Ein Jahr danach: Der Kampf ums Überleben

Von Linda Aeschlimann
Heinrich Spoerry, Verwaltungsratspräsident der SFS Group will am Standort Schweiz festhalten
Heinrich Spoerry, Verwaltungsratspräsident der SFS Group will am Standort Schweiz festhalten © Urs Bucher/Tagblatt
Für viele Ostschweizer Firmen war die Aufhebung des Euro-Mindestkurs wie eine Faust ins Gesicht. Ein blaues Auge bleibt auch noch ein Jahr danach. Viele Unternehmen geben sich aber kämpferisch, wie das Beispiel der SFS Group AG in Heerbrugg zeigt.

Ein Jahr ist es her, dass Nationalbankpräsident Thomas Jordan die Aufhebung des Euro-Mindestkurses bekannt gab. Der Entscheid ist auch für viele Ostschweizer Firmen nach wie vor schmerzhaft. Der Gewinn ist vielerorts drastisch geschrumpft, Stellen wurden gestrichen, zahlreiche Firmen haben Kurzarbeit eingeführt. Die Liste der getroffenen Massnahmen ist lange. Trotzdem geben sich die Ostschweizer Unternehmer nicht geschlagen.

Verteidigen und halten

Ein Beispiel dafür ist die SFS Group AG mit Hauptsitz in Heerbrugg. “Es ist eine grosse Herausforderung mit einem Wechselkurs von plus/minus 1.10 zu arbeiten. Aber wir können überleben,” sagt der SFS-Verwaltungsratspräsident Heinrich Spoerry gegenüber FM1Today. Man wolle am Standort Schweiz festhalten. Es sei aber auch so, dass in der Schweiz nicht mehr im grossen Stil expandiert werde. “Die SFS hat das Motto: Verteidigen und halten,” sagt Spoerry.

Durch den Euro-Franken-Kurs von 1.10 habe man einen klaren Wettbewerbsnachteil. “Diesen müssen wir durch Kreativität, innovative Lösungen und Mehrleistungen ausgleichen”, betont der ehemalige CEO des Herstellers für mechanische Befestigungskomponente. “Gleichlange Spiesse wie die Mitbewerber hätten wir bei einem Kurs von 1.20 bis 1.30”.

Mehrarbeit und weniger Ferien

Um konkurrenzfähig zu bleiben, haben diverse Ostschweizer Unternehmen im Verlaufe des letzten Jahres die wöchentliche Arbeitszeit erhöht. Auch die SFS-Group reagierte und erhöhte die Arbeitszeit per März 2015 von 42 auf 44 Stunden pro Woche. Ausserdem wurden die Ferien gekürzt, von sechs auf fünf Wochen, und beim Verwaltungsrat und der Konzernleitung wurden zehn Prozent des Lohnes gekürzt.

“Per Anfang dieses Jahres konnten wir die Ferienverkürzung wieder aufheben”, sagt Spoerry. “Im Verlaufe des Jahres werden wir auch die wöchentliche Arbeitszeit wieder verkürzen”. Als kurzfristige Massnahme den Frankenschock zu verdauen, hätten sich die Massnahmen aber bewährt.

Frankenstärke wird weitere Arbeitsplätze kosten

“Wir sind vorsichtig optimistisch für das kommende Jahr”, meint Spoerry. Es sei aber zu früh, Entwarnung zu geben. “Die Frankenstärke wird sicher weitere Arbeitsplätze in der Schweizer Industriewirtschaft kosten. Wir spüren das als Zulieferer für Schweizer Unternehmen, die sind am kämpfen”, sagt Heinrich Spoerry.

Tausende Arbeitsplätze gingen verloren

Man schätzt, dass seit der Aufgabe des Mindestkurses  in der Schweiz 12’000 Industriejobs verloren gegangen sind. Wie viele Stellen es in der Ostschweiz sind, kann nicht beziffert werden. Dies, weil ein Abbau einzelner Stellen nicht meldepflichtig ist. Zahlen gibt es aber zu den Massenentlassungen. Im Kanton St.Gallen gab es im letzten Jahr 46 (dabei wurden 1344 Stellen abgebaut).

“17 Betriebe gaben als Begründung unter anderem die Frankenstärke an”, sagt Urs Baumann vom St.Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit. Die Aufhebung des Mindestkurses führte ausserdem zu einem Anstieg der Anmeldungen für Kurzarbeit. Das Ausmass der im Jahr 2015 tatsächlich geleisteten Kurzarbeit lässt sich aber noch nicht endgültig abschätzen. (lae/cas)

Der TVO-Beitrag zum Thema Frankenstärke:


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