«Dieser Flug ist ökologischer Unsinn!»

Die «People's Viennaline» fliegt seit November von Altenrhein via Friedrichshafen nach Köln/Bonn.
Die «People's Viennaline» fliegt seit November von Altenrhein via Friedrichshafen nach Köln/Bonn. © zvg
Stolz präsentierte die People’s Vienna Group gestern ihren neusten Linienflug. In acht Minuten vom Flugfeld Altenrhein in der Schweiz nach Friedrichshafen in Deutschland. Naturschützer sind ausser sich. Allen voran Alt-Nationalrätin der Grünen und Klima-Seniorin Pia Hollenstein.

Es ist der erste Übersee-Flug in der Geschichte Altenrheins. Nur gerade 500 Sekunden dauert der Flug mit der People’s Vienna Line von Altenrhein nach Friedrichshafen. Von dort fliegt die 50-plätzige Passagiermaschine weiter nach Köln/Bonn. Ab dem 2. November bietet die People’s Viennaline den kürzesten internationalen Linienflug der Welt an.

«Ich frage mich, ob der noch einen geraden Kopf hat»

«Ich bin empört», sagt Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein gegenüber FM1Today. Die St.Galler Grünen Politikerin und «Klimaseniorin» hält mit ihrer Entrüstung nicht hinter dem Berg. «Das widerspricht allen bisherigen Erkenntnissen der nachhaltigen Wirtschaft!» Kurzstreckenflüge seien nicht angebracht, da der ÖV viel sinnvoller und zudem schneller sei. Ferner sei es wider allen ökologischen Absichten aus der Politik. An People’s Air Group CEO Daniel Steffen lässt sie ebenfalls kein gutes Haar: «Ich frage mich, ob der noch einen geraden Kopf hat.»

Das Rampenlicht ist wichtiger als die Umwelt.

Ähnlich sieht das auch der Präsident der «Aktion gegen Fluglärm Altenrhein», Heinz Grob. «Das ist ökologischer Unsinn. Man sieht genau, wo hier der Fokus gelegt wird. Man will das Geschäft vorantreiben.» Die Umwelt und die Anwohner spielten dabei keine Rolle. «Ich kann mir gut vorstellen, dass hier einmal mehr das Rampenlicht gesucht wurde.» Herauskommen täte dabei meist aber nur heisse Luft.  Grob will gar noch einen Schritt weiter gehen. Mit der neuen Linie wird nämlich auch wieder eine neue Lärmquelle geschaffen. «Wir klären ab, ob hier alles mit rechten Dingen zu und her ging. Wir wehren wir uns mit Händen und Füssen gegen eine Ausweitung des Flugverkehrs in Altenrhein.»

Fährbetrieb sieht neue Konkurrenz gelassen

Ganz entspannt gibt sich derweil die Schweizerische Bodensee Schifffahrt. Dass Passagiere ab November in acht Minuten von Altenrhein nach Friedrichshafen gelangen, scheint die SBS nicht zu stören. «Da die Konzentration der Flüge insbesondere auf den frühen Morgen und späten Abend gelegt wird, sehen wir keine Konkurrenz zu unserem Geschäft», so CEO Andrea Ruf. Im Gegenteil: Sie sähen dies als durchaus interessantes Angebot für Flugreisende und als eine Chance für beide Flughäfen.

Konkurrenzangst muss die SBS auch nicht haben. Eine einfache Fahrt mit der Fähre kostet mit 10.20 Franken nur ein Fünftel des Fluges.


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