Dimitrov tritt die Nachfolge von Murray an

Grigor Dimitrov feierte an den ATP Finals in London den grössten Erfolg seiner Karriere
Grigor Dimitrov feierte an den ATP Finals in London den grössten Erfolg seiner Karriere © KEYSTONE/EPA/NEIL HALL
Grigor Dimitrov gewinnt in London als erster Bulgare die ATP Finals. Der 26-Jährige setzt sich im Final in zweieinhalb Stunden 7:5, 4:6, 6:3 gegen Federer-Bezwinger David Goffin durch.

Der überraschende Final zwischen der Nummer 6 und der Nummer 8 der Welt passte zum Turnier. Selten hochklassig, aber bis zum Ende spannend, lieferten sich die beiden einen zweieinhalbstündigen Abnützungskampf. Im 15. Spiel an diesen ATP Finals musste zum 11. Mal der dritte Satz entscheiden. Von einer grossen Zahl bulgarischer Fans in der O2 Arena frenetisch angefeuert, war es Dimitrov, dem im entscheidenden Durchgang zum 4:2 das einzige Break gelang, nachdem er bei 1:1 noch zwei Chancen von Goffin abgewehrt hatte. Er brauchte am Ende aber fünf Matchbälle – und einen fahrlässig verschlagenen Volley Goffins – zum Sieg.

Der Belgier hatte stark begonnen und im ersten Satz 4:2 geführt. Er hatte offensichtlich seine Lehren aus dem 0:6, 2:6-Debakel gegen Dimitrov im Gruppenspiel gezogen. Goffin agierte wie beim Sieg gegen Federer im Halbfinal sehr aggressiv und riskierte viel. Nachdem Dimitrov wieder herangekommen war, wehrte der Wallone aus Lüttich beim Stand von 5:6 vier Satzbälle auf teilweise brillante Art ab, verpasste aber die Chance zum Tiebreak durch einen Doppelfehler. So holte sich der 26-jährige Bulgare den ersten Satz dennoch.

Im zweiten Satz zahlte sich das risikoreiche Spiel Goffins endlich aus, doch am Ende scheiterte er an zu vielen Fehlern und vor allem einem deutlich schwächeren Aufschlag als gegen Federer. Nicht nur die insgesamt zehn Doppelfehler, sondern eine Quote von nur 50 Prozent ersten Aufschlägen erwiesen sich am Ende als zu grosse Hypothek.

Wie bei seinem ersten Masters-1000-Triumph in Cincinnati war Dimitrov der grosse Profiteur der abwesenden oder schwächelnden Stars und triumphierte als erster Masters-Debütant seit Alex Corretja 1998. Der zu Juniorenzeiten als Riesentalent und «Baby-Federer» gefeierte Glamour-Boy kam in London zu seinem mit Abstand grössten Erfolg. «Mir fehlen die Worte», gestand er beim Interview. «Das waren einfach unglaubliche zwei Wochen.» In Zahlen drücken sich diese wie folgt aus: fünf Siege in fünf Spielen, ein Preisgeld von 2,549 Millionen Dollar und in der Weltrangliste ein Sprung von Platz 6 auf 3. Dimitrov war in diesem Jahr «the best of the rest» hinter Federer und Nadal, die sich die vier Grand-Slam-Titel unter sich aufteilten.

Goffin hingegen gelang die Krönung nach seinen jeweils ersten Siegen gegen Nadal und Federer nicht. Er hat jedoch noch ein grosses Ziel vor Augen: Am Wochenende spielt er mit Belgien in Lille gegen Frankreich um den ersten Davis-Cup-Titel des Königreichs. Er war auch der erste Belgier in einem Masters-Final.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen