Drei Mannschaften wehren sich gegen den Abstieg

Trainer Giorgio Continis FC Vaduz gastiert in Bern.
Trainer Giorgio Continis FC Vaduz gastiert in Bern. © KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Zürich, Vaduz, Lugano – aus diesem Trio dürfte der Absteiger in die Challenge League hervorgehen. Nach Verlustpunkte ist der FCZ vor den Spielen vom Sonntag Letzter.

Zürich konnte am Samstag den Heimvorteil gegen den alten und neuen Meister Basel nicht nutzen und verlor nach einem späten Penaltytor 2:3. Am Sonntag haben auch Vaduz (gegen Luzern) und Lugano (gegen GC) Heimspiele – und könnten Zürich zum neuen Schlusslicht degradieren.

Dass drei Mannschaften wenige Runden vor Schluss in den Kampf gegen den Abstieg in die Challenge League verwickelt sind, ist nicht alltäglich. Genauer gesagt: Es kommt alle fünf Jahre vor.

Seit der Einführung der Zehnerliga in der Saison 2003/04 und der damit verbundenen Abschaffung der Finalrunde sowie der Auf-/Abstiegsrunde war die Ausmarchung am Tabellenende oftmals nicht spannend. Oder sogar recht langweilig. In den 13 Saisons seither hatten einige Direktabsteiger auf dem 10. Platz zuletzt Rückstände zwischen 4 (Wil 2004) und 18 Punkten (Lausanne 2014). Ohne Chance auf den Ligaerhalt waren auch Servette (2013/7 Punkte Rückstand), Thun (2008/7), nochmals Servette (2005/12) und Vaduz (2009/13). Hinzu kam 2012 die Zwangsrelegation in die interregionale 2. Liga von Neuchâtel Xamax.

Diesen sieben spannungslosen Saisons stehen drei offene Duelle gegenüber. Aarau zog vor einem Jahr um einen Punkt den Kürzeren gegenüber Vaduz, gleich wie Schaffhausen 2007 gegenüber Aarau. Zwei Punkte Rückstand hatte 2010 Absteiger Aarau auf die neuntplatzierte AC Bellinzona.

Bleiben noch drei Saisons. Es sind die Saisons, in denen drei Mannschaften in einen ausgeglichenen Abstiegskampf involviert waren oder sind. Solches spielt sich alle fünf Jahre ab, als gäbe es dafür eine feste Gesetzmässigkeit. Im Frühling 2006 rettete sich Schaffhausen im 8. Rang mit 33 Punkten aufgrund der Tordifferenz vor dem punktgleichen Neuchâtel Xamax und dem nur einen Punkt zurückliegenden Direktabsteiger Yverdon. 2011 lagen die letzten drei am Ende der Meisterschaft erneut nur einen Punkt auseinander. Neuchâtel Xamax war mit 32 Punkten gerettet vor dem punktgleichen Bellinzona und Direktabsteiger St. Gallen (31 Punkte). Und jetzt also, weitere fünf Jahre später, könnte es ganz am Schluss abermals so knapp zu und her gehen.

Das Rennen könnte schon jetzt packender sein, wäre Schlusslicht Lugano nicht vor zwei Wochen in Sitten um den wahrscheinlichen Sieg geprellt worden. Es war das schiere Musterbeispiel einer Schlüsselszene, die für einen Klub über Erfolg oder Misserfolg einer ganzen Saison entscheiden kann. Luganos Grieche Anastasios Donis erzielte nach 84 Minuten das an sich reguläre Führungstor zum 2:1. Wegen einer scheinbaren Offsideposition wurde das Tor nicht anerkannt. Nach dem Gegenzug hiess es 2:1 für Sion. Der Verlust der zum Greifen nah gewesenen drei Punkte könnte den FC Lugano im Abstiegskampf, wie er sich jetzt ankündigt, sehr teuer zu stehen kommen.

Die Spiele vom Sonntag in der 32. Runde der Super League.

Lugano – Grasshoppers (bisherige Resultate in dieser Saison: 1:6, 4:1, 1:0). – 13.45 Uhr. – SR Amhof. – Absenzen: Anastasios Donis (gesperrt), Culina (verletzt) und Tosetti (rekonvaleszent); GC komplett. – Statistik: Lugano gegen GC ist eines der am wenigsten berechenbaren Duelle dieser Saison. Es fing letzten August mit einem 6:1-Heimsieg der Zürcher in einer Partie an, in der die Tessiner in der Verteidigung einen haarsträubenden Fehler um dem anderen machten und sich wie eine Schülermannschaft auseinandernehmen liessen. Keine vier Monate später war es umgekehrt: GC liess sich im Tessin mit einem 1:4 vorführen. Mitte März bedeutete ein 1:0-Auswärtssieg Luganos das einzige “normale” Resultat. Ob sie die Hoppers am Sonntag im eigenen Stadion erneut düpieren können, wird wohl auch davon abhängen, wie gut die Luganesi den verletzungsbedingten Ausfall ihres besten Goalgetters Antonini Culina kompensieren. Der Schütze von zehn Toren wird Lugano im ganzen Rest des Abstiegskampfs fehlen. GC hat zuletzt nicht aus seiner anhaltenden Baisse herausgefunden. Der einzige Sieg in den letzten sieben Spielen glückte den Zürchern mit einem 2:0 daheim gegen das seinerseits desolate St. Gallen.

Vaduz – Luzern (1:2, 1:1, 1:5). – 13.45 Uhr. – SR Erlachner. – Absenzen: Untersee, Fekete, Felfel und Kaufmann (alle verletzt); Affolter (gesperrt), Schachten und Sarr (verletzt). Fraglich: – ; Neumayr (Schleimbeutelentzündung). – Statistik: Vaduz hat unter den drei am meisten gefährdeten Mannschaften den besten Lauf mit zuletzt zwei Unentschieden und dem 3:1-Auswärtssieg beim Lieblingsgegner St. Gallen. Luzern seinerseits hat den katastrophalen Start ins Frühlingspensum – es fing mit fünf Niederlagen an – längst verdaut. Die Bilanz des FCL in den letzten acht Spielen lautet auf vier Siege und drei Remis bei nur noch einer Niederlage, einem unglücklichen 2:3 daheim gegen die Young Boys. Gleich nach dem ersten Aufstieg 2008 fügte Vaduz den Innerschweizern zwei Niederlagen zu, seither jedoch herrschen andere Verhältnisse. Der FCL holte aus neun Duellen mit den Liechtensteinern sechs Siege und drei Unentschieden.

Sion – Young Boys (1:3, 1:1, 2:3). – 16.00 Uhr. – SR Hameter (AUT). – Absenzen: Lacroix, Kouassi, Pa Modou und Adao (alle verletzt); Rochat, Benito, Wüthrich und Seferi (alle verletzt). Fraglich: -; Kubo (Oberschenkelverletzung). – Statistik: Das Hoch der Berner ist bemerkenswert. Hinter dem noch etwas besseren FC Basel sind sie mit zehn Siegen, zwei Unentschieden und nur einer Niederlage (0:2 in Basel) das beste Team der Liga in der Rückrunde. Zieht man nur die letzten elf Runden heran, ist YB mit 30 Punkten sogar erfolgreicher als der alte und neue Meister, der in dieser Phase achtmal gewann und dreimal remisierte. Auch Sion darf sich mit seiner Bilanz der letzten Wochen (vier Siege, zwei Niederlagen) sehen lassen. Die Walliser werden am Sonntag Rache nehmen wollen für die aus ihrer Sicht ungerechtfertigte 2:3-Niederlage Mitte März in Bern. Damals leistete sich Schiedsrichter Sascha Amhof nach einer Schwalbe von Miralem Sulejmani einen Fehlentscheid, der YB nach rund 70 Minuten einen Foulpenalty und das 2:2 einbrachte und zugleich die geprellten Sittener wegen der Roten Karte gegen Torhüter Andris Vanins zu Unrecht dezimierte. Für Sions Präsidenten Christian Constantin war es der Anlass zu einem weiteren Rundumschlag gegen Amhof im Speziellen, die Schiedsrichter und den Verband im Allgemeinen. Am Sonntag könnte die Stimmung im Tourbillon aufgeheizt sein. Sions Trainer Tholot, der sich damals in Bern stark aufgeregt hatte, spricht bewusst nicht mehr von dem Vorfall und stellte seine Mannschaft darauf ein, dass sie die Antwort am Sonntag ausschliesslich auf dem Platz gibt. Sion setzt alles daran, sich noch für die Europa League zu qualifizieren. “Wir haben noch fünf Spiele. Jedes davon ist ein Final”, sagt der Franzose.

Rangliste: 1. Basel 32/79 (84:30). 2. Young Boys 31/60 (66:40). 3. Grasshoppers 31/46 (62:51). 4. Sion 31/44 (45:41). 5. Luzern 31/41 (44:46). 6. Thun 32/38 (43:49). 7. St. Gallen 32/35 (36:56). 8. Zürich 32/30 (43:61). 9. Vaduz 31/29 (38:54). 10. Lugano 31/28 (38:71).

(SDA)


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