Ein königlicher Beinbruch erzürnt die Schweiz

Hamad Bin Khalifa al-Thani, ehemaliger Emir, geht es nach der OP gut.
Hamad Bin Khalifa al-Thani, ehemaliger Emir, geht es nach der OP gut. © EPA/STRINGER
Dem ehemaligen Emir von Katar geht es nach Operation an der linken Hüfte “sehr gut”. Weniger gut geht es einigen Zürcher Politikern: Das Aufheben der Nachtruhesperre wegen eines Beinbruchs ist für sie ein Skandal.

Gleich drei Flugzeuge der katarischen Königsfamilien landeten am Samstag während der nächtlichen Ruhesperre auf dem Flughafen Zürich. Die erste Maschine – ein Airbus aus dem marokkanischen Marrakesch – setzte um 0.30 Uhr auf, zwei weitere Maschinen aus Doha trafen um 5 Uhr und 5.15 Uhr ein.

Der Fall hat im In- und Ausland für Aufsehen gesorgt – vor allem, seit bekannt ist, dass sich der ehemalige Emir von Katar lediglich ein Beinbruch zugezogen hat. Viele Bürger fragen sich, ob dies schon reiche, um die Nachtruhe Tausender Menschen zu stören.

Kritik an die Luftwaffe

Nun kassiert die Schweizer Luftwaffe heftige Kritik für den Vorfall. Sie hatte in der Nacht auf den Stephanstag den drei Flugzeugen der Königsfamilie eine Ausnahmebewilligung wegen des medizinischen Notfalls erteilt. Kommentieren will sie den Vorfall jedoch nicht, sie hüllt sich in Schweigen. Das ärgert etwa Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Präsident des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen Zürich.

Die Luftwaffe nenne keinen Grund für ihre Erlaubnis, weil sie keine gescheite Begründung habe, sagte er gegenüber dem Tagesanzeiger. Er gehe davon aus, dass die Luftwaffe im vorauseilenden Gehorsam gehandelt habe. Offenbar mache man für Emire alles. Hardegger spricht von einem Skandal.

“Die absolute Höhe”

Er ist nicht der einzige Politiker. In der NZZ benützt Priska Seiler Graf, SP-Nationalrätin und Stadträtin von Kloten, die gleichen Worte. Sie sei selber wegen der drei Flugzeuge erwacht. Sie habe nichts gegen medizinische Notflüge, aber wenn dann gleich drei grosse Jets wegen eines Beinbruchs mitten in der Nacht in Zürich landen, “ist das absolut die Höhe.”

Weiter sagte sie der NZZ, die Bewilligungen hätten nie erteilt werden dürfen. Es mache den Anschein, dass wegen eines reichen Mannes die Nachtruhe von Zehntausenden plötzlich nichts mehr wert sei. Die Präsidentin des Dachverbands Fluglärmschutz will nun abklären, warum überhaupt die Luftwaffe über Flüge der zivilen Luftfahrt entscheide.

Den ehemaligen Emir dürfte dies nicht weiter interessieren. Ihm geht es nach der Operation an der linken Hüfte nach Angaben der behandelnden Zürcher Klinik Schulthess “sehr gut”. Den Beinbruch hatte er sich während seiner Ferien in Marokko zugezogen.

(red)

 


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