Dürrenmatts Tochter gab sich als Kind als Chinesin aus

Ruth Dürrenmatt (M) mit der Regisseurin Sabine Gisiger (l), die den Film "Dürrenmatt - eine Liebesgeschichte" gedreht hat, auf dem Zurich Film Festival (Archiv).
Ruth Dürrenmatt (M) mit der Regisseurin Sabine Gisiger (l), die den Film "Dürrenmatt - eine Liebesgeschichte" gedreht hat, auf dem Zurich Film Festival (Archiv). © /KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Dass Kinder unter der Prominenz der Väter leiden, ist nicht neu. Bei Friedrich Dürrenmatts Tochter Ruth war es aber besonders schlimm. Es ging soweit, dass sie in der Schule behauptete, ihr richtiger Vater sei Chinese. Trotzdem wurde sie als “Bonzentochter” gehänselt.

Das lag an dem protzigen Ami-Schlitten, mit dem der Schweizer Nationaldichter das “Ruthli” manchmal zur Schule fuhr. Dass das Mädchen an Legasthenie litt, machte die Sache noch schlimmer. Einmal sei sie von der ganzen Klasse verprügelt worden, erzählte die 64-Jährige der “Schweizer Illustrierten”.

Ruths Leseschwäche begegnete der Vater mit Gnadenlosigkeit: Sobald sie in die erste Klasse ging, stellte er das Vorlesen ein und sagte, sie müsse nun selber lesen.

“Das habe ich als Liebesentzug empfunden”, sagt die studierte Opernsängerin, “das war schmerzhaft”. Aber es kam noch schlimmer: Als sie in der vierten Klasse die Monate noch nicht in der richtigen Reihenfolge aufsagen konnte, ohrfeigte der Vater sie.

Im Gespräch behauptet Ruth Dürrenmatt, sie habe auch schöne Erinnerungen an den Vater. Viele werden es wohl nicht sein: Gemäss “Schweizer Illustrierte” hat sie kein einziges Foto, kein Gemälde und kein Andenken an ihren Vater in ihrer Wohnung im Berner Länggass-Quartier. Und Geld hat die vermeintliche “Bonzentochter” nach eigenen Angaben auch keins geerbt.

(SDA)


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