“Die Viehschau ist unser grösstes Fest”

“Die Viehschau ist unser grösstes Fest”
An der 125. Viehschau in Herisau stellten 19 Milchbauern ihre rund 500 Kühe zur Schau. Unzählige Gäste freuten sich am traditionellen Treiben und dem Brauchtum der Bauern.

«Heutzutage glauben doch die Leute, dass die Milch von der Migros kommt», sagt Willy Bösch aus Herisau lachend, während er seiner Kuh die letzten Flecken aus dem brauen Fell striegelt. «Die Leute können hier im Dorf unser Vieh sehen, das den ganzen Sommer über auf der Alp war. Vielleicht wird ihnen so wieder bewusst, wie viel es braucht, um einen Liter Milch herzustellen.»

«Kinder haben Angst»

Neben Bösch sind unzählige Bauern, Sennen und Knechte in Herisau und zeigen rund 500 Kühe und einige Munis. Bei Gross und Klein kommt die 125. Viehschau bestens an: «Unsere Kinder sehen zum ersten Mal eine Viehschau und sie haben noch etwas Angst vor den grossen Kühen», sagt eine Mutter mit ihrem Knirps an der Hand. «Die Kälbli und Rindli sind so süss», lacht die etwas grössere Tochter.

«Ein alter Brauch, der verbindet»

Auf dem Vorplatz der Kälblihalle wird gefachsimpelt, geraucht und gelacht. Neben Bauern kommen auch Dörfler an die Viehschau. Ein Nachbar schon seit über 60 Jahren: «Ich kam schon als Junge, um die Kühe anzuschauen – es gehört einfach zu Herisau dazu – ein alter Brauch, der die Bauern mit dem Dorf verbindet», sagt er. Während die Kühe dem Publikum vorgestellt werden und die Sennenbuben ihre Sprüchli und Verse aufsagen, macht sich Markus Dörig ein Bild der Tiere auf dem Platz. Er läuft mit einem Klemmbrett unter dem Arm und mit einem prüfenden Blick in den Augen um die Tiere. Er ist Experte und richtet über die Kühe: «Für mich ist es eine Ehre, die Tiere an der 125. Herisauer Viehschau nach ihrer Qualität aufreihen zu dürfen.»

«Meine Kühe sind zu dick»

Eine Kuh, die er gerade inspiziert, gehört einem älteren Bauern aus Herisau. Immer wieder zündet der grauhaarige Bauer sein Lindauerli an und lässt es tief in den Bart hängen: «Es war ein tolles Jahr für uns, aber dass meine Kühe ausgezeichnet werden, glaube ich nicht – sie haben zu viel gefressen.» Er lacht, zieht an seinem Lindauer und striegelt seine Kuh nochmal.

(rar)


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