Ein-Brauen-Frauen in Tadschikistan

Ein-Brauen-Frauen in Tadschikistan
© An der Miss World-Wahl wird die schönste Frau der Welt bestimmt. Doch die Geschmäcker sind weltweit unterschiedlich. (EPA/ANDY RAIN/KEYSTONE)
Eine US-amerikanische Studie hat kürzlich bewiesen, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Es gibt keine Standards. Trotzdem scheint die ganze Welt dem europäischen Modell nachzueifern. Mit wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel Tadschikistan, wo eine Monobraue noch immer als Schönheitsideal gilt.


Schlanke, lange Beine, eine leichte Bräune, Jugendlichkeit, Masse: 90-60-90. Das ist das Schönheitsideal, das die Mode und Hollywood vorgibt. Viele Frauen streben dem mit eiserner Fitness und Diätwahn nach, wobei gerade Fitness immer wichtiger wird: Laut der deutschen Zeitung “Die Welt” ist die athletische Frau das neue Schönheitsideal hierzulande.

Schlank symbolisiert laut Psychologen Disziplin und Leistungsbereitschaft, hingegen wird dick eher als faul und träge empfunden. Dem war nicht immer so: Im 17. und 18. Jahrhundert waren eher mollige Frauen gefragt, da sie Reichtum und Gesundheit ausstrahlten.

Die Schauspielerin Monica Bellucci, zur Zeit in aller Munde wegen dem neuen Bond-Film, gilt als klassische Schönheit, auch wenn sie ihre Jugend schon länger hinter sich hat. (AP Photo/Abraham Caro Marin/KEYSTONE)

Die Schauspielerin Monica Bellucci, zur Zeit in aller Munde wegen dem neuen Bond-Film, gilt als klassische Schönheit, auch wenn sie ihre Jugend schon länger hinter sich hat. (AP Photo/Abraham Caro Marin/KEYSTONE)

Mondgesichter aus Persien

Die persische Poesie ist voll von Liebesgedichten und Anbetung an die Schöne. Dicke Wangen werden ab dem 5. Jahrhundert in Persien lobgepriesen, das „Mondgesicht“ ist die Idealform für ein schönes Antlitz. Auch schmale Lippen sind beliebt und die Locke oder das Muttermal werden immer wieder als Details erwähnt.

Neben der Augenbraue sind lange Augenwimpern fundamental, damit eine Frau als schön empfunden wird. Auf Persisch ist das Wort Augenwimper auch ein Vorname (“Moschgan”). Er gilt als ehrenvoll und hat auch die Bedeutung von „scharfsinnig, schlau“.

In Europa ist die Bezeichnung "Mondgesicht" nicht wirklich positiv. (Bild: taz.blog.de)

In Europa ist die Bezeichnung “Mondgesicht” nicht wirklich positiv. (Bild: taz.blog.de)

Das Schönheitsideal hat sich im Iran über die Jahrhunderte geändert. Wie in anderen Ländern prägen westliche Standards das heutige Schönheitsideal. Schönheitsoperationen im Nasenbereich sind mittlerweile nicht mehr nur in der Oberschicht weit verbreitet.

Den Iranerinnen und wohlbemerkt auch vielen Iranern gefallen ihre eher prägnanten Nasen nicht mehr. Laut dem iranischen Rhinologie-Verband werden jährlich offiziell 100‘000 Nasenoperationen durchgeführt. Das war der Stand 2011. Heute sind es mehr, zudem rechnen die Experten mit einer grossen Dunkelziffer.

So sehen die frisch operierten Iranerinnen aus. (Bild: jetsettimes.com)

Das Resultat kann im schlimmsten Fall so rauskommen. (Bild: iranpoliticsclub.net)

Das Resultat kann im Extremfall so rauskommen. (Bild: iranpoliticsclub.net)

Laut dem US-Verband der plastischen Chirurgie ist Iran damit auf Platz Nummer 1 weltweit. Brustoperationen, Lippen aufspritzen sowie die Wangenknochen erhöhen sind weitere häufige operative Eingriffe in der islamischen Republik. Die Nasenkorrekturen sind übrigens hochoffiziell legitimiert von den schiitischen Geistlichen (Ayatollahs), die das Land de facto regieren. In vielen Fatwas (religiöse Gutachten im Islam) wird laut dem libanesischen Islamexperten Djwad Akbrein betont, dass Gott schön sei und Schönheit somit erstrebenswert.

Deshalb sind operative Eingriffe für die religiösen Oberhäupter empfehlenswert.

Werbung auf einer iranischen Website für eine Creme, die die Nase verkleinern soll. (iranjournal.org)

Werbung auf einer iranischen Website für eine Creme, die die Nase verkleinern soll. (iranjournal.org)

Augenbraue in Tadschikistan

In einigen zentralasiatischen Ländern wie Tadschikistan ist eine durchgezogene Augenbraue Haupt-Schönheitssymbol für eine Frau. Man sieht Frauen in allen Altersklassen mit Monobrauen, oder wie sie medizinisch genannt wird: Synophrys. Für Frauen hierzulande ist Synophrys ein Leiden, in Tadschikistan helfen Frauen mit einer Art Henna nach, damit die Augenbrauen zu einer einzigen zusammenwachsen. Sie finden‘s einfach schön.

Eine tadschikische Frau mit nachgezogener Monobraue. (pinterest.com)

Eine tadschikische Frau mit nachgezogener Monobraue. (pinterest.com)

Man sieht die Ein-Brauen-Frauen vermehrt in ländlichen Gebieten, aber auch in Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Die Frage, wieso es denn den Frauen gefällt, wäre vergleichbar mit der, wieso Frauen hierzulande ihre Nägel lackieren.

(globalpost.com)

Auch die Ausstellpuppen sind in Tadschikistan dem Schönheitsideal angepasst. (globalpost.com)

Po-Implantate in Brasilien

Was die Augenwimper für Persien war, ist der Hintern für Brasilien: Dass sich Brasilianerinnen aus Schönheitsgründen ihre Pos mit Implantaten vergrössern, ist nichts Neues. Wir kennen mittlerweile die Bilder von Frauen mit übergrossen Hintern, die die Frage aufkommen lassen, wie diese Ladies das Gleichgewicht halten.

Die Brasilianerin Dai Macedo hat 2013 den Preis für den schönsten Hintern Brasiliens erhalten. Dass nachgeholfen wurde, ist kein Geheimnis. (Youtube)

Die Brasilianerin Dai Macedo hat 2013 den Preis für den schönsten Hintern Brasiliens erhalten. Dass nachgeholfen wurde, ist kein Geheimnis. (Youtube)

Es gibt dafür sogar eigens eine in Brasilien entwickelte Methode, die „Brazilian Butt-Lift“. Man nimmt körpereigenes Fett und setzt es im Po ein. Der Trend ist zumindest medial in Europa präsent: Kim Kardashian ist das Paradebeipiel für einen perfekten “Brazilian Butt”.

Kim Kardashian hat ihren Hintern zum Markenzeichen gemacht. (AP Photos/Chris Pizzello/KEYSTONE)

Kim Kardashian hat ihren Hintern zum Markenzeichen gemacht. (AP Photos/Chris Pizzello/KEYSTONE)

Asien: Eine Lidfalte zum Geburtstag

Wie im Iran strotzt man auch im östlicheren Asien nach dem europäischen Vorbild. Deshalb lassen sich viele Asiatinnen eine zweite Lidfalte operieren, damit die Augen grösser wirken und westlicher aussehen. Südkorea hat sich zu einem Schönheits-OP-Mekka für Asien gewandelt. Jährlich erfolgen rund 650’000 Eingriffe, davon sind die Mehrheit Lidfalten-Eingriffe. Eine Lidfalten-Operation wird in Südkorea heutzutage des Öfteren zum Schulabschluss geschenkt.

Vor und nach einer Augenlidoperation (https://politicsoffashionuiuc.wordpress.com/2011/09/28/double-eyelid-surgery/)

Vor und nach einer Augenlid-Operation (https://politicsoffashionuiuc.wordpress.com/2011/09/28/double-eyelid-surgery/)

Forscher meinen, dass die Äusserlichkeit in Asien so wichtig ist, weil sich die Jobchancen nach Schönheits-Operationen massiv verbessern. Denn asiatische Gesichter sind einfach nicht angesagt. Darum freuen sich die abgehenden Studentinnen umso mehr über das OP-Geschenk.

Bestätigt hat diese Meinung die amerikanische CBS-Nachrichtensprecherin Julie Chen. Sie hat in einem Interview gesagt, dass sie auf Druck der Chefetage eine Augenoperation vorgenommen hat. Denn mit ihren asiatischen Lidern sehe sie nach Meinung ihres Chefs “gelangweilt und desinteressiert” aus, sagte sie gegenüber CNN.

Julie Chen vor und nach ihrer "Europäisierung".(marinadang.com)

Julie Chen vor und nach ihrer “Europäisierung”. (marinadang.com)

Sehen wir alle irgendwann gleich aus? Wir hoffen nicht. Aber eigentlich sollte das so oder so keine Rolle spielen, denn es gilt doch der Satz: Schönheit kommt von innen. Ein inneres Strahlen wird die plastische Chirurgie wohl auch in hundert Jahren nicht künstlich herstellen können.

(lak)


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