“Die SVP braucht einen moderaten Kandidaten”

Von Angela Müller
Ex-Regierungsratskandidat Herbert Huser setzte sich am Sonntag vorzeitig ab.
Ex-Regierungsratskandidat Herbert Huser setzte sich am Sonntag vorzeitig ab. © Tagblatt
Die SVP wird ihren Anspruch auf einen zweiten Regierungssitz weiterhin stellen und einen Kandidaten für den zweiten Wahlgang heute bekannt geben. Politkenner, Reto Antenen, schätzt, dass die SVP keine gute Chancen hat, doch noch als Siegerin aus den Regierungsratswahlen hervor zu gehen.

Reto Antenen, St.Galler Politbeobachter, sieht die SVP stark unter Druck.

Reto Antenen, St.Galler Politbeobachter, sieht die SVP stark unter Druck. © Urs Bucher, Tagblatt

Wie steht nun die SVP als Partei nach dem Debakel da – Herbert Huser erzielte ein schlechtes Resultat und wurde nicht einmal in den Kantonsrat gewählt?

Antenen: Die Partei muss als wählerstärkste Partei besorgt sein, bei den Regierungsratswahlen dabei zu sein und muss innert kürzester Zeit einen geeigneten Kandidaten aus dem Hut zu zaubern.

Hat die SVP überhaupt eine Chance?

Antenen: Es wird sicher schwierig einen zweiten Regierungssitz zu erobern, denn die Zeit ist knapp und FDP-Kandidat Marc Mächler hat einen eklatanten Vorsprung, durch seinen längern Wahlkampf ist er schon sehr bekannt.

Was für eine Person muss die SVP suchen und könnte eine Kandidatur in einem solchen Fall nicht zum Bumerang werden?

Antenen: Die Partei braucht eine bekannte Persönlichkeit, die klar kein Hardliner ist. Doch die Gefahr ist gross, dass die Person verheizt wird.  Die Chance einer Nichtwahl ist riesig. Auf der anderen Seite könnte ein junger Kandidat aufgebaut werden. Eine Nichtwahl zieht aber immer ein gewisses Verlierer-Image nach sich.

Wäre Toni Brunner eine Option?

Antenen: Ich gehe nicht davon aus, dass er sich zur Verfügung stellt. Die Chance einer Nichtwahl ist für jeden Kandidaten sehr gross.

Wird die SVP im Kanton St.Gallen jemals einen zweiten Regierungsrat stellen?

Antenen: Solange die SVP keinen moderaten Kandidaten zur Verfügung hat, wird es diese Partei immer schwer haben.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach Herbert Huser im Wahlkampf verhalten, der von einer starken Gegenkampagne geprägt war?

Reto Antenen:  Er hat versucht sich relativ staatsmännisch zu geben und nicht zu stark auf die Angriffe zu reagieren. Doch während seiner ganzen politischen Laufbahn war Huser ein klarer SVP-Hardliner. Es ist ihm während des Wahlkampfs nicht gelungen, das Volk vom Gegenteil zu überzeugen.

Hätte Huser nicht direkt nach der Wahlschlappe zurücktreten sollen, anstatt noch den Losentscheid für den Kantonsrat abzuwarten?

Antenen: Es war wohl ein sehr hektischer Sonntag. Sein Resultat wurde immer schlechter, gegen Abend schien es, dass er nicht einmal in den Kantonsrat gewählt wurde. Später hat man gesehen, dass er am Montag in den Losentscheid mit Markus Wüst kommt. Bereits im Verlaufe des Sonntags liess er durchblicken, dass er als Parteipräsident zurücktreten würde. Dass er nun die Politik vollständig an den Nagel hängt, ist wohl einfach die Folge seines schlechten Abschneidens.

FM1Today überträgt die Nominations-Pressekonferenz der SVP ab 10.30 Uhr live.

 

 

 

 


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