Dieser Schuh ist auch ein ÖV-Abo

Von Sandro Zulian
Den BVG-Sneaker gibt es für 180 Euro. Er ist gleichzeitig ein Jahresticket.
Den BVG-Sneaker gibt es für 180 Euro. Er ist gleichzeitig ein Jahresticket. © EPA/ADIDAS
Einmal mehr machen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Schlagzeilen. Sie bringen ab Mitte Januar einen Sneaker auf den Markt, der gleichzeitig eine Jahreskarte ist. Verkehrsbetriebe im FM1-Land finden die Aktion sympathisch.

Wenn die BVG für etwas bekannt ist, dann sind es unverständliche Lautsprecherdurchsagen, Verspätungen und die wahrscheinlich besten Werbungen der Welt. Auch der neuste Coup der Verantwortlichen der Berliner Verkehrsbetriebe ist originell und nie dagewesen: Die BVG bringt zusammen mit Adidas einen eigenen Sneaker auf den Markt. Das Spezielle: Der Schuh ist gleichzeitig eine Fahrkarte. Eine limitierte Auflage von 500 Stück ist ab dem 16. Januar in zwei Verkaufsstellen in Berlin erhältlich. Reservieren kann man die Turnschuhe nicht. Berliner Medien rechnen damit, dass Sneakers-Fans bereits am Morgen des 15. Januars vor den Läden anstehen werden.

Der Schuh sieht aus wie Berlin

«So hässlich-schön wie Berlin eben», beschreiben Berliner Medien den Turnschuh mit dem schönen Namen «EQT Support 93/17 Berlin». Der hauptsächlich in schwarz und weiss gehaltene Sneaker wird mit Schnürsenkeln in den Farben der BVG (gelb und schwarz) geschnürt, ein gelbes Herz (das Logo der Verkehrsbetriebe) ziert die Seite.

In Berlin gibt es «Fans» der Verkehrsbetriebe

Blickfang des Schuhs bleibt aber das Tarnmuster, das Berlin-Touristen vor allem von Sitzbezügen in einigen U-Bahnen der deutschen Hauptstadt kennen. Das Muster ist sogar derart beliebt, dass es Kaffeetassen, Leggings, T-Shirts und weitere Fanartikel in blau-schwarz-rotem Flecktarn zu kaufen gibt.

Wer ihn trägt, hat ein Ticket

Die Zunge des Schuhs ist zugleich ein Jahresticket für die Berliner Verkehrsbetriebe. Allerdings gibt es hier einen Haken: Um den Fahrausweis gültig zu machen, müssen die Schuhe zwingend getragen werden. Nur einen Schuh zu tragen oder die Schuhe in einer Box mitzuführen, ist nicht zulässig. Ebenfalls kann man mit den Schuhen nur die Angebote der BVG (Bus, Tram, U-Bahn) nutzen. Das S-Bahn-Streckennetz ist von der Aktion ausgeschlossen, da es zu einem anderen Verkehrsbetrieb gehört. Nichtsdestotrotz lohnt sich der Deal: Den Schuh bekommt man für 180 Euro, ein Jahresticket für ganz Berlin übersteigt die 700-Euro-Marke.

Die SBB ist begeistert

«Muss ich haben!» twittert SBB-Mediensprecher Christian Ginsig auf seinem privaten Account:

Screenshot Twitter

 

Auf Anfrage findet Ginsig auch als SBB-Sprecher, dass die Aktion der BVG sehr sympathisch sei. Er gibt aber zu bedenken: «Der Schuh hat den gravierenden Nachteil, dass man ihn das ganze Jahr über tragen oder im Turnsäckli mitnehmen muss, um bei einer Kontrolle ein gültiges Billett vorweisen zu können.» Daher setze die SBB auf den Swiss-Pass, weil man diesen auch beim Wechseln der Kleidung, des Portemonnaies oder sonstigen Accessoires immer dabei habe.

Des einen Sneaker ist des anderen Trachtenschuh

Auch bei den Appenzeller Bahnen kommen die Sneakers gut an: «Das ist eine richtig coole und kreative Marketing-Aktion im öffentlichen Verkehr», sagt Mediensprecherin Sabrina Huber. Dass das Muster der Schuhe auch noch auf die legendären Muster der U-Bahn-Sitze abgestimmt ist, sei das Tüpfelchen auf dem I. Ob die Appenzeller Bahnen bald selbst eine ähnliche Aktion lancieren werden, bleibt allerdings zu bezweifeln: «Bei uns müsste man wohl neue Trachtenschuhe mit einem Zug-Motiv entwerfen.» Falls das nicht realisierbar wäre, seien auch Sneakers der Appenzeller Bahnen denkbar, sagt Huber mit einem Augenzwinkern: «Denn bei kurzen Umsteigezeiten sprechen wir jeweils von einem Turnschuh-Anschluss.»

(saz)


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