Erlebbare digitale Welt soll Ängste vor Digitalisierung nehmen

Bundespräsidentin Doris Leuthard, Marc Walder, Initiant von digitalswitzerland und Ringier-CEO (links) sowie SBB-Chef Andreas Meyer sehen in der Digitalisierung grosse Chancen.
Bundespräsidentin Doris Leuthard, Marc Walder, Initiant von digitalswitzerland und Ringier-CEO (links) sowie SBB-Chef Andreas Meyer sehen in der Digitalisierung grosse Chancen. © KEYSTONE/SBB/KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Ein kleiner Snack-Roboter rollt im Bahnhof in Zürich auf die Menschen zu, zwei ältere Herren tauchen mit einer Brille in eine virtuelle Welt ein. Mit dem ersten Digitaltag vom Dienstag wollten die Initianten der Bevölkerung die Angst vor der Digitalisierung nehmen.

«Der Digitaltag ist ein Schulterschluss, den es in Europa so noch nicht gegeben hat», sagte Marc Walder, Ringier-CEO und Initiant der Organisation digitalswitzerland am Dienstagmorgen im Zug von Bern nach Zürich. Dieser «Digitalzug» brachte Bundespräsidentin Doris Leuthard sowie zahlreiche Chefs von Unternehmen oder Vertreter von Organisationen nach Zürich zur Eröffnung des ersten Digitaltages.

Im Zug konnten die Anwesenden einen Blick auf die digitalen Projekte werfen, die die SBB zusammen mit der ETH oder EPFL in der Pipeline hat. Dazu gehört ein kniehoher, runder Roboter, der als mobiler Snack-Automat in den Bahnhöfen auf die Kunden zugehen soll. Der Roboter drehte anschliessend im Bahnhof Zürich, wo sich der Digitaltag voll entfaltete, seine Runden.

Nicht nur in Zürich, sondern in verschiedenen Städten in allen Landesteilen der Schweiz erhielt die Bevölkerung einen Einblick in den Stand und die Zukunft der Digitalisierung. Über 150’000 Personen hätten den Tag an den Veranstaltungsorten erlebt, so digitalswitzerland. Mindestens ebenso viele hätten den Tag digital miterlebt.

Der Wunsch nach einem solchen Tag geht auf die Bundespräsidentin zurück. «Sie hat gewünscht, dass wir etwas für die Bevölkerung machen, damit die Ängste – die zweifellos vorhanden sind – thematisiert werden», sagte Walder.

Ängste bestehen tatsächlich. Es besteht beispielsweise die Gefahr, dass sich eine Zweiklassengesellschaft aus Gewinnern und Verlierern herausbildet. Bundespräsidentin Doris Leuthard gibt zu: «Es ist klar, dass es Unternehmen geben wird, die verschwinden oder sich stark verändern müssen. Es ist dann in der Verantwortung der grossen Firmen, dass sie für die kleineren einstehen. Die Solidarität wird wichtig sein», sagte sie im Zürcher Hauptbahnhof im Gespräch.

Zur Organisation digitalswitzerland gehört auch Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Auf die Frage, wie kleinere, finanzschwächere Unternehmen mit der Digitalisierung umgehen sollten, sagte deren Präsident Heinz Karrer in Zürich: «Kleinere Unternehmen sollten sich zu Kooperationen zusammenschliessen und so Kräfte bündeln.»

Zudem brauche es ein Entgegenkommen der älteren Generation, die heute vielfach die Geschicke einer Firma leite, manchmal aber in Bezug auf die Digitalisierung noch nicht gleich weit seien wie die jüngeren. «Der Generationenkonflikt ist aber nicht grösser als bei anderen technologischen Veränderungen», sagte er.

Dass die Digitalisierung nicht nur den Alltag erleichtern, sondern auch die Arbeitswelt verändern wird, ist unumstritten. Die Gewerkschaften Unia und Syndicom forderten am Dienstag diesbezüglich in je einer Mitteilung ein «Recht auf Weiterbildung» für Arbeitnehmende, wie es Unia schreibt. Syndicom verlangt, dass sich die Unternehmen an solchen Weiterbildungen beteiligen.

Auch die Datenschützer melden sich am Digitaltag zu Wort. Es werde vorgetäuscht, dass der digitale Fortschritt nur «zu Lasten des Persönlichkeitsschutzes» umsetzbar sei, schrieb Privatim, die Konferenz der schweizerischen Datenschützer. Dabei werde verkannt, dass Digitalisierung auf das Vertrauen der Bevölkerung angewiesen sei. Sie müsse daher «Hand in Hand» mit dem Datenschutz erfolgen.

Zudem meldete sich der Schweizerische Konsumentenschutz SKS mit einem Appell an Unternehmen und forderten unter anderem, dass den Kunden die Wahl ermöglicht werden solle, ob sie bei «Gratisangeboten» statt mit ihren Daten mit Geld bezahlen könnten.

A propos Datenschutz: Passend zum Thementag informierten am Nachmittag die SBB, die Post, die Swisscom, die Banken Credit Suisse, Raiffeisen, UBS und Zürcher Kantonalbank sowie der Finanzdienstleister SIX und die Mobiliar über das Unternehmen, das sie im Januar 2018 gemeinsam gründen wollen.

Das Unternehmen soll eine digitale Identität (E-ID) entwickeln, mit welcher sich Schweizerinnen und Schweizer sicher in der digitalen Welt bewegen können. SBB-Chef Andreas Meyer hofft, dass dies ein Zeichen des Aufbruchs ist, wie er bei der Vorankündigung auf der «Fahrt in den Digitaltag» sagte.

«Damit zeigen wir, dass grosse Unternehmen in der Schweiz zusammen etwas vorwärts bringen. Möge das ein richtungsweisendes Signal für weitere solche Projekte sein.» Marc Walder nannte diese Bekanntgabe gar das «Krönchen des Tages».

In Zürich fanden sich bereits vor dem Mittag viele Interessierte ein, die an den verschiedenen Ständen von Unternehmen wie der Swiss, Migros, dem SRF oder PriceWaterhouseCoopers in die digitale Welt eintauchen wollten. Zuvor konnten sie bei der Eröffnung durch Bundespräsidentin Leuthard einem Künstler zuschauen, der in einem «Drohnenballett» mehrere kleine Drohnen wie von Zauberhand herumschweben liess.

Der Anlass wird nicht nur von Bundespräsidentin Doris Leuthard patroniert, sondern auch von den Bundesräten Schneider-Ammann und Alain Berset. Organisiert wurde der Tag von vierzig Unternehmen, die Einblick in den Stand ihrer digitalen Entwicklungen ermöglichen – und von digitalswitzerland. Das ist ein Zusammenschluss aus neunzig Unternehmen, Institutionen aus der Wissenschaft und Kantonen, die die Digitalisierung in der Schweiz voranbringen will.

(SDA)


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