Egnacher Gratis-Schulzimmer kommt nach Bürglen

Von Stephanie Martina
Im Winter teilte die Gemeinde Egnach mit, dass sie den Pavillon verschenken will
Im Winter teilte die Gemeinde Egnach mit, dass sie den Pavillon verschenken will © FM1Today/Fabienne Engbers
Im Januar verkündete die Gemeinde Egnach in ihrem Gemeindeblättli, dass sie ein Schulzimmer verschenke. Nun wurde ein Abnehmer gefunden: Die Musikgesellschaft Bürglen holt den Pavillon ab, um ihn als Proberaum zu nutzen.

Seit die Schüler der Sekundarschule Egnach in ein neues Schulhaus umgezogen sind, stand der Pavillon leer. Deshalb suchte die Gemeinde für das vor rund 15 Jahren als Provisorium gebaute Schulzimmer einen Abnehmer. Dieser wurde nun gefunden: Die Musikgesellschaft Bürglen möchte den Pavillon künftig als Proberaum nutzen. Für die Musikgesellschaft ist das Provisorium aus Egnach die Chance, ihren eigenen provisorischen Proberaum im Werkhof der Gemeinde endlich aufzugeben.

«Für uns bedeutet der Pavillon neue Freiheiten, ganz andere Möglichkeiten und flexiblere Proben je nach Auftritten», erklärt Roland Brand, Vizepräsident der Musikgesellschaft Bürglen. Bisher habe man im Werkhof geprobt. Doch dieser werde von vielen anderen Vereinen ebenfalls benutzt und ausserdem brauche das Militär den Platz während mehrerer Wochen pro Jahr. «Während dieser Zeit hat das Militär Vorrang und wir müssen uns hinten anstellen. Ein eigener Proberaum bringt den Vorteil, dass wir ihn 365 Tage im Jahr nutzen können, wie und wann wir möchten», sagt Brand.

Noch fehlt der Musikgesellschaft jedoch ein geeigneter Standort. Brand zeigt sich jedoch optimistisch: «In Bürglen gibt es noch ein paar freie Fleckchen. Wir sind nun dabei, mit den Grundeigentümern zu sprechen, sodass der Pavillon spätestens im Herbst abgeholt werden kann.» Zudem sei die Bauverwalterin von Bürglen Mitglied im Musikverein, weshalb genügend Fachwissen vorhanden sei.

Viele Interessenten, wenig Konkretes

Für die Gemeinde Egnach ist diese Lösung ideal: «Der Pavillon soll dort genutzt werden, wo man ihn effizient einsetzen kann. Diese Lösung erscheint uns deshalb sinnvoll», sagt Stephan Tobler, Gemeindepräsident von Egnach. Dass der Pavillon damit Egnach nach 15 Jahren verlässt, bedauert Tobler nicht. Zwar hätten einige lokale Vereine erstes Interesse am Schulhaus-Provisorium geäussert, allerdings sei keine schriftliche Bewerbung eingegangen. Nur ein Interessent hätte sich schriftlich beworben: die Musiker aus Bürglen. «Die Musikgesellschaft konnte uns als einzige ein Konzept aufzeigen, wie sie den Pavillon, der eine Fläche von rund zwei Einfamilienhäusern einnimmt, holen möchte», sagt Tobler.

An Interessenten für das Schulhaus-Provisorium hätte es nicht gemangelt. Viele hätten sich per Mail erkundigt, ob der Pavillon noch zu haben sei und mindestens 25 potentielle Abnehmer hätten an einer Besichtigung teilgenommen. «Aber ich glaube, die Wenigsten haben begriffen, mit welchem Aufwand die Verschiebung des Provisoriums verbunden ist. Deshalb haben wir am Ende die einzige Anfrage berücksichtigt, bei der wir das Gefühl hatten, dass die Interessenten wissen, was auf sie zukommt, wenn sie den Pavillon übernehmen.»

Win-Win-Situation

Wann der Pavillon inklusive Toilette, Garderobe und Gruppenraum die rund 17 Kilometer von Egnach nach Bürglen transportiert werden soll, sei derzeit noch offen. Am 21. Mai stimmt die Egnacher Stimmbevölkerung darüber ab, was mit dem Schulareal passiert. Bis dahin hätte die Musikgesellschaft sicher Zeit, den Pavillon abzuholen. «Wenn das Areal verkauft werden soll, beginnt danach ein Gestaltungsplanverfahren, das auch seine Zeit dauern wird. Wir drängen die Bürgler deshalb nicht. Es ging nun einfach mal darum, zu entscheiden, wer den Pavillon bekommt, damit die neuen Eigentümer in Ruhe planen können», erklärt Tobler.

Hätte niemand das ehemalige Schulzimmer übernommen, hätte die Gemeinde Egnach das Gebäude entsorgen müssen, was rund 10’000 Franken gekostet hätte. Nun kann die Gemeinde die Kosten sparen und der Pavillon erhält einen neuen Zweck. Dank ihm gehören die Platzprobleme der Musikgesellschaft Bürglen der Vergangenheit an. Nun fehlt dem Verein nur noch eines: ein neuer Präsident.


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