Dieses Duo verprügelt sich gerne

Von Fabienne Engbers
Sofia Jokl und Thomas Schönenberger teilen die Leidenschaft, gegeneinander zu kämpfen - darin sind sie Weltmeister.
Sofia Jokl und Thomas Schönenberger teilen die Leidenschaft, gegeneinander zu kämpfen - darin sind sie Weltmeister. © zVg/Swissduoteam
Sie geben sich ständig auf die Schnauze und mögen sich trotzdem. Die beiden Ostschweizer Thomas Schönenberger und Sofia Jokl sind seit diesem Wochenende Weltmeister im Ju-Jitsu. Dazu müssen die beiden aufeinander los gehen.

«Manchmal brummt mir der Kopf schon ein bisschen, wenn sie mir im Training wieder eine verpasst hat», sagt Thomas Schönenberger (31). Mit seiner 33-jährigen Ju-Jitsu Partnerin Sofia Jokl trainiert er seit sechs Jahren. Sie erklärt: «Zuerst haben wir in anderen Kategorien gekämpft. Als ich nach Weinfelden gezogen bin und Thomas kennengelernt habe, haben wir es mal zu zweit versucht und das hat super funktioniert».

Als Partner kämpft man gegeneinander

Normalerweise kämpft man im Ju-Jitsu eins gegen eins. Im Duo-System kämpfen jedoch die Teamkollegen gegeneinander. Auf der Matte soll es so aussehen, als würden sich die beiden die Köpfe einschlagen, eigentlich haben die Paare ihre Angriffe und Verteidigungen jedoch lange einstudiert. «Wenn die Leute hören, dass wir eine Art Showkampf machen, denken viele, das werde langweilig. Es geht aber jeweils heftig zu und her», sagt Thomas Schönenberger. «Wenn Thomas sich nicht richtig verteidigen würde, dann wäre er arm dran. Ich greife ihn richtig an – und umgekehrt», sagt Sofia Jokl.

WM-Gold ist nur ein Zwischenschritt

Letztes Wochenende holten die beiden dem WM-Titel im Duo-System «mixed». Die Freude darüber ist gross, aber: Die Weltmeisterschaft soll nicht der Höhepunkt der Karriere bleiben. Da Ju-Jitsu nicht olympisch ist, gibt es für die Kampfsportler alle vier Jahre die World Games, die für die Ju-Jitsuka den selben Stellenwert wie Olympia haben.  Als Weltmeister gehört das Team aus Weinfelden sicherlich zu den Favoriten für die World Games im nächsten Sommer – sofern sie in ihrer Top-Verfassung bleiben. Sofia Jokl hat sich an der WM letzte Woche den Finger verletzt. «Jetzt muss ich operieren», sagt sie. Im neuen Jahr wollen die beiden aber wieder angreifen. «Wir wollen nicht nur die World Games gewinnen, wir haben auch noch den EM- und den WM-Titel zu verteidigen», sagt Thomas Schönenberger.

Sport fordert auch Opfer

Finanziell lohnt sich der Weltmeistertitel für die beiden nicht. Sie arbeiten Vollzeit, um ihr Hobby ausüben zu können. Vor oder nach der Arbeit gehen sie zum Training, bis zu 20 Stunden trainieren sie jede Woche. «Da bleibt kaum Zeit für Freunde oder andere Hobbys», sagt Thomas Schönenberger. «Die Opfer, die wir in den letzten Jahren gebracht haben, haben sich jetzt, mit dem Weltmeister-Titel, aber gelohnt», meint Sofia Jokl. «Der Aufwand war es definitiv wert», stimmt ihr Kampf-Partner zu.

«Im Ju-Jitsu haben wir unseren Traumsport gefunden»

Was fasziniert die beiden an Ju-Jitsu? «Es ist so abwechslungsreich, wir trainieren diverse Kampfsportarten, sowie Kraft und Ausdauer. Ausserdem lernt man, sich selbst zu verteidigen», erzählt Thomas Schönenberger. «Wenn man Ju-Jitsu als Amateur macht, kann man so wählen, was man intensiver machen will. Ausserdem kann man Ju-Jitsu bis ins späte Alter hinein machen». «Wir sind also noch lange nicht fertig», sind sich die beiden Kampfsportler einig. Und so werden sich die beiden auch im kommenden Jahr die Köpfe einschlagen.

So sieht es aus, wenn die beiden ihre «Show» abziehen:

Das Schweizer Nationalkader an den Europameisterschaften:


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