Graffitis haben keine Chance mehr

Der Zürcher Stadtrat André Odermatt demonstriert das neue Graffitischutz-System der Stadt.
Der Zürcher Stadtrat André Odermatt demonstriert das neue Graffitischutz-System der Stadt. © KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Graffiti ohne Schäden am Gebäude von Fassaden zu entfernen, war bisher nicht möglich. Nun hat die Stadt Zürich einen neuartigen Graffitischutz entwickelt. Im Sommer kommt das Mittel auf den Markt. Zwar gibt es auf dem Markt bereits verschiedene Graffitischutzmittel.

Diese genügten aber den Anforderungen der Denkmalpflege nicht, wie Martina Jenzer, Leiterin Denkmalpflege Stadt Zürich, am Donnerstag vor den Medien in Zürich sagte.

Mit den bereits vorhandenen, wasserabstossenden Mitteln kommt es immer wieder zu sogenannten Abplatzungen, so dass ganze Stücke der Wand abblättern, wie die städtische Graffitibeauftrage Priska Rast sagte. Ohne präventiven Schutz hingegen entstehen bei der Reinigung häufig Schäden. Beispielsweise bleibt das Graffiti noch leicht sichtbar oder der Untergrund wird geschädigt.

Die Fachstelle Graffiti der Stadt Zürich gab deshalb 2011 eine Marktanalyse in Auftrag, setzte sich mit der Denkmalpflege an einen Tisch und liess das Mittel von einem bauphysikalischen Labor in Winterthur entwickeln. Nach Tests im Labor und mehrjährigen Probeläufen an städtischen Gebäuden war es dann im Frühling 2015 soweit: Der neuartige Graffitischutz war einsatzbereit.

Am Donnerstag stellte die Stadt Zürich “Aravel” der Öffentlichkeit vor. Stadtrat André Odermatt (SP) griff zu Demonstrationszwecken gleich selber zur Spraydose und sprühte auf eine vorgängig behandelte Stützmauer eine grüne Blume.

Ein hauchdünner, transparenter Film wird als Prävention auf die Mauer aufgetragen. Schmierereien haften nun nicht auf dem Untergrund selber, sondern auf dem Graffitischutzmittel.

Zum Entfernen kommt das zweite Mittel der Produktefamilie “Aravel” in den Einsatz: Der Entferner wird aufgetragen und nach etwa einer Stunde wird alles – mitsamt der unteren Schicht – abgewaschen. Alles sei ausprobiert worden. Auch hartnäckige Signalfarbe würde wieder entfernt, sagte Rast.

Die Entwicklungen kostete die Stadt 250’000 Franken – ein Betrag, der spätestens 2018 bereits wieder amortisiert sein soll, unter anderem weil das biologisch abbaubare Mittel in der stadteigenen Malerwerktstatt von “Schöns Züri” hergestellt wird.

Der Graffitischutz soll nicht nur in Zürich in Einsatz kommen. Die Stadt will das Mittel aber nicht selber vermarkten und hat einen Partner gefunden, der Aravel ab Sommer 2016 vertreibt. Die Rechte bleiben bei der Stadt. Auch andere Städte sowie die SBB und die Post seien interessiert und in den Startlöchern, sagte Rast.

(SDA)


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