Egnach verschenkt ein Schulzimmer

Von Fabienne Engbers
Die Gemeinde Egnach hat ein neues Sekundarschulhaus. Der Pavillon wird deshalb gratis abgegeben.
Die Gemeinde Egnach hat ein neues Sekundarschulhaus. Der Pavillon wird deshalb gratis abgegeben. © FM1Today/Fabienne Engbers
Die Schüler der Gemeinde Egnach sind im Sommer in ein nigelnagelneues Schulhaus gezogen. Das alte Sekschulhaus ist seitdem verlassen und wartet auf eine neue Aufgabe. Ein Teil davon wird nun verschenkt – inklusive Wandtafel und WC-Papier.

Gepfadet wird hier nicht mehr, schliesslich gehen die Schüler seit August 200 Meter weiter unten zur Schule. Verlassen liegen die drei Schulhäuser im Gristenbühl da, nur eine Katze streicht um unsere Beine. Eines der drei Gebäude, der Pavillon, wurde vor rund 15 Jahren als Provisorium gebaut und sucht nun ein neues Zuhause. Wer sich unter Pavillon jetzt eine Art Zelt oder einen Container vorstellt, der einfach abzubauen ist, der hat weit gefehlt. Der Pavillon ist ein fixes Gebäude, mit sanitären Anlagen, einer Heizung, einem Holzboden und Stromleitungen darin.

Pavillon wird verschenkt

«Der Pavillon ist nun schon etwas älter und man würde wohl nicht mehr viel Geld dafür bekommen. Wenn wir ihn gratis abgeben, dann macht vielleicht noch jemand etwas zweckmässiges und schlaues draus», sagt Stephan Tobler, Gemeindepräsident der Gemeinde Egnach. Der Bau des Pavillons hat damals rund 15’000 Franken gekostet. Der Rückbau und die Entsorgung des Schulzimmers würde die Gemeinde ungefähr 10’000 Franken kosten, da ist die Schenkung an Interessierte definitiv günstiger.

2003 wurde der Pavillon nach diesen Plänen gebaut. (Bild: Gemeinde Egnach)

2003 wurde der Pavillon nach diesen Plänen gebaut. (Bild: Gemeinde Egnach)

Schulzimmer muss abgeholt werden

Wer den Pavillon haben will, muss dafür ein wenig Aufwand betreiben. So muss man ihn selbst im Gristenbühl abholen und das Gebäude abbauen. Allerdings steht der Pavillon auf einem Fundament, es hat ganz normale Fenster, eine Heizung und einen Holzboden darin. Mit all den Leitungen, die eingezogen sind, könnte das ein aufwändiges Vorhaben werden. «Der Pavillon wird nicht zum ersten Mal verschoben, wir haben ihn schon gebraucht übernommen», weiss Tobler. «Es braucht sicherlich einen Fachmann, aber wenn man ein wenig Ahnung davon hat, kann man den Pavillon mit ein paar Handwerkern abbauen. Was man vor allem braucht, ist ein Lastwagen, mit dem man den zerlegten Pavillon an seinen neuen Ort transportieren kann.»

Die Wandtafel gibt’s inklusive

«So wie er jetzt hier steht, darf man ihn mitnehmen», sagt Stephan Tobler. Dabei steht der Pavillon noch nicht ganz leer. Eine fixfertige Garderobe, eine Wandtafel, zwei Regale, ein Feuerlöscher und zwei Rollen Klopapier werden dem Nachfolger vermacht. «Das gehört zum Pavillon dazu und ist inklusive», lacht Stephan Tobler.

Das WC inklusive WC-Rollen gibt's auch gratis zum Pavillon dazu. (Bild: FM1Today/Fabienne Engbers)

Das WC inklusive WC-Rollen gibt’s auch gratis zum Pavillon dazu. (Bild: FM1Today/Fabienne Engbers)

Gristenbühl befindet sich im Umbruch

In Neukirch bleiben und einem anderen Zweck dienen darf der Pavillon nicht. «Die Baubewilligung ist abgelaufen», sagt Stephan Tobler. Ausserdem plant die Gemeinde die Umnutzung des Geländes. Das neue Sekschulhaus wurde diesen Sommer im Dorf eingeweiht, die drei alten Gebäude stehen verlassen auf dem Gristenbühl. Das älteste Schulhaus steht unter Denkmalschutz, der Pavillon und das neuere Schulhaus sollen weg. «Wir stimmen im Mai darüber ab, ob dort Wohnungen gebaut werden, oder einfach eine Wiese hinkommt», sagt der Gemeindepräsident.

«Den kann man nutzen, wie man will»

Ob das alte Schulzimmer an seinem neuen Platz wieder als Bildungsstätte dient oder einen anderen Zweck annimmt, ist dem Gemeindepräsident egal. «Wir lassen dem potentiellen neuen Besitzer alle Türen offen. Der Pavillon ist allerdings nicht sehr gut isoliert, vor allem im Sommer wird es ganz schön heiss darin», sagt Stephan Tobler. «Ich persönlich kann mir den Pavillon gut vorstellen als Werkstatt oder als Schulungsraum.»

Herisau wäre froh um den Platz

Anfragen sind bei der Gemeinde bis heute noch keine eingegangen. «Wir haben das Inserat aber erst am Freitag veröffentlicht», sagt Stephan Tobler. Was die einen los werden wollen, wird bei anderen dringend gebraucht. In der Schule Herisau werde der Platz in zwei Jahren knapp, sagt Michael Häberli, Schulleiter der Schulgemeinde Herisau. Weil dies aber noch weit weg sei, komme der Pavillon aus Egnach wahrscheinlich nicht in Frage. Man werde dies genauer abklären.


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