Dieses Video bewegt Millionen

«Frau Gertrude» heisst eine 89-jährige Holocaust-Überlebende aus Wien auf Facebook und Youtube. In einem knapp fünf Minuten langen Video warnt sie vor rechtsextremer Rhetorik. Sie fühlt sich an die 30er Jahre erinnert, als das Hitler-Regime die Macht an sich riss. 

Eins vorneweg: Das Video fungiert als Propaganda für den österreichischen Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander van der Bellen. «Frau Gertrude» sei aber aus freien Stücken an das Wahlkampfteam des Politikers herangetreten. Sie ersuchte die Gruppe rund um van der Bellen, ihr Video zu veröffentlichen. Freilich nahmen diese das Angebot dankend an. Mittlerweile hat das Video über drei Millionen Views.

Rhetorik wie in den 30er Jahren

Frau Gertrude übt massive Kritik an der rechtspopulistischen Rhetorik der heutigen Tage: «Das niedrigste der Menschen wird hervorgerufen», stört sich die Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz/Birkenau. Sie mag sich erinnern, dass im Wien der 30er Jahre Juden die Strasse fegen mussten. Die Wiener, Frauen, Männer und Kinder seien am Strassenrand gestanden und hätten gesagt: «Schaut euch das an! Haha!». «Die Leute fanden das lustig und haben gelacht. Genau das versucht man heutzutage wieder hervorzurufen», so Frau Gertrude. «Das schmerzt mich.»

Junge Leute an die Urnen

Für Frau Getrude ist klar, dass die Jungen etwas machen müssen. «Für mich ist es wahrscheinlich die letzte Wahl. Aber die Jungen haben ihr ganzes Leben noch vor sich.» Diese müssten selber schauen, dass es ihnen weiterhin gut geht. «Das können sie nur, wenn sie vernünftig wählen.»

Laut Informationen des Videos wurde Frau Gertrude als 16-Jährige mit ihren Eltern und den zwei jüngeren Brüdern nach Auschwitz deportiert. Ihre gesamte Familie wurde demnach umgebracht. Sie überlebte den Holocaust als einzige.

(saz)


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