Echt jetzt? Die unnötigsten Plastikverpackungen

Von Katerina Mistakidis
Andrea Milne postete dieses Foto der eingeschweissten Kartoffeln im Februar 2016 bei Facebook.
Andrea Milne postete dieses Foto der eingeschweissten Kartoffeln im Februar 2016 bei Facebook. © www.facebook.com/andrea.milne.39
Das Phänomen ist nicht neu. Bereits vor Jahren sorgten geschälte Bananen, die verpackt in Plastikschalen im Laden angeboten wurden, für einen Shitstorm. Geändert hat sich seit damals – nichts. Ausser, dass gefühlt immer mehr Lebensmittel in Plastikverpackungen angeboten werden. Auch solche, die schon von Natur aus “verpackt” wären. Wir haben die absurdesten gesammelt und gelernt; gewisse Plastikverpackungen sollen der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken.

In Plastikfolie eingeschweisste Gurken, Salate im Plastiksack und Tomaten in der Plastikschale mit Plastikfolie eingehüllt. Manchmal kommt beim Gemüse-Einkauf das Gefühl auf, man stünde in der Plastikabteilung. Mit Säckli und Folie wollen die Grossverteiler die Ware vor Verletzung beim Transport, Lichteinfluss im Lager oder “Tööpli”-Kunden schützen.

“Beim Salat schützt die Plastikverpackung vor dem Austrocknen. So gibt es weniger Verluste in der Filiale und beim Konsumenten und somit weniger Nahrungsmittelverschwendung”, sagt Christian Possa, Projektleiter Kommunikation der Migros Ostschweiz.

Das “Gurkenkondom”

Die Schutzfunktion der Plastikfolie wird von Coop und Migros besonders bei Importware geschätzt. Schweizer Gurken werden aber ohne Plastik angeboten, die Konsumenten wählen somit aus, ob sie Importware in Plastik oder heimische Ware ohne Plastik kaufen wollen. “Wo immer möglich, versuchen wir die Verpackung wegzulassen. So verkaufen wir seit einiger Zeit rohe Randen unverpackt, vorher waren sie in Plastik eingeschweisst”, heisst es bei Coop auf Anfrage von FM1Today.

“Es ist immer ein Abwägen. In Ökobilanzen schliessen die dünnen leichten Folienverpackungen meist besser ab als zum Beispiel Kartonschalen. Eine Verpackung muss das Produkt auch optimal schützen. Gerade wenn viel Feuchtigkeit im Spiel ist, könnten zum Beispiel nur Papier- oder Kartonverpackungen mit entsprechenden Beschichtungen und Nassfestmitteln zum Einsatz kommen. Diese sind keineswegs ökologischer als die Plastikfolien”, sagt Coop-Mediensprecherin Nadja Ruch.

Trend zum Offenverkauf

In den Filialen werden oft beide Möglichkeiten angeboten. Zum Beispiel Rispentomaten in Plastik oder im Offenverkauf. Letztendlich liegt die Entscheidung bei den Konsumenten. Kaufen wir in Plastik verpackte Ware oder lassen wir sie im Regal.

Die beiden Mediensprecher von Migros und Coop verneinen, dass in den Filialen immer mehr Früchte und Gemüse in Plastik angeboten werden. Der Trend gehe, wo immer möglich, zum Offenverkauf. “Rüebli und Kartoffeln beispielsweise werden im Normalfall gewaschen und geschält und eignen sich daher besser für den Offenverkauf, wo Kundinnen und Kunden selber auswählen können”, erklärt Christian Posse von der Migros Ostschweiz die Tatsache, dass gewisse Produkte praktisch immer offen angeboten werden.

Ganz anders sieht es in Amerika aus. Hier treiben die Plastikverpackungen die wildesten Blüten. Es werden nicht nur Orangen mit Schale in Plastikfolie angeboten, hier gibt es auch geschälte Orangen in Plastikbechern. Amerika, also bitte…

 

Ungeschälte Kartoffeln in Plastikfolie

Immer wieder tauchen in Sozialen Medien Fotos von neuen Plastikverpackungen auf. Etwa ungeschälte Kartoffeln, einzeln in Plastikfolie eingeschweisst. Laut der Firma Dole Food, weltweit der grösste Anbieter von frischem Gemüse, hat die Plastikfolie aber auch hier einen Sinn. Sie soll die “Easy-Baker potatoes” schon nach wenigen Minuten in der Mikrowelle schmecken lassen, als seien sie im Ofen gegart. Aha? Ob sie nicht eher nach Plastik schmecken? Die eingeschweissten Kartoffeln gehören jedenfalls in unsere Sammlung mit den absurdesten Plastikverpackungen.


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