«Du sollst an Sperma ertrinken»

Von Sandro Zulian
Die Grabenhalle in St.Gallen lud den Rapper Flows Powers wieder aus.
Die Grabenhalle in St.Gallen lud den Rapper Flows Powers wieder aus. © grabenhalle.ch
Der St.Galler Rapper Flows Powers sollte Ende März in der Grabenhalle in St.Gallen ein Konzert geben. Das Kollektiv der Halle lud den Rapper aufgrund seiner niveaulosen Texte wieder aus. Auf Facebook zielen die Kommentare nun tief unter die Gürtellinie.

«Knäck, du Huresohn», rappt Flows Powers in einem seiner neusten Musikvideos. Der St.Galler macht keinen Hehl daraus, dass er den Berner Rapper und dass er gewisse Menschen nicht ausstehen kann, und geigt ihnen in fadegradem St.Gallerdeutsch seine Meinung. Im gleichen Song finden sich auch Textpassagen wie «Figg di, mir wichsed uf dini Fründin im Kreis» und «Während ich ihre id Fresse wichse, gseht me di brüelend im Egge sitze». Die Texte sind geprägt von Gewaltverherrlichung und der Herabstufung der Frau auf ein sexualisiertes Objekt. Respekt findet man in den Werken von Flows Powers kaum.

Der Name, der sich hinter diesen Texten verbirgt, lautet Florian Ukgjini. Flows Powers bürgerlicher Name. Kürzlich hat er eine neue Hassfigur gefunden: Die St.Galler Grabenhalle und das dazugehörige Kollektiv.

Ausführliches E-Mail

Flows Powers sollte am 31. März als Support-Act des Frankfurter Rappers Azad auftreten. Daraus wurde allerdings nichts, wie das Grabenhallen-Kollektiv dem St.Galler Rapper mitteilt. Nach einer Entschuldigung für die Absage, begründet Sascha im Namen des Grabenhalle-Kollektivs die kurzfristige Ausladung in einem ausführlichen E-Mail. Für das Kollektiv des Veranstaltungsortes ist klar: «Durch fast sämtliche Texte des St.Galler Rappers ziehen sich frauenverachtende, sexistische und gewaltverherrlichende Inhalte. Diese reichen von einfachen Ausdrücken bis hin zu konkreten Gewaltphantasien.» Dies sei mit dem Manifest der Grabenhalle nicht vereinbar.

Nur Provokation statt Argumentation

Das Bild der Frau als verfügbares, sexualisiertes Objekt findet sich in vielen Texten des St.Gallers. Dass raue Sprache im Rap gerne als Stilmittel benutzt wird, um auf konkrete gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen, wird von den Verantwortlichen der Grabenhalle ebenfalls angesprochen: «Es gibt durchaus KünstlerInnen, die das Stilmittel der Provokation und der Persiflage bewusst einsetzen, um auf konkrete Missstände, wie beispielsweise sexualisierte Gewalt gegen Frauen, aufmerksam zu machen.»

Bei Flows Powers erkenne man aber nicht den Hauch einer Absicht, sich kritisch mit diesen Problemen auseinanderzusetzen. Das Kollektiv kommt zum Schluss: «Eine Persiflage verliert dann ihre Wirkung, wenn man sie dem Künstler, der sie benutzt, nicht mehr abnimmt.» Weiter will die Grabenhalle zum Sachverhalt nichts sagen: «Wir haben unseren, in der Betriebsgruppe kollektiv getroffenen Entscheid, hinreichend begründet», heisst es auf Anfrage.

«Sascha du Huresohn. Huresohn, Huresohn, Huresohn»

Flows Powers reagiert auf das E-Mail und zeigt, wie viel ihm an differenzierter Argumentation liegt: Er lädt verschiedene, kurze Videos auf Facebook und versieht diese mit dem Hashtag #saschaduhuresohn. Auf Social Media beklagt sich Florian Ukgjini darüber, dass ihm als Künstler der Kulturraum genommen würde, lamentiert über vermeintliche Zensur und über den Staat und den Kanton, die ihn schlecht behandeln würden. Um seiner Argumentation mehr Kraft zu verleihen, postet er sexistische und gewaltverherrlichende Aussagen von bekannten Rap-Künstlern aus Deutschland und den USA. Das ganze toppt er mit einem Video, in dem er das Wort «Hurensohn» und den Namen «Sascha» abwechslungsweise immer wiederholt.

Kommentator arbeitet bei «Uslender Productions»

Wer jetzt denkt, dass das Niveau nicht noch weiter in den Keller rasen kann, hat sich geirrt. «Auf den Vorwurf, dass meine Texte sexistisch und gewaltverherrlichend seien, würde ich gerne mit einem Zitat von Gerhard Blocher antworten: ‹Ja, und jetzt?›», schreibt Flows Powers. Als er sich auf Facebook mit dem berühmten US-Rapper Eazy-E vergleicht und dessen Texte als sexistisch hervorhebt, meldet sich eine junge Frau aus St.Gallen kritisch. Was ihr danach entgegenschlägt, ist an Sexismus und Gewalt kaum mehr zu überbieten: «Du siehst nicht nur aus wie eine Missgeburt, du bist auch eine», schreibt ein Baba-Uslender-Mitglied. Die Frau weiss sich zu wehren und bietet mal für mal Paroli.

Er doppelt nach: «Klugscheisserschlampe solltest an Sperma ertrinken du verdammte Scheiss-Feministin.» Damit nicht genug: «Die ganze linke Bande braucht einfach mal einen richtigen Schwanz, der sie durchfickt. Vielleicht laufen sie dann weniger depressiv herum», schreibt jemand.

Screenshot: Facebook/FlorPowers

Des Weiteren muss sich die junge Frau einen Schwall von Anfeindungen gefallen lassen. Viele der aggressiven Kommentare zielen dabei auf ihr Geschlecht, auf ihr Aussehen und auf ihre politische Gesinnung. Nach zig Kommentaren, mal angriffslustig, mal verständnisvoll, ist auch die junge Frau am Ende mit ihrer Geduld. Sie verabschiedet sich mit einem Gähn-Gif. Das Grabenhallen-Kollektiv dürfte sich in seiner Entscheidung, den St.Galler Rapper nicht auftreten zu lassen, bestätigt sehen.


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