«Diese Uhr ist doch ein Witz»

Die neue Bahnhofsuhr zeigt die Zeit binär an. Nicht alle sind erfreut.
Die neue Bahnhofsuhr zeigt die Zeit binär an. Nicht alle sind erfreut. © FM1Today
Die Stadt St.Gallen hat ein neues Wahrzeichen. Statt einer altmodischen Bahnhofsuhr leuchten Symbolde die Zeit in einem Code. Was Pendler nervt macht Nerds glücklich: Wir erklären die neue Uhr.

«Die Leute werden sich schon daran gewöhnen. Ansonsten ist es ja auch nicht so schlimm», sagte der Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner bei der Präsentation der neuen binären Bahnhofsuhr. Es habe genügend weitere klassische Uhren in Sichtweite der Pendler, argumentiert man bei der Stadt. Das ganze Projekt um die neue Bahnhofsuhr kostete von der Ausschreibung bis zu den Bratwürsten insgesamt 324’000 Franken.

«Was soll eine Uhr, die man nicht lesen kann?»

Auf den Strassen ist man das anderer Meinung. Es brauche eine schlichte, normale Bahnhofsuhr die jeder versteht. Pendler finden die Idee, dass es frontal gegen den Busbahnhof keine verständliche Uhr gibt blödsinnig: «Sowas doofes wie eine Uhr, die niemand lesen kann? Das ist doch ein Witz. Das Geld hätte besser für mehr Abfalleimer und Aschenbecher eingesetzt werden können», sagt eine Pendlerin aus St.Gallen.

Ein anderer Pendler schliesst sich der Meinung an: «Ich fände es halt schon besser, wenn jeder die Zeit sofort lesen können.» Andere freuen sich auf das neue Highlight am Bahnhofsplatz: «Endlich etwas neues, frisches. Ich werde es meinen Kindern erklären können», ist eine Mutter begeistert.

So hat sich die Bahnhofshalle verändert:

«Den Leuten wird ein Licht aufgehen»

Freude herrscht darüber, dass der Projektwettbewerb von Norbert Möslang, einem St.Galler gewonnen wurde: «Wenigstens ist er St.Galler und darf in St.Gallen seine Uhr ausstellen – ob man sie auf den ersten Blick nun lesen kann, oder nicht», sagen zwei Damen auf dem Weg zum Einkauf.

Norbert Möslang indes ist äusserst stolz auf seine Uhr: «Es waren einige strenge Jahre. Mittlerweile bin ich pensioniert und bin gespannt auf die Reaktionen der Menschen.» Möslang glaubt, dass die Leute das Funktionsprinzip der Uhr rasch verstehen werden: «Der Sekundenzeiger wird den Leuten rasch ein Licht aufgehen lassen.»

Warum ausgerechnet eine binäre Uhr in die Stadt St.Gallen gehört, erklärt Möslang so: «Über 100 Jahre lang gab es innerhalb der Stadt St.Gallen rund zehn Kalender-Tage Unterschied, weil man in verschiedenen Stadtteilen zwei unterschiedliche Kalender hatte, da passt doch ein Konzept der Zeitmessung, dass etwas anders ist, nicht?»

Die Zeit in drei Linien eingeteilt

Eine binäre Uhr funktioniert nicht etwa mit Zeigern oder mit Zahlen. Die Uhrzeit wird mit einem mathematischen Binärcode angezeigt. Im Fall der Bahnhofsuhr in St.Gallen sind die Stunden des Tages in drei Linien eingeteilt. In der Obersten Reihe sind in Kreisen die Stunden angezeigt. Leuchtet es ganz rechts, bedeutet dies eine Stunde. Eins links daneben sind zwei. Leuchten beide Kreise zusammen, macht dies drei Stunden (1+2). Die Binären Einheiten sind der Reihe nach 1, 2, 4, 8, 16 und 32. So können alle Stunden, Minuten und Sekunden angezeigt werden. Wie das im Detail funktioniert, erfahrt ihr in der Bildergalerie.

(rar)


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