeigt uns, dass es zwischen Frau und Mann einen Unterschied gibt und dies geht bis in die Kleidung», ein Grundsatz, der bei Arn-Anhängern gilt. Die Frauen tragen Röcke und haben langes Haar. «Gott sagt, dass es ein Gräuel ist, wenn ein Mann mit einem anderen Mann Schande, Sexualität, treibt.» Homosexualität war ein weiterer Punkt, den Arn nicht duldete.

Trotz vieler Regeln oder «Leitplanken», wie Arn sie nannte, war er stets überzeugt: «Wir sind keine Sekte». Alle anderen Kirche seien Sekten, da sie gewisse Dinge der Bibel hinzufügen oder ausser Acht lassen würden.

Sein Tod wird alles verändern

Das ganze aufgebaute «Imperium» kommt nun in die Hände von Arns Sohn. Das bestätigt das Adullam per Telefon. Er selbst sei im Moment für keine Interviews zu erreichen. Wie uns ein Insider berichtet, sei dies eher überraschend. Sein Sohn sei ein erfolgreicher Banker und habe eine hohe Position im Militär, kaum jemand in seinem Alltag wisse von seiner Mitgliedschaft bei Adullam. Ob er dieses grosse Erbe tragen kann, sei dahin gestellt.

Eines jedoch sei klar: «Werner Arns Tod wird eine Revolution auslösen», sagt der Insider. Er denkt, dass sich die Gemeinschaft spalten wird. «Menschen, welche nicht hinter Werner standen, werden ihre Meinung kund tun. Sie haben nichts mehr zu fürchten.»


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