Dreikampf um Schilds Nachfolge

Heute wird der Nachfolger von Jörg Schild (Bild) als Swiss-Olympic-Präsident gewählt
Heute wird der Nachfolger von Jörg Schild (Bild) als Swiss-Olympic-Präsident gewählt © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Heute wird ein Nationalrat oder ein Sportfunktionär mit Vergangenheit bei Swiss Olympic als Nachfolger von Jörg Schild ins höchste Amt im Dachverband des Schweizer Sports gewählt.

Den Delegierten der 85 Mitgliedsverbände von Swiss Olympic stellen sich in Ittigen BE mit Werner Augsburger, dem Geschäftsführer von Swiss Volley, sowie den Bundesparlamentariern Martin Landolt (BDP) und Jürg Stahl (SVP) drei Kandidaten zur Wahl als neuer Swiss-Olympic-Präsident.

Jener Kandidat, den der abtretende Präsident Jörg Schild favorisiert, figuriert nicht auf der Wahlliste. «Ich stehe offen dazu, dass ich mich am Anfang engagiert habe, Franz Julen für den Job zu gewinnen», sagte der ehemalige Basler Regierungsrat, der heuer das 70. Altersjahr erreicht hat und deshalb nach elf Jahren im Amt aus Altersgründen nicht mehr zur Wiederwahl antreten kann, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Der Walliser Franz Julen, Bruder des Riesenslalom-Olympiasiegers Max Julen, ist seit 2000 und bis Ende Jahr Chef der Sporthandelskette Intersport. Er sagte ab.

Als einziger Kandidat verfügt der vom Volleyball-Verband zur Wahl vorgeschlagene Werner Augsburger über weitreichende Erfahrung als Spitzensportfunktionär. Der 57-jährige Walliser blickt unter anderem auf eine zehnjährige Tätigkeit für Swiss Olympic zurück. Sein Abgang beim Dachverband des Schweizer Sports im Frühling 2009 war jedoch unfreiwillig und von Misstönen begleitet.

Zur Trennung war es damals aufgrund von Differenzen zwischen ihm und dem damaligen CEO Marc-André Giger gekommen. Augsburger wurde in seiner Eigenschaft als Abteilungsleiter Sport als einer der «Hauptschuldigen» für eine Budgetüberschreitung um 1,8 Mio. Franken verantwortlich gemacht. Der breiten Sport-Öffentlichkeit bekannt ist Augsburger als ehemaliger Chef de Mission. 2004, 2006 und 2008 führte er erfolgreich die Schweizer Delegation an den Olympischen Spielen an und gilt nicht zuletzt deshalb als gut in der Sportwelt vernetzt.

Zu den Gegenkandidaten Augsburgers gehören mit Martin Landolt und Jürg Stahl zwei Nationalräte. Seit Mai 2012 ist der Glarner Landolt Präsident der BDP Schweiz. Verbindungen zum Sport hat der 48-Jährige über den neunfachen Schweizer Volleyball-Meister Näfels, dem er als Präsident vorsteht. Zudem ist der eidgenössisch diplomierte Betriebsökonom Vorstandsmitglied der Parlamentarischen Gruppe Sport. Vorgeschlagen zur Wahl wird Landolt von Swiss Sliding, der Dachorganisation der Schweizerischen Bob-, Skeleton- und Schlittelverbände. Seit drei Jahren ist er beruflich selbstständig. Seine Firma erbringt Beratungsdienstleistungen für Unternehmen, Verbände und Institutionen.

Zu Beginn der Wintersession, drei Tage nach der Versammlung des Sportparlaments, wird Jürg Stahl zum Nationalratspräsidenten gewählt. Der 48-jährige Winterthurer sitzt seit 1999 für die SVP in der grossen Kammer des Schweizer Parlaments und steht der parlamentarischen Gruppe Sport vor. Seit 2004 arbeitet der eidgenössisch diplomierte Drogist als Direktionsmitglied der Groupe Mutuel Versicherungen. Seit 2008 ist Stahl, der vom Schweizer Turnverband für das Präsidium vorgeschlagen wird, Mitglied des Exekutivrats von Swiss Olympic. 2014 war er Kampfrichter an der Leichtathletik-EM in Zürich.

Landolt und Stahl sind jene Kandidaten, die von einer von Swiss Olympic eingesetzten Findungskommission im Sommer als «besonders geeignet» bezeichnet wurden, um das Amt des Präsidenten des Exekutivrats auszuüben. Der Findungskommission gehörten neben dem Vorsitzenden René Stammbach (Präsident von Swiss Tennis) die Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer Wyss, Evelyne Thalmann (CEO Experts for Leaders AG, Zürich) und Swiss-Olympic-Vizepräsident Urs Winkler an. Nach Assessments mit insgesamt acht Personen sprach sich das vierköpfige Gremium neben Landolt und Stahl auch für Max Peter aus. Der Präsident des Stiftungsrats der Schweizer Sporthilfe zog seine Kandidatur jedoch wenige Wochen später zurück.

Die Tatsache, dass von der Findungskommission weder Augsburger noch ein anderer Kandidat mit Erfahrung aus dem Spitzensport respektive der professionellen Sportadministration vorgeschlagen wurde, sorgte da und dort für Kritik. Die Findungskommission machte mit ihrer Empfehlung deutlich, dass sie die politische und wirtschaftliche Komponente stärker gewichtet, und verwies damit implizit auf die Tatsache, dass die benötigten finanziellen Mittel von der Politik kommen, nicht nur aus dem Sport selbst.

Vergangene Woche zog der Rechtsanwalt und Notar Franz Stämpfli, der vom Schweizer Schiesssportverband (SSV) portiert worden war, seine Kandidatur zurück. Der SSV-Vorstand unterstützt nun Jürg Stahl, dem nicht erst seither die besten Wahlchancen aller drei Kandidaten attestiert werden. Für die mit 85’000 Franken dotierte 40-Prozent-Stelle ein klarer Favorit auszumachen ist gleichwohl nicht einfach. Je nach Ausgang des ersten Wahlgangs und dem Ausscheiden des ersten Kandidaten werden die Karten vor der finalen Wahlrunde neu gemischt.

(SDA)


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